Bertelsmann: Das Ende der Ankündigungen

Publishing Der Weltmedienkonzern Bertelsmann hat eine Pressemitteilung zum Ende des Management-Meetings und ein Video-Interview mit seinem Chef Thomas Rabe veröffentlicht. Die Botschaft: "Bertelsmann legt strategischen Kurs für die nächsten Jahre fest". In dem Video lautet gefühlt jedes zehnte Wort Rabes "Wachstum". Die Frage ist nur – wo soll es herkommen? Und wo soll investiert werden? Für Gütersloh heißt es jetzt: Genug der Ankündigungen und Taten sprechen lassen.

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Es ist gewiss keine einfache Aufgabe, einen Tanker wie Bertelsmann zu lenken. Der Turbo-Ära des Thomas Middelhoff folgten Jahre der Genügsamkeit, des Sparens, der zwanghaft auferlegten Zurückhaltung. Die Familie Mohn hatte den Börsengang durch einen Rückkauf von Anteilen verhindert, der Preis dafür war milliardenschwer. Denn in der Zeit, in der die Schulden mühsam abgetragen werden mussten, fehlte das Geld für strategische Investitionen. Stattdessen wurde beispielsweise der Fachverlagsriese BertelsmannSpringer verkauft. Heute hätte Rabe ihn gerne zurück – doch die geschätzen 2 bis 3 Milliarden Euro hat er nicht in der Kasse.

Gleichzeitig soll und muss mit Rabe frischer Wind, ach was: ein ordentlicher Sturm durch Gütersloh wehen, der den Managern in aller Welt möglichst das Hirn lüften soll, zu neuen kreativen Höchstleistungen in der Medienbranche anzusetzen. Der Manager verkündet seit seinem Antritt den Beginn einer neuen Wachstumsstory, es ist viel von "Umbau" die Rede, von "Transformation" und dem "Megathema Digitalisierung". In dem am Donnerstag veröffentlichten Video sagt Rabe, Bertelsmann solle "sehr stark wachsen", "sehr viel internationaler" werden und "digital führend".

Ein wenig erinnert das an Springer-Chef Mathias Döpfner vor etwa zehn Jahren, nachdem die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 ins Wasser gefallen war. Internationalisierung und Digitalisierung hatte Döpfner damals als Wachstumstreiber definiert. Aber das ist lange her, und Döpfner hat tatsächlich auch geliefert. Ob Rabe im Jahr 2012, in dem vor allem in der Welt digitaler Geschäftsmodelle die Früchte sehr hoch hängen, mit einer Rhetorik der selbsterfüllenden Prophezeiungen die Döpfner´sche Erfolgsgeschichte wiederholen kann, ist unsicher.

Ausgeschlossen ist ein Schub für den Medienkonzern natürlich nicht. Der Erfolg hängt von verschiedenen Faktoren ab: Findet Rabe geeignete Übernahmekandidaten, vor allem auf den Feldern Musikrechte, Bildung, Business Information? Wie sieht der Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdkapital aus, den Finanzexperte Rabe auf die Beine stellt? Wie will er das bestehende Kerngeschäft, vor allem Gruner + Jahr und RTL, neu sortieren? Und: Was verstehen Rabe und seine Kollegen überhaupt unter dem Schlagwort "Megatrend Digitalisierung"?

Rabe nennt als Beispiele das nichtlineare Fernsehen (RTL), das Geschäft mit E-Books (Random House) und die digitale Werbevermarktung (G+J, RTL), sowie E-Commerce und Dienstleistungen um E-Commerce herum (Arvato). Ohne Frage wichtige Felder, auf denen Bertelsmann auch einiges zu bieten hat. Aber in diesen hart umkämpften Geschäftsfeldern die "winning points" zu schlagen, bedarf es Kapital, Knowhow, Schnelligkeit und großer Entschlusskraft. Alle diese Eigenschaften wird Bertelsmann nun die Waagschale werfen müssen, um mithalten zu können. Für Rabe ist die Zeit der Ankündigungen seit dem 13. September vorbei.

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