Schmähspot: Samsung veräppelt iPhone-Fans

Marketing Mit plumpem Marketing vom iPhone-Hype profitieren: Wäre der vielfach diskutierte Apple-Kult tatsächlich eine Weltreligion, hätte das neueste Schmähvideo aus Südkorea die Apple-Jünger schon längst auf die Straßen getrieben. Samsung macht in einem neuen Werbespot weniger Werbung für sein Galaxy S3, als gegen das iPhone 5. In 90 Sekunden zieht der Kontrahent mit teilweise fachlich falschen Argumenten über Apple-Fans her. Samsung hat verlernt, wie Marketing für das eigene Produkt funktioniert.

Werbeanzeige

Man nehme einen hippen Bart, ein kariertes Hemd, Hosenträger, eine Hornbrille und fertig ist der Apple-Hipster. Den stellt man in eine Schlange vor einen Store mit vielen anderen Gleichgesinnten. So stellt sich Samsung in dem neuesten Werbespot die Apple-Fangemeinde vor. Und gibt sie der Lächerlichkeit preis. In dem 90-Sekünder werden die iPhone-Nutzer als unreflektierte Dummbeutel präsentiert, die zwar nicht zufrieden sind mit dem Gerät, aber trotzdem willenlos in der Schlange stehen.
###YOUTUBEVIDEO###

Unter dem Slogan “The next big thing is already here” will Samsung in alter Manier auf dem Rücken der iPhone-Fans Werbung für sein Smartphone S3 machen. Wie schon im Vorfeld des Super Bowl gehen die Südkoreaner nach dem immergleichen Schema vor: iPhone-Fans werden als trendgeile iSchafe eingeführt, die auf Kosten von neuer, besserer Technik lieber unreflektiert dem Apple-Kult frönen. Bis dann aufklärerisch ein Samsung-Nutzer die Szenerie betritt und recht lässig erklärt, wie cool und wie viel besser das Leben mit dem S3 doch sei.

Was einmal als Idee gut funktioniert hätte, gilt nach dem mittlerweile vierten Spot dieser Machart reichlich abgedroschen. Gutes Marketing sollte schließlich die eigene Marke in den Vordergrund rücken und Wiedererkennungswert schaffen? Langsam gewinnt man als Betrachter allerdings den Eindruck, dass der einzige Wiedererkennungswert der Samsung-Spots die Apple-Fans zu sein scheinen.
Vergleicht man die Werbespots beider Unternehmen, wirkt die Marketingstrategie der Koreaner noch kurioser. Während Apple abgesehen von den aktuellen Siri-Spots mit prominenter Unterstützung in seinen Produkt-Spots zu beinahe 100 Prozent auch das eigentliche Produkt zeigt, wirken die Werbespots von Samsung selten wie aus einem Guss. Würde das Unternehmen etwa in der neuesten Werbung für das S3 nicht ab und an einmal das Smartphone einblenden, könnte der Spot ebenso gut für eine Handcreme oder einen Versicherer funktionieren. Vor einigen Monaten blamierten sich die Koreaner sogar damit, dass sie für einen Werbeclip des Galaxy Tab kurzerhand das Kindermodel aus dem iPhone-4S-Spot verpflichteten.

Abgesehen von der mittlerweile abgegriffenen Machart erlaubt sich Samsung im aktuellen Spot fachliche Fehler. So wird etwa der Eindruck erweckt, dass das iPhone 5 über bestimmte Features des S3 nicht verfüge. Ein Passant erzählt der wartenden Apple-Gemeinde, dass er mit seinem Smartphone Mails verschicken könne und gleichzeit einen Film schauen. Wenn auch auf andere Weise gelöst, beherrscht das iPhone seit iOS 4 diese Art von Multitasking. Am Mittwoch veröffentlichte Apple die sechste Version seines mobilen Betriebssystems. In einer anderen Szene halten zwei S3-Nutzer ihre Smartphones aneinander, um drahtlos Dateien untereinander auszutauschen. “S-Beam” nennt Samsung dieses Feature, auf das der Konzern schon in einer erst kürzlich veröffentlichten vergleichenden Anzeige hinwies.

Zum Hintergrund: S-Beam funktioniert in diesem Modus nur zwischen zwei S3-Smartphones. Will man auf diese Weise mit einem anderen Android-Smartphone Dateien tauschen, können die Geräte nicht miteinander kommunizieren. Ferner macht sich Samsung in dem Spot indirekt über Apples neuen Lightning-Adapter aus (Zitat: “Die machten die coolsten Adapter.”) Freilich verwendet Samsung mittlerweile Mikro-USB bei seinen Smartphones, allerdings häuften die Koreaner in den vergangenen zehn Jahren ein wahres Sammelsurium an divsersen Adaptern an, wie dieses Bild von CultofMac eindrucksvoll belegt.

So schreien die Samsung-Spots nach einer Antwort aus Cupertino, auf die Fans allerdings vergeblich warten dürften. Auch Apple machte sich mit vergleichender Werbung einen Namen. Die “I’m a Mac”-Spots, in denen Windows-Rechner nie gut abschnitten, gelten längst als Kult. Allerdings war Apple zu jener Zeit der kleine Konkurrent, der die Giganten Microsoft und IBM mit großem Marketingaufwand vom Thron stoßen wollte.

Samsung hingegen macht längst gute Gewinne im Smartphone-Segment, verkauft mehr Smartphones als Apple. Das S3 ist ein gutes Smartphone mit durchweg guten Kritiken. Das Unternehmen hat es schlicht nicht nötig, gegen Apple-Fans zu hetzen. Zumal das Unternehmen damit potenzielle Käuferschichten vergrault. Das Marketingteam der Koreaner wäre demnach gut beraten, von den Anti-Apple-Spots Abstand zu nehmen und sich bei der Konzeption von Anzeigen und Spots wieder auf die eigenen Produkte zu konzentrieren.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige