So lief Harald Schmidts Sky-Premiere

Fernsehen Da ist er also wieder: Harald Schmidt, inzwischen angekommen bei Sky, seiner wohl letzten Station im deutschen Fernsehen. Seit Dienstagabend präsentiert er seine Late-Night-Show nun im Pay-TV. Und obwohl er und sein Team einen ganzen langen Sommer Zeit hatten, sich tolle Ideen für die erste Show der neuen Staffel auszudenken, erwartete die wenigen Zuschauer eine Sendung, die für Schmidt-Verhältnisse allenfalls im unteren Mittelfeld anzusiedeln ist - und die Werbevermarktung hat offenbar auch noch nicht so gut geklappt.

Werbeanzeige

Was sich Sky von der Verpflichtung Schmidts erhofft hat, dürfte klar sein: einen weiteren Leuchtturm im Programm, über den gesprochen wird und der neben Fußball, Formel 1 und Filmen mit Sky in Verbindung gebracht wird. Was sich wohl die kühnsten Optimisten nicht erhofft haben, ist, dass Leute nur wegen Schmidt Sky abonnieren. Das hätte vielleicht auf dem Höhepunkt seiner Late-Night-Karriere Anfang des 21. Jahrhunderts geklappt, aber nicht in der Gegenwart, die für alte Fans seiner Sendung allzu oft zu trist geworden ist.

Am überraschendsten an Schmidts Sky-Premiere war dann auch nicht die Sendung selbst, sondern die Länge, bzw. Kürze: Ganze 39 Minuten "Harald Schmidt Show" erwarteten die Sky-Hits-Zuschauer ab 22.15 Uhr – brutto wohlgemerkt. Ohne Werbung waren es nur 35 bis 36 Minuten – erschreckend wenig. Die Show war damit schon um 22.54 Uhr zu Ende – bis 23 Uhr musste der Sender noch ein kleines "Game of Thrones"-Making-Of zeigen, um die Zeit zu überbrücken.

Offenbar gelang es dem Vermarkter Sky Media Network nicht, genügend Werbekunden für die Show zu gewinnen. So fanden sich in dem Werbebreak in der Mitte der Show ganze drei Kunden: HUK Coburg, Nikon und McDonald’s. Und das, obwohl Sky für Pakete mit 45 Spots in einer Länge von jeweils 30 Sekunden, ausgestrahlt zwischen September und Dezember, nur ganze 37.650 Euro verlangt hat, also pro 30-Sekünder nur 837 Euro. Damit es nicht allzu bitter aussieht, wurde der Break noch mit drei Sky-Eigenspots aufgefüllt.

Die Sendung selbst war keine glanzvolle Premiere, sondern eine Ausgabe, von der ungefähr gar nichts in Erinnerung bleibt. In einem viel zu langen 12-Minuten-Stand-Up-Block tischte Schmidt noch einmal lang und breit zahlreiche Sommerloch-Themen auf – von der Beschneidungsdebatte bis zu unwitzigen Gottschalks-Lanz-Gags. Später zeigte er mittelwitzige Bilder von Kölner Kneipen und nannte sie "Premium Sky Lounges", weil dort Sky(-Fußball) übertragen wird.

Völlig fehl am Platz wirkte diesmal Sidekick Klaas Heufer-Umlauf, der sich in einem nicht einmal zehn Minuten langen Block über trashige Bücher des riva Verlags aufregte – der Verlag, in dem das Buch von Bettina Wulff erscheint – und in dem er ein Foto von Kim Jong Un zeigte, auf dem er inmitten einer ernst schauenden Familie breit grinste. Auch hier musste sich der Zuschauer fragen, ob das alles war, was man sich in vier langen Monaten einer Sommerpause ausdenken konnte. Etwas uninspiriert wirkte schließlich auch Schmidts Gespräch mit der Cellistin Sol Gabetta und der Pianistin Hélène Grimaud, nach einer musikalischen Live-Einlage war dann um 22.54 Uhr schon Schluss.

Fade Sendung, kaum Werbung – so mancher dürfte bei Sky angesichts der teuren Neuverpflichtung in der Nacht zum Mittwoch schlecht schlafen.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige