Kate-Fotos: Nutzten Paparazzi Drohnen?

Fernsehen Der Skandal um die Nacktfotos von Kate Middleton beschäftigt nicht nur die Gerichte. Längst haben die Aufnahmen auch eine Diskussion unter Fotografen entfacht. In einschlägigen Foren spekuliert man darüber, ob die Fotos mit einer ferngesteuerten Drohne aufgenommen wurden. Die kleinen, wendigen Fluggeräte summen nahezu lautlos durch die Lüfte und können selbst schwere Spiegelreflexkameras transportieren. In Deutschland betrachten Datenschützer den Trend mit Argwohn.

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Während man sich im Fall der nackten Kate noch fragt, wie die Bilder denn nun eigentlich entstanden sind, gehört der Quadro- bzw. Octocopter – abhängig von der Anzahl der Rotoren – längst zum Handwerkszeug der Paparazzi. Und das schon seit Jahren. Bereits 2010 befasste sich die Reportage "Paparazzi: Sharks of the French Riveria" mit der Tatsache, dass Fotografen mit den Fluggeräten tiefer in die Privatsphäre von Prominenten eindringen könnten, als es mit großen Teleobjektiven bisher der Fall war.

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Mit Drohne ist in diesem Fall ein ferngesteuertes unbemanntes Fluggerät gemeint, das im Verbund mit einer Kamera Bilder und Videos in hoher Qualität aufnehmen kann. Mitunter braucht es zwei Personen, um das Gerät zu bedienen: einen Piloten, der über eine spezielle Videobrille die Flugbahn der Drohne nachvollziehen kann, und einen Fotografen, der im richtigen Moment den Auslöser drückt.

Großes Sparpotenzial für Filmproduktionen
Die Einsatzbereiche der Fluggeräte sind mannigfaltig. Brauchte es bislang aufwändige und kostspielige Krankonstruktionen für Imagefilme oder Aufnahmen von großen Gebäuden, genügt mittlerweile der Einsatz eines Drohnenfotografen. Die sind selbst in Deutschland gut organisiert. Über eine Google-Maps-Karte lassen sich die sogenannten Luftbildfotografen für Deutschland, Österreich und die Schweiz ausfindig machen. Oliver Knittel bietet mit seinem Unternehmen Service-Drone sogar Flugtraining für Interessierte an. Die Preise rangieren zwischen 180 Euro für einen Schnupperkurs bis zu 1200 Euro für einen Film-Workshop. 

Aber auch in Krisengebieten, die für Menschen zu gefährlich wären, würden die unbemannten Fluggeräte die Sicherheit von Journalisten und Fotografen enorm erhöhen. Der US-Medien-Professor Matt Waite von der University of Nebraska-Lincoln glaubt an die Vorteile der Drohnen für den Journalismus. Dazu hat der Akademiker ein sogenanntes “drone-journalism Lab” gegründet. Allerdings heben Drohnen auch die Bedrohung durch Paparazzi – im wahrsten Sinne des Wortes – in völlig neue Sphären. Über die Vor- und Nachteile diskutieren Marcus Bösch und Lorenz Matzat in ihrem Blog Drohnenjournalismus.com.

Ursprünglich wurden die ferngesteuerten Mini-Drohnen für militärische Zwecke entwickelt, kamen dann bei Polizeieinsätzen auch in Deutschland zum Einsatz. Mittlerweile können iPad- und iPhone-Nutzer für rund 300 Euro schon eine Drohne mit Video-Livestream ihr Eigen nennen und die Nachbarschaft erkunden. Versandhändler Pearl bietet einen Helikopter mit integrierter Kamera schon für 99 Euro an und wirbt damit, dass sich auf Wunsch sogar die Positionsleuchten ausschalten lassen: "So navigieren Sie nachts oder verschmelzen mit den Schatten. Genial!" Wer mit der Drohne schwerere Lasten, wie etwa eine digitale Spiegelreflex transportieren will, bezahlt je nach Ausstattung und Flugfähigkeiten bis zu 30.000 Euro.

Englische Presse besorgt wegen Drohnen-Einsatz
Preise, die offenbar auch Paparazzi in Erwartung neuer Erlösquellen bereit sind zu zahlen. Nach der Veröffentlichung der Kate-Bilder in der französischen Closer ist sich der Telegraph sicher, dass die Fluggeräte künftig eine enorme Bedrohung für die Intimsphäre von Prominenten sein werden. Das britische Blatt befürchtet, dass die ferngesteuerten Fluggeräten bald um Penthouse-Wohnungen und die sonst gut abgeschirmten Promi-Parties schwirren könnten. Für etliche Fotografen scheint es durchaus im Bereich des Machbaren, dass die Bilder von Kate Middleton mit einer Drohne aufgenommen wurden, berichtet der Sidney Morning Herald, der außerdem den Hergang der Kate-Fotos nachstellte. 

In Deutschland bewegen sich Drohnen-Piloten noch in einer rechtlichen Grauzone. Wer etwa zu Privatzwecken die Nachbarschaft erkundet, fällt zwar nicht unter das Luftfahrtgesetz, da die kommerzielle Nutzung ausgeschlossen und eine Flughöhe von über 30 Metern ausgeschlossen ist. Allerdings ist das heimliche Filmen und Fotografieren strafbar. Es drohen Geldbußen und eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.

Drohnenfotografen und Paparazzi verdienen mit dem Fluggerät Geld. Allerdings konzentriert sich das erst kürzlich überarbeitete Luftfahrtgesetz auf den staatlichen Einsatz der Fluggeräte, der in den vergangenen Jahren zugenommen hat – etwa zur Überwachung der Atomkraftgegner in Gorleben. Peter Schaar fordert deswegen eine Anpassung der Gesetze. "Mit Kameras bestückte Drohnen können für vielerlei Zwecke eingesetzt werden", sagte der Datenschutzbeauftragte der taz. "Nicht in jedem Fall ist das ein Datenschutzproblem, aber dort, wo Menschen gefilmt werden, ist es eines." Hierzulande braucht es eine Debatte um die Grenzen beim journalistischen Einsatz von Drohnen. Vermutlich wird die erst dann geführt, wenn das erste prominente Opfer gegen einen Drohnen-Fotografen oder seinen Auftraggeber plant.
Nachtrag: Der in den Kommentaren angesprochene Tippfehler ("Es drohnen Geldbußen") ist inzwischen korrigiert – die Redaktion.

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