Inszeniertes Schweinesiechtum von JvM

Marketing Jetzt diskutiert das Web über die Moral von der Geschicht: Jung von Matt hat für die Deutsche Krebshilfe eine Viral-Kampagne konzipiert und umgesetzt, in der ein Schwein scheinbar unter UV-Dauerbestrahlung steht und langsam dahinsiechte. Die Kritik und der Hype um das eklige Video zur Aktion war enorm. Lange war der Urheber der scheinbaren Tierquälerei unbekannt, bis sich die Macher live bei "SternTV" outeten. Zu diesem Zeitpunkt hatten einige Blogger und Twitterer allerdings schon die Polizei eingeschaltet.

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Aber erst einmal der Reihe nach:
Anfang September wurde bei Twitter ein Link zu einer Webseite rumgereicht, auf der zu sehen war, wie ein Schwein in einem Versuchslabor unter Dauerbestrahlung mit UV-Licht fürchterlich litt. Der ehemalige Viva-Moderator und Blogger Nilz Bokelberg verfasste daraufhin ein Posting, indem er erklärte, was auf der besagten Seite zu sehen war. Zudem rief er seine Leser dazu auf, weitere Informationen zu sammeln.

Der Aufruf fruchtete, und die Web-Gemeinde machte sich auf die Suche nach weiteren Indizien. Die meisten, die auf die gefälschte Webseite stießen, dürften ernsthaft verstört gewesen sein. Denn die Bilder vom dem leidenden Schwein waren wirklich brutal. Ein gewisses Gefühl dafür vermittelt noch immer der Projekt-Clip, den die Deutsche Krebshilfe auf der Kampagnen-Seite rosi-hat-schwein-gehabt.de zeigt.  

###YOUTUBEVIDEO###

Die Krebshilfe beschreibt ihr Vorgehen folgendermaßen: „Dazu war eine Webseite online, auf der tausende User beobachten konnten, wie ein ominöses Forscherteam tagelang ein Schwein intensiver UV-Strahlung aussetzte. Videos, Dokumente und Bilder dokumentieren den Leidensweg des Tieres und die drastischen Auswirkungen auf Haut und Vitalwerte.“ Weiter heißt es: „Was die Beobachter nicht wussten: Der Sonnenbrand des Schweins Rosi war Schminke, das Leiden antrainiert, die UV-Strahlung farbiges Licht“.

Zumindest das Film-Team scheint einen guten Job gemacht zu haben. Denn die meisten Beobachter kauften dem Schwein das Leiden ab. Obwohl einige Blogger meinten, einen Fake zu erkennen, alarmierte Ute Gerhardt wohl schon rein vorsorglich die Polizei.

Am Mittwoch wurde bei SternTV die gesamte Aktion dann aufklärt. Mit einem gewissen Stolz erklärten die Macher ihre Idee hinter der Aktion. „Verantwortlich für die ganze Schweinerei ist“, wie es so schön im O-Ton der SternTV-Reportage heißt, „der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen und Vorsitzende der deutschen Krebshilfe“. „Ziel war es die Menschen aufzurütteln, weil die Menschen mit Tieren mehr Mitleid hätte, als mit sich selbst“, erklärt der Medienprofi.

Dieses Ziel wurde allerdings nur bedingt erreicht. Denn Sascha Lobo bezeichnete die Aktion bereits als das misslungenste Viral des Jahres. Videopunk Markus Hündgen kommentierte: „Ich freue mich sehr, dem Videoprojekt bzw. den Machern schon jetzt eine Wildcard in die Endrunde des ‚Silberner Sellerie 2013‘ überreichen zu dürfen. Schließlich sollen nur die Schlechtesten gewinnen.“

Der Wissenschaftsblogger Martin Ballaschk analysiert, ob die Aktion nun ein Erfolg war. „Man muss sich nur anschauen, wie wenig Leute eigentlich darüber diskutierten und wie viele Suchtreffer die Suche nach der IP ergab. Es gab nie einen echten Hype, und viele Tage war diese Seite hier der einzige Google-Suchtreffer.“ Für ihn ist die Aktion „geschmacklos, handwerklich schlecht gemacht und komplett gegen den Baum gefahren, denn niemand hat sich um den Hautkrebs geschert, alle wollten nur wissen, was man da dem Schwein antut. Einige vermuteten einfach Tierquäler hinter der Aktion. Was für eine wirklich jämerliche Geschichte.“

Dem kann Meike Lobo nur zustimmen: „Ich schäme mich nicht dafür, dass ich mich zu Tode erschreckt habe, als ich die nässenden Wunden gesehen habe, den Speichelfluss, die „Hundesitzigkeit“ Eures Schweins. Ich schäme mich nicht, dass ich am ganzen Leib gezittert habe, mir kotzübel wurde und ich keine Ruhe fand, solange ich nicht wusste, was mit dem Tier ist.“ Weiter schreibt sie: „Ich schäme mich nicht, liebe Krebshilfe, liebe Jung von Matts, lieber Nils Bokelberg. Aber ich hoffe von ganzem Herzen, dass Ihr es tut.“

In seinem Blog hat sich Bokelberg noch einmal zu Wort gemeldet und sich wortreich bei seinen Lesern und Followern dafür entschuldigt, dass er bei der Aktion mitgemacht hat. „Ich weiß nun (ein bisschen spät, aber immerhin), dass ich so etwas nie wieder machen werde. Dass ich einfach nicht geeignet bin für so eine Aktion. Aber ich weiß auch: Ich werde gerne jederzeit weiterhin dabei helfen, Krebsrisiken zu minimieren, wo ich es für nötig halte und helfen kann.“

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