Beschwerdewelle wegen Titanic und Wagner

Publishing Bei der nächsten Sitzung erwartet den Deutschen Presserat viel Arbeit. Denn dann müssen sich die Berliner mit den Protesten zum Papst-Cover der Titanic und der „Post von Wagner“ zur Homo-Ehe beschäftigen. Beide Veröffentlichungen lösten offenbar eine „Beschwerdewelle“ aus. „Insgesamt reichten 250 Leser ihre Kritik ein“, verrieten die Medienwächter auf ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin. Beide Fälle werden auf der Tagesordnung der nächsten Beschwerdeausschuss-Sitzungen stehen.

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Wegen der beiden kontroversen Stücke rechnet der Presserat in diesem Jahr sogar mit einem leichten Anstieg der Beschwerden. Im Vorjahr zählten die Medienwächter insgesamt 1.323 Zuschriften. 2010 waren es noch 1.661 Fälle. Damals erhitzte vor allem die Berichterstattung zur Loveparade und – wiederum – ein Titanic-Cover – die Gemüter.

Insgesamt sprachen die Medienwächter 13 öffentliche Rügen, sieben nicht-öffentliche Rügen und 65 Missbilligungen aus.

Außersdem stellten die Berliner fest, dass sie zunehmend Beschwerden erhalten würden, bei denen Leser die Verwendung von Fotos und Informationen aus sozialen Netzwerken kritisieren. „Grundsätzlich gehört die Recherche in sozialen Netzwerken zum legitimen journalistischen Handwerkszeug. Soziale Netzwerke sind jedoch kein Selbstbedienungsladen. Mit den Inhalten muss sorgsam umgegangen werden“, erklärte die Presserat-Sprecherin Ursula Ernst.

Nicht alles, was verfügbar sei, dürfe auch ohne Einschränkung veröffentlicht werden. „Denn die eigene Darstellung, z. B. in einem Facebook-Profil, bedeutet nicht zwingend eine ‚Medienöffentlichkeit‘. Journalisten müssen bei der Veröffentlichung sorgfältig abwägen, welches Interesse überwiegt“, erklärte Ernst.

Zudem kündigte der Presserat an, dass man an einer Richtlinie für Opferberichterstattung arbeite. „Geplant ist eine eigene Richtlinie zur Opferberichterstattung, die dem besonderen Stellenwert des Opferschutzes beim Presserat gerecht werden soll. Das Recht des Opfers auf Anonymität ist ein grundlegendes und wichtiges Anliegen für den Presserat, das durch die jahrelange Spruchpraxis untermauert wird“, sagt Geschäftsführer Lutz Tillmanns.

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