Neue Häuser: vom Charme des Nacktbetons

Publishing Seit heute liegt die neue Ausgabe von Häuser am Kiosk, in einer quasi modellgepflegten Ausbaustufe und erstmals verantwortet vom neuen Chefredakteur Stephan Schäfer. Der inzwischen fünffache Blattmacher im G+J-Verlagsbereich Life hat die Zeitschrift leise, aber effektiv revitalisiert - das Magazin wirkt schlichter wie edler und fokussiert künftig deutlich die Themensäulen Architektur und Design. MEEDIA hat Schäfers "Erstausgabe" geblättert.

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Der 38-Jährige hat "sein" Thema dabei gleich zur Titelstory gemacht. "Umbau statt Neubau" lautet die Headline, die Schäfer im Editorial aufgreift: "Das Heft ist größer geworden, die Schriften sind neu, ein paar Rubriken ebenfalls. Aber es war uns wichtig, den Kern zu erhalten, ihn nur behutsam zu verändern." Das Ergebnis wirkt ausgesprochen überzeugend. Das Cover strahlt nun kühle Eleganz aus, ohne unnahbar oder unfreundlich zu wirken, das Logo erscheint im Verhältnis etwas kleiner, was die Formatvergrößerung des Zweimonatstitels noch stärker herausstellt. Und statt der etwas zusammengewürfelt wirkenden Subline "Architektur. Wohnen. Design. Kunst. Garten" heißt es nun schlicht: "Das Magazin für Architektur & Design".

Die alte Ausgabe (li.) und das neue überarbeitete Heft
Im Inneren findet sich die Mischung aus Avantgarde und Architektur-Klassik, die Leser solcher Magazine schätzen und die sie bei eigenen Bauvorhaben oder Anschaffungen inspiriert. Das Layout spiegelt die Philosophie der Objekte wider, reduziert alles auf das Wesentliche. Die überarbeitete Ausgabe von Häuser zeigt, wie Print heute und in Zukunft funktioniert: ausgeruht, elegisch, aussagekräftig. Dabei spart die Zeitschrift nicht mit Service, liefert Eckdaten und Grundrisse zu den Objekten mit, ohne dass diese den Blick aufs Wesentliche stören.

Wer sich auf Häuser einlässt, wendet sich ab vom Gewöhnlichen, von der überall zu treffenden Durchschnittsbebauung. Ein mit großem Aufwand saniertes Tessiner Rustico mit kahlen Wänden und ohne Kochgelegenheit? Warum nicht. Ein Herd, der aussieht wie ein Billardtisch? Klingt interessant. Eine Einbauküche mit nacktem Betondekor? Gute Idee. Das alles könnte unter Umständen abgedreht wirken, doch die Blattmacher Stephan Schäfer und Anne Zuber steuern hier gegen, indem sie bei vielen Objekten neben den architektonischen Linien auch Menschen zeigen und so mit einer Tradition vieler Wohn- und Einrichtungstitel brechen. Und dann ist das Heft auch mit viel Liebe zum Detail gemacht, das zeigt die Auswahl der Produkte oder auch Headlines wie "Klinkern statt Klotzen".

Das Gesamtergebnis ist ein unaufdringlich im Kern überarbeitetes Magazin, bei dem sich mancher Käufer fragen wird, woran es liegt, dass das bekannte Fundament in neuem Glanz erstrahlt. Die Leser werden das neue Häuser mögen und wohl auch die Anzeigenkunden, die in der Oktober/November-Nummer bereits zahlreich vertreten sind. Ob Schäfer wie bei Schöner Wohnen ein Turnaround auch in der Auflagenentwicklung gelingt, wird sich zeigen: Zwar liegt Häuser im Fünfjahresvergleich noch vergleichsweise stabil, allein in den letzten zwölf Monaten verlor der Titel aber im Einzelverkauf 10 Prozent und kommt nun laut IVW II/2012 auf inklusive Abos rund 46 Tausend hart verkaufte Hefte

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