Ebeling: „Weg vom Kästchendenken“

Fernsehen ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling fordert einen "neuen Dialog zur Zukunft der Medienwirtschaft". Beim Internationalen Medienkongress Berlin sagte Ebeling, die Branche müsse "weg vom Kästchendenken" kommen. Ziel: Die neue Medienordnung beispielsweise mit Selbstverpflichtungen etwa zum Schutz des geistigen Eigentums bzw. des Urheberrechts flankieren. Insbesondere hat Ebeling es auf Google abgesehen. Unterdessen denke P7S1 über eine neue Musikplattform im Netz nach.

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Ebeling, der Medienunternehmen von "monopolistischen Anbietern" umringt sieht, sprach von einem "level playing field" – also gleichen Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer – als Ziel. Zu diesen Monopolisten zählten Internetkonzerne wie Google, bei denen Ebeling vor allem Transparenz vermisst, wie Suchergebnisse bewertet und gerankt werden. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Ebeling den Suchmaschinengiganten kritisiert – Google ist gewissermaßen Ebelings Lieblingsfeind. Zu den Monopolisten zählten auch Kabel- und Satellitenanbieter wie Mediaagenturen. Nicht zu vergessen die Öffentlich-Rechtlichen Sender, die mit über 8 Milliarden Euro Gebührengeldern im Jahr arbeiten können. An dem vom Sendergruppenchef eingeforderten Dialog sollten Vertreter von Politik, Verlagen, TV-Konzernen, Telekommunikationsunternehmen und Online-Player teilnehmen.

Das TV-Business sieht Ebeling unterdessen als zukunftssicher an. Nur das Fernsehen schaffe es , "Lagerfeuer-Erlebnisse" zu schaffen. Als Beispiel nannte er die Castingshow "The Voice of Germany", deren zweite Staffel gerade in Berlin gedreht wird. Zweites Beispiel: Die neue Show des Moderatoren-Duos Joko und Klaas hätten Ende August 30 Prozent aller 14- 29-Jährigen gesehen. Nur gleichzeitig erlebtes Fernsehen garantiere besondere Momente, daran änderte auch das internetfähige Fernsehen nichts: "Bis sich Smart-TV durchgesetzt hat, wird es noch lange brauchen."

Das Internet sei gleichwohl segensreich, denn es ergänze das lineare TV "perfekt", indem es das "Erleben" im Fernsehen anreichere, beispielsweise über soziale Netzwerke. Die Digitalisierung ermögliche auch neue Geschäftsmodelle. ProSiebenSat.1 denke über den Aufbau einer digitalen Musikverbreitungsplattform nach, sagte Ebeling. Mit MyVideo und Starwatch sind bereits zwei Plattformen auf diesem Feld positioniert. Games, Video-on-Demand (u.a. Maxdome) und die Beteiligung an Start-ups nannte der Manager als weitere Erlösquellen. Mit Internet-Unternehmen sei P7S1 bereits über 40 Kooperationen eingegangen. Ein Modell sieht vor, dass Start-ups eine Beteiligung gegen Werbezeiten tauschen.

ZDF-Programmchef Norbert Himmler begrüßte die Anregung Ebelings in der anschließenden Diskussionsrunde. Der Vorschlag sei "gut und richtig" – es brauche einen fairen Wettbewerb. RBB-Intendantin Dagmar Reim zeigte sich indes skeptischer: "Ob ich das noch erlebe?" Und YouTube-Manager Matthew Glotzbach, der die zweite Keynote des Medienkongresses gehalten hatte, brachte zur Diskussion seine Übersetzungs-Kopfhörer erst gar nicht mit. Zur Frage, ob Google stärker reguliert werden müsse, konnte oder wollte Glotzbach nichts Entscheidendes beitragen. Am Ende zähle der Zuschauer. So einfach kann man es sich auch machen.

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