„Jäkels Energie ebenso groß wie ihr Ehrgeiz“

Publishing Die Frau ist der Star: Bertelsmann baut den G+J-Vorstand um und fast alle Beobachter beschäftigen sich mit Julia Jäkel, die zusammen mit Torsten-Jörn Klein und Achim Twardy künftig den Verlag führen soll. Doch das Trio könne nur eine Übergangslösung sein. Schon bald würde sich wohl eine Primus inter pares herauspendeln. „Oder sollte man besser sagen“, wie das Abendblatt schreibt, „eine Prima inter pares"?. Auch das Handelsblatt scheint sich sicher: Der Aufstieg von Jäkel an die Verlagsspitze sei nur „eine Frage der Zeit“.

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In der FAZ beschäftigt sich Michael Hanfeld, wie fast alle Beobachter und Kommentatoren mit Julia Jäkel. „Sie gilt als entscheidungsfreudig und vermittelnd zugleich, als Motivatorin und Mannschaftsspielerin“, schreibt er. Weiter heißt es: „Beispiel des Magazins Schöner Wohnen“das zwischen 2010 und 2012 in der Auflage und dem Anzeigenaufkommen nach stark zulegte, konnte man sehen, was Julia Jäkel im Verein mit dem Chefredakteur Stephan Schäfer, der inzwischen auch die Brigitte führt, zu leisten im Stande ist.“
Allerdings glaubt die FAZ, dass die Verpflichtung von Jäkel auch an Zeichen dafür sei, dass Bertelsmann das Verlagshaus Gruner + Jahr nicht verkaufen will.

Kai-Hinrich Renner (Hamburger Abendblatt):
„Doch wie so oft in der Karriere wurde die Ehefrau des ehemaligen „Tagesthemen“-Moderators Ulrich Wickert unterschätzt. Dabei ist ihre Energie ebenso groß wie ihr Ehrgeiz. Sie verfügt über eine bemerkenswerte soziale Intelligenz. Mit Bertelsmann-Chef Thomas Rabe kann sie genauso gut wie mit der Verlegerfamilie Jahr.“ Weiter heißt es, dass Buchholz für das neue Führungstrio und nicht für seinen Vorstandskollegen Thomas Hesse entschieden habe, führe man in Verlagskreisen auf die Verhandlungen mit den Jahr zurück. „Denn die Übernahme der Anteile der Verlegerfamilie ist längst noch nicht in trockenen Tüchern.“

M. Schröder und Hans-Peter Siebenhaar schreiben im Handelsblatt, dass auch Torsten-Jörn Klein ein Top-Kandidat für den Vorstandsposten gewesen wäre. Doch Rabe hätte nach einer Lösung mit „mehr Strahlkraft“ gesucht. „So wurde die Idee geboren, Julia Jäkel zu befördern. Auch den Vorstandsvorsitz traut man ihr zu. Allerdings wollten Rabe und sein Team, den düpierten Klein nicht zum Sofortverzicht zwingen. Das hätte für zu viel Unruhe gesorgt.“ Die Handelsblatt-Autoren sind sich sicher: „Das neue Führungstrio dürfte nur eine Übergangslösung sein.“
Claudia Tieschky, Süddeutsche Zeitung:
„Jäkel ist nicht nur jung und hoffnungsvoll, sie hat vor allem überzeugend klar gemacht, dass sie an das klassische Zeitschriftengeschäft glaubt. Unter ihrer Hand wurden überkommene Titel erfolgreich renoviert, Schöner Wohnen entwickelte sich hervorragend; die Neugründung Couch gelang ihr auch. Bei Bertelsmann traut man ihr offenbar zu, die Verlagsprodukte in moderne Marken zu überführen.“ Als Beispiel für die Durchsetzungskraft der Managerin führt die Autorin dem Fakt an, dass Jäkel an ihren ersten Arbeitstagen noch der Babypause erst einmal die Chefredaktion der Brigitte ausgewechselt und Season eingestellt hätte.

Mit Jäkel werde „die Fraktion der weiblichen Führungsfrauen in den männerdominierten Vorstandsriegen der deutschen Medienbranche um eine Kandidatin reicher“, schreibt die Welt. Weiter heißt es: „Mit Jäkel und Anke Schäferkordt, die bei der TV-Bertelsmanntochter RTL ebenfalls seit einigen Monaten im Vorstand sitzt, hat der in Gütersloh angesiedelte Medienkonzern nun in puncto Frauenquote auf höchster Ebene die Nase weit vorn“.

Sonja Pohlmann, Tagesspiegel:
"Die Spekulationen über die Übernahme und die schlechten Zahlen verunsichern die Mitarbeiter in Hamburg. In einem offenen Brief sorgte sich der Betriebsrat am Donnerstag über einen Abbau von 400 Stellen. Umso mehr setzen die Redaktionen nun darauf, dass die neue Vorstandsfrau Jäkel unverändert an die Zukunft des Printgeschäfts glaubt und den Verlag wieder auf Wachstumskurs bringt.“

Bei Mediatribune.de macht man sich dagegen Gedanken, wie es mit dem scheidenden Verlagschef weitergehen könnte: „Buchholz könnte es nun wieder in die Politik ziehen, heißt es. Der gebürtige Berliner sammelte nach seinem Jura-Studium in Kiel bereits Erfahrung in der FDP. Mit 29 Jahren zog er in den Landtag ein und machte sich als stellvertretender Vorsitzende des Untersuchungsausschusses der so genannten Barschel-Affäre über die Landesgrenzen hinaus einen Namen.“

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