Die SPD-Ohrfeige für Ulrich Deppendorf

Fernsehen Es begann mit kritischem Geplänkel und wurde zu einer verbalen Ohrfeige für Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD Hauptstadtstudios. Deppendorf befragte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Sonntag im “Bericht aus Berlin” zu dem neuen Rentenkonzept der Sozialdemokraten. Gegen Ende des Gesprächs versuchte er, Gabriel zu unterstellen, mit dem Positionspapier die SPD-Troika aus Steinmeier, Steinbrück und ihm beschädigen zu wollen. Der SPD-Chef konterte und dem ARD-Mann fehlten Worte und Sendezeit.

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Das ganze, knapp vierminütige, Gespräch war gewiss keine Sternstunde der Interviewkunst. Ulrich Deppendorf legte los mit der pseudofrechen Frage, ob sich Gabriel “nicht getraut” habe, alte rotgrüne Beschlüsse zum Absinken des Rentenniveaus zu kippen. Gabriel schnaufte und erklärte ruhig, dass es keinen Sinn ergebe, den Menschen die Unwahrheit zu sagen und mit Aussagen in den nächsten Wahlkampf zu ziehen, von denen man wisse, dass sie nicht bezahlbar seien.

Danach beschwor Deppendorf, es “drohe heftiger Streit” in der SPD wegen dem Positionspapier. “Ach. Na ja …” gab Gabriel zurück und verwies auf die in der Tat weitaus heftigeren Kontroversen zwischen CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihrer Partei. Dann kam noch die schwammige Unterstellung, Gabriel wolle sich mit dem Papier einer möglichen neuen großen Koalition andienen und zum Schluss das vermeintliche kritische Highlight in der Sichtweise des ARD-Mannes: “Wollten Sie mit ihrem Vorschlag eigentlich die Troika nicht beschädigen?”, fragte Deppendorf in einer seltsam ungelenkigen Formulierung, fast so, als sei ihm die eigene Courage, solche bösen Fragen zu stellen selbst nicht ganz geheuer.

Die Reaktion Gabriels hatte er dann offensichtlich nicht erwartet. Der SPD-Chef sagte: “Das müssen Sie mir erklären, Herr Deppendorf. Ich weiß ja, dass das üblich ist inzwischen nix mehr in der Sache zu debattieren im deutschen Journalismus und nur noch zu fragen, was sich dahinter für Machtfragen verbergen. Aber erklären Sie mir doch mal, wie das Papier angeblich die Troika der SPD, also Herrn Steinmeier, Herrn Steinbrück und mich beschädigt.”

Deppendorfs armselige Reaktion: “Das machen wir dann beim nächsten Mal, denn wir sind am Ende unserer Sendezeit …” Gabriel ist schlagfertig genug, in so einer Lage den zappelnden Fisch nicht so schnell vom Haken zu lassen. “Sie scheinen da sprachlos zu sein …”, setze er nach. Deppendorf hilflos: “Nee, bin ich gar nicht.” Gabriel ganz ruhig, als spreche er mit einem bockigen Kind: “Das Papier wird nunmal von uns dreien gemeinsam eingebracht. Von daher ist die Frage eine, die ein bisschen darauf hindeutet, wie sich der deutsche Journalismus in solchen Themen leider entwickelt.” Deppendorf: “Na gut. Wieder eine Journalistenschelte vom SPD-Vorsitzenden Gabriel, aber wir kommen noch drauf zurück. Das war’s für heute.” Zack, Abspann.

Das kurze Stück könnte bei Interview-Schulungen dafür herhalten, wie man es nicht machen sollte. Vor allem, da Deppendorf damit hätte rechnen können, dass ein rhetorisch beschlagener Mensch wie Sigmar Gabriel, solch plumpe Anwerfungen kontern würde. Man hatte sehr stark den Eindruck, dass es Ulrich Deppendorf in diesem Moment ganz recht war, nicht über mehr Sendezeit zu verfügen.

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