Ein wahres E-Book-Märchen für Verlage

Publishing Wie können Print-Medienhäuser Geld in der digitalen Welt verdienen? Diese Frage treibt die Branche um. Eine fast märchenhaft anmutende Antwort kommt aus den USA von der Zeitung Minneapolis Star-Tribune. Eine Zeitung, der vor ein paar Jahren noch die Pleite drohte. Dort wurde eine Artikelserie zum Krieg der US-Einwanderer gegen die Dakota-Indianer gleichzeitig als E-Book veröffentlicht und man landete einen Bestseller. Aus der Geschichte könnten Verlage einiges lernen.

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Wie können Print-Medienhäuser Geld in der digitalen Welt verdienen? Diese Frage treibt die Branche um. Eine fast märchenhaft anmutende Antwort kommt aus den USA von der Zeitung Minneapolis Star-Tribune. Eine Zeitung, der vor ein paar Jahren noch die Pleite drohte. Dort wurde eine Artikelserie zum Krieg der US-Einwanderer gegen die Dakota-Indianer gleichzeitig als E-Book veröffentlicht und man landete einen Bestseller. Aus der Geschichte könnten Verlage einiges lernen.

Das wahre E-Book-Märchen aus dem fernen Minnesota wurde aktuell von der Website Paidcontent.org erzählt und geht so: 2012 jährt sich der Konflikt zwischen den US-Einwanderern und den Dakota-Indianern im heutigen US-Bundesstaat Minnesota zum 150. Mal. Für die Zeitung Minneapolis Star-Tribune war das ein Anlass, den Reporter Curt Brown mit einer Artikelserie zum Thema zu beauftragen. U.a. sollte es um die grausame Massen-Hinrichtung von 38 Dakota-Indianern im Auftrag der US-Regierung gehen, ein Vorfall, der in den USA lange Zeit totgeschwiegen wurde.

Brown wurde vier Monate lang freigestellt, recherchierte in Archiven, traf Nachfahren der Indianer und verfasste eine sechsteilige Serie, die wie eine Erzählung angelegt ist. Er erzählte den Konflikt u.a. aus der Perspektive des Dakota-Häuptlings Little Crow. Browns Artikelserie startete am 12. August in der Zeitung und, angereichert mit Videos und Infografiken, auf der Website der Zeitung. Gleichzeitig veröffentlichte die Zeitung die komplette Serie als E-Book unter dem Titel “In the Footsteps of Little Crow” für 2,99 Dollar für Amazons Kindle, für den Nook von Barnes & Noble” und als iBook in Apples iBook Store.

Das E-Book landete in dieser Woche nun auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste bei den Sachbüchern und auf Platz 8 der Bestsellerliste von Geschichtsbüchern beim iBook Store. Autor und Zeitung sind hochzufrieden und die Leser offenbar auch.

Diese Story erinnert entfernt an die Erfolgsgeschichte von John Siracusa. Der hat in der Apple-Szenen einen gewissen Kultstatus, weil er neue Versionen des Apple-Betriebssystems Mac OS mit beeindruckter Detailversessenheit bis zum letzten Pixel bespricht. Die Technik-Website Ars Technica landete bei der Veröffentlichung des Mac OS Betriebsystems Lion einen überraschenden E-Book-Hit, indem sie die Besprechung von Siracusa für 5 Dollar als Kindle E-Book angeboten haben. Das E-Book wurde bereits am ersten Tag über 3.000 mal gekauft, obwohl exakt derselbe Text gratis auf der Website zur Verfügung stand.

Was kann man daraus lernen?

– Die Verpackung macht einen Unterschied. Viele Nutzer hätten einen langen Text, der ihnen etwas bedeutet gerne „zum Behalten“. Und sei es nur auf ihrem E-Reader, wo sie ihn jederzeit unkompliziert und ohne Online-Zugang aufrufen können. Außerdem lesen sich lange Texte bekanntermaßen auf E-Readern besser und angenehmer.

– Leser sind bereit zu zahlen – wenn ein Thema sie wirklich interessiert und die Inhalte gut aufgeschrieben und aufbereitet sind. Im Falle von „Little Crow“ war es offenbar vor allem die Idee, die Reportage wie eine spannende Geschichte aus Indianer-Perspektive aufzuziehen, die gezündet hat. Viele Leser wurden durch den ersten Teil in der Zeitung und auf der Website angefixt und wollten sofort wissen, wie es weitergeht.

– Zusatzelemente sind nett – aber nicht entscheidend. Dass eine Story wie „Little Crow“ mit Videos oder Infografiken aufgemotzt wird, ist ein hübsches zusätzliches Feature, das im Zweifel aber nicht kaufentscheidend ist. Die Leser interessieren sich in erster Linie für die Story, nicht für Multimedia-Klimbim. Eigentlich eine gute Nachricht.

– Medienunternehmen sollten lernen, Archive zu nutzen und digital neue Vertriebswege zu gehen. Es gibt nämliche eine digitale Welt jenseits von Web und iPad-App. E-Books sind eine hervorragende Möglichkeit, hochwertige Inhalte in neuer Verpackung an neue Leserschichten zu bringen. Man kann sich zum Beispiel überlegen, nach dem Vorbild von „Little Crow“ interessante Artikelserien zusätzlich als E-Book zu veröffentlichen. Oder man schnürt Themen-Pakete aus Archivmaterial. In Archiven lagern oft Content-Schätze, für die sich in manchen Fällen gewiss ein interessiertes und zahlendes Publikum finden würde.

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