Empörung um Twitter-Sprüche-Buch

Publishing Ein neuer Band mit lustigen Sprüchen aus dem Web sorgt für Aufregung. Dabei lädt allein der Buchname schon zum Lachen ein: "Nachts um 3 Uhr klingelte der Nachbar. Mir ist vor Schreck fast die Bohrmaschine aus der Hand gefallen". Doch nun der Vorwurf: Der Titel sei geklaut, ebenso die meisten der Inhalte. Diese habe er Autor ohne Erlaubnis und ohne Quellenangaben einfach kopiert. Der Verlag hat nun reagiert und das Buch erst einmal gestoppt. Der Autor hält die Aufregung jedoch für übertrieben.

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"Die coolsten Sprüche wo gibt", soll das Buch laut Kurzbeschreibung liefern. Darunter welche wie "Die häufigste Lüge der Menschheit: Ich habe die AGB gelesen und akzeptiert", und "Die beste Informationsquelle sind Leute, die versprochen haben, nichts weiter zu erzählen!". In den sozialen Netzwerken gibt es gegen dieses Buch nun Protest. Der Vorwurf: Autor Rolf Hohenhaus schmücke sich mit fremden Federn, denn er sei nicht der Urheber der kurzen Texte.
Auch auf Amazon haben sich Nutzer kritisch geäußert. Einer liefert direkt Links zu den mutmaßlichen Original-Tweets. So wurde der in der Kurzbeschreibung zitierte Spruch "8,5cm reichen völlig aus, um eine Frau glücklich zu machen… Dabei ist es absolut unbedeutend, ob VISA oder MasterCard drauf steht!" schon vor elf Monaten von einem Nutzer getwittert, der dafür 375 Favs und 250 Retweets erhielt. Auch der Spruch "Habe meine Ernährung umgestellt. Die Chips sind jetzt links vom Laptop" wurde bereits vor acht Monaten auf Twitter veröffentlicht. Und der Titel des Buches ist ebenfalls auf Twitter zu finden und dort bereits über ein Jahr alt.
Doch auch dieser Nutzer ist offenbar nicht der Urheber am Spruch. Wie der Riva Verlag in einer Stellungnahme auf Facebook schreibt. Demnach habe die ältesten Rechte am Titel ein professioneller Gagautor, der den Witz in den neunziger Jahren für eine Sendung von Rudi Carrell geschrieben habe. Der Verlag möchte laut der Stellungnahme "alles tun" um etwaige Rechtsverletzungen zu vermeiden, verweist aber auf den Autor: "Das Buch basiert auf dem Content der Facebookseite ‚Immer ein blöden Spruch auf Lager‘ von Rolf Hohenhaus, der uns vertraglich zugesichert hat, dass die Inhalte keine Urheber- oder Persönlichkeitsrechte Dritter verletzten." Nutzer die auf der Facebook-Seite von Hohenhaus eigene Sprüche entdecken, sollen sich nun beim Verlag melden.
Rolf Hohenhaus selbst kann die Aufregung nicht verstehen. Gegenüber MEEDIA betont er, dass er nie behauptet habe, Urheber der Sprüche zu sein. Er sieht sich vor allem als Betreiber einer Spruch-Community. Nutzer würden Sprüche einreichen oder selbst als Kommentare hinterlassen, Hohenhaus fordert auch dazu auf. Die Sprüche werden gesammelt und dann auf der iSpruch-Facebookseite veröffentlicht. Die Seite, von der das Buch eine Art ‚Best of‘ darstellen soll, hat aktuell fast 390.000 Fans.
Hier erscheinen Sprüche wie "Wenn die Benzinpreise weiter steigen, werde ich das Auto wohl bald nachts ausmachen müssen", "Ich könnte Buchstabensuppe essen und was Sinnvolleres auskotzen als dein dämliches Gelaber" und "Eben mal durchgezählt; ich habe sie tatsächlich nicht mehr alle!" als Bilder. Das ist auf Facebook besonders praktisch, da sie sich besser verbreiten lassen, als reine Textmitteilungen. So werden die einzelnen Sprüche meist mehrere Tausend Mal weiterverbreitet.
Allerdings: Auf den Spruch-Bildern ist weder eine Quelle noch ein Urheber angeben. Zu finden ist lediglich die URL der Spruchseite. Hat es dazu und zur Facebook-Seite allgemein schon einmal Aufregung oder Protest gegeben? "Nicht einmal!", sagt Hohenhaus. Deshalb habe er auch nicht mit einem Proteststurm gegen sein Buch gerechnet.
Die Nutzer auf Twitter sehen das Thema offenbar sensibler. Vielleicht auch, weil es nicht das erste Buch dieser Art ist. Bei früheren Büchern jedoch wurden die Verfasser der Tweets mit genannt und zuvor gefragt. Michael Seemann, Mit-Verfasser eines solchen Twitter-Spruchbuchs, fand den Shitstorm, der nun über Hohenhaus hereinbrach daher durchaus absehbar, wenn auch übertrieben.
Sein Rat: "Der Verlag sollte das nächste mal erwägen, mit Profis zusammenzuarbeiten". Aktuell hat der Verlag die Veröffentlichung gestoppt. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte Julia Loschelder, stellvertretende Pressesprecherin des Riva Verlags: "Bis die Anschuldigungen der Urheberrechtsverletzung vollständig geklärt sind, werden wir das Buch nicht ausliefern".

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