Brigitte zeigt wieder professionelle Models

Publishing Jetzt ist es offiziell: Der neue Brigitte-Chefredakteur Stephan Schäfer kassiert eine der aufmerksamkeitsstärksten Aktionen seines Vorgängers Andreas Lebert. Ab dem 19. September sind in der Brigitte wieder professionelle Models zu sehen. Ab sofort setzt das Frauenmagazin auf einen Mix aus Foto-Produktionen mit professionellen Models und Laien-Mannequins. Im neuen Editorial versprecht die Chefredaktion: „Eines versprechen wir Ihnen: Size-Zero-Figuren werden Sie weiterhin nicht zu sehen bekommen.“

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Weiter schreiben die Chefredakteure Brigitte Huber und Stephan Schäfer, dass die Initiative aus dem Jahr 2010 viel Aufmerksamkeit und Anerkennung gebracht hätte. „Bis heute haben wir mehr als 1000 Frauen in Mode- und Beauty-Fotoproduktionen in Szene gesetzt, ob Sängerin oder Hausfrau, Polizistin oder Studentin, ob 18 oder 68 Jahre alt. Wir wollten der Schönheit die Natürlichkeit zurückgeben – und zeigen: Attraktivität hat viele Gesichter." Das sei nach Meinung der Macher gelungen. Allerdings sei es jetzt an der Zeit, „wieder Bilanz zu ziehen“. Einige Frauen sollen sich unter Druck gesetzt gefühlt haben: „Wenn die Frau von der Straße auf den Fotos in der Brigitte so schön aussieht, das macht einem ja Minderwertigkeitskomplexe…’“, heißt es in dem Editorial.

Was das Vorwort verschweigt, ist der Umstand, dass das Ende der Initiative mit dem Wechsel in der Chefredaktion von Andreas Lebert zu Stephan Schäfer einhergeht.

Zudem hat das Postulat des Verzichts auf die Profis die Redaktion in der Vergangenheit offenbar vor erhebliche Probleme gestellt. Dabei, so heißt es, hätten diese nicht einmal bei den Modelabels gelegen, die Redaktionen neue Ware häufig lediglich in Größe Zero (entspricht der irrealen Konfektionsgröße 32 bzw. dem Taillenumfang einer 12-Jährigen) zusandten und damit die Verpflichtung von "Hungerhaken"-Models förderten. Hier habe man bei der Brigitte auch alternative Größen erhalten. Viel schwieriger sei die Unerfahrenheit der Amateur-Models gewesen, die bei der Produktion zu großen Zeitverlusten geführt habe. Zudem hätten viele der Frauen aufgrund ihrer Jobs nur am Wochenende Termine wahrnehmen können, was ebenfalls ein Kostentreiber sei. Hinzu kam, dass der Verlag auch der neuen Model-Klientel branchenübliche Gratifikationen zu zahlen versprach. So fragt die Süddeutsche Zeitung heute: "War die normale Frau für Brigitte am Ende zu teuer?"

Als der damalige Chefredakteur Andreas Lebert Anfang Oktober 2009 via Spiegel-Interview seinen Konzeptwechsel ausrief, hatte er dies als großen Befreiungsschlag für Redaktion wie Leserinnen gewertet: "Frauen wollen keine Kleiderständer mehr sehen, sie wollen sich identifizieren können." Der Umstand, dass die Bildredakteure Proportionen der Models noch per Photoshop am Computer nachbesserten, sei schlicht "pervers", denn: "Was hat das noch mit unserer echten Leserin zu tun?" Bei einer Presseveranstaltung im Hamburger Schanzenviertel sprach Lebert "von nichts weniger als einer Revolution" seines Blatts, ja, des ganzen Frauenmagazin-Segments.

Für Branchenzeugen hatte Leberts Manifest allerdings bereits damals etwas unverkennbar Marketing-Getriebenes: Die Auflage war damals schon mies, und die "Ohne Models"-Offensive brachte dem Chefredakteur ein weltweites Medienecho ein, immerhin. Kritiker bemängelten damals, dass ein solch mutiges Bekenntnis eine fast unwiderrufliche Selbstverpflichtung sei, deren mögliche Nebenwirkungen noch gar nicht abzusehen wären. Auch MEEDIA urteilte damals verhalten: "Die Zeitschrift, so meint man, erfindet sich neu – aber die Risiken sind hoch."

Mit dem Ende der "No Model"-Policy beseitigt die neue Brigitte-Chefredaktion eine Dauer-Diskussion. Das wird sicherlich bislang gebundene Kräfte freisetzen, um noch stärker gegen das Auflagen-Minus zu kämpfen. So verlor das Magazin innerhalb der vergangenen fünf Jahre 21 Prozent seines Gesamtverkaufes. Im Einzelverkauf liegt das Minus sogar bei 21 Prozent. Aktuell verkauft die Brigitte 601.696 Exemplare.

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