G+J-Mitarbeiter suchen nach Antworten

Publishing Bei Gruner + Jahr stehen die größten Veränderungen erst noch an. Die Ernennung von Julia Jäkel zur Deutschlandchefin war erst der Anfang. Der nächste Schritt könnte der geplante Anteilstausch der Familie Jahr sein – raus aus G+J, rein bei Bertelsmann. Der Betriebsrat will am 18. September Fragen an den Vorstandsvorsitzenden stellen, wie ein G+J aussehen könnte, das zu 100 Prozent Bertelsmann gehört. Der Posten ist derzeit unbesetzt, und ob es Antworten geben wird, ist ebenso unklar.

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Bertelsmann hält sich mit der Entscheidung, den CEO-Posten zunächst nicht zu besetzen, alle Optionen offen. Der Digitalchef von Bertelsmann, Thomas Hesse, könnte doch noch an den Baumwall ziehen. Oder Jäkel nach einer Weile zur Vorstandschefin gekürt werden, weil eine sofortige Inthronisierung den Auslandschef Torsten-Jörn Klein über die Maße düpiert hätte. Die vorstandsvorsitzlose Phase bringt es übrigens auch mit sich, dass im Bertelsmann-Vorstand zunächst kein Vertreter von G+J sitzt. Was auch zumindest pro forma weniger Mitsprache und Einfluss für das Verlagshaus bedeutet. Andererseits: Am Drücker sitzt ohnehin Thomas Rabe, der seine Truppe gerade auf den Umbau des Medienkonzerns einschwört.

In der aktuellen Betriebsrat-Info werden die Mitarbeiter auch auf den aktuellen Stand gebracht, was die Arbeit der Unternehmensberatung Porsche Consulting angeht (MEEDIA berichtete). Nach einer Durchleuchtung der G+J Wirtschaftsmedien, der Vermarktungstruppe und dem Deutschen Presse-Vertrieb stehen ab Oktober weitere Redaktionen zur Effizienzprüfung an. Ab Mitte Oktober ist Porsche Consulting zu Gast bei Geo. Bisher lässt sich von deren Wirken offenbar wenig Kritisches berichten, aber der Betriebsrat fragt sich doch, "warum die Geschäftsleitung nicht in der Lage gewesen ist, selber so ein Projekt zu stemmen und eine teure Unternehmensberatung beschäftigen muss".

Und noch etwas beschäftigt die Arbeitnehmervertreter. In der Zeitschrift Essen&Trinken habe es in der Juni-Ausgabe eine Beilage "in Kooperation mit der Autostadt" von Volkswagen gegeben. In der Beilage seien nach Meinung des Betriebsrats "in irreführender Weise Kundeninteressen mit redaktionellen Inhalten vermischt" worden. Die Redaktion sei für Verlagsinteressen "missbraucht" worden. Eine Anfrage bei der Compliance-Abteilung von G+J, die für solche Fälle zuständig ist, sei mit dem Hinweis beantwortet worden, die Beratungen seien "zum Schutze der Beteiligten vertraulich". Der Fall an sich mag unterschiedlich bewertet werden, interessant ist jedoch, dass Chefredakteur von Essen & Trinken Stephan Schäfer ist, der Multifunktionsmann vom Baumwall. Der wiederum das Vertrauen der neuen Deutschlandchefin Jäkel genießt. Über die Zukunft des Qualitätsjournalismus wird auch bei G+J vermutlich noch zu reden sein.  

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