Kein Ende des Landmagazin-Booms in Sicht

Publishing Als der Münsteraner Landwirtschaftsverlag im Juni 2005 das neue Magazin Landlust an den Start brachte, sorgte das bei den großen Publikumszeitschriftenverlagen sicher nicht für sonderlich viel Aufmerksamkeit. Sieben Jahre und 1 Million Landlust-Käufer später ist das vollkommen anders: Rund 20 regelmäßige Landmagazine kämpfen mittlerweile um die Leser, dazu kommen zahlreiche Specials und Sonderhefte, die bei Erfolg in Serie gehen. Neuester Trend: Landmagazine zum Thema Essen.

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Das erste Landmagazin war die Landlust im Jahr 2005 keineswegs. Schon Ende der 1990er Jahre tauchten mit Country Style, Country Homes und Country Zeitschriften auf, die sich mit dem Leben abseits der Metropolen beschäftigten. Richteten sie sich aber eher an gehobene Zielgruppen, war es die Landlust, die mit einer breiten Themenvielfalt vom Traktor bis zum Singvogel, vom Spargel bis zum Basteltipp den Mainstream eroberte. Auf 995.271 Verkäufe kam das Magazin im zweiten Quartal – nach 828.652 ein Jahr zuvor, 705.430 im zweiten Quartal 2010, 464.297 im gleichen Zeitraum 2009, 317.085 in 2008 und 201.561 im zweiten Quartal 2007. Eine unglaubliche Entwicklung, die noch unglaublicher wird, wenn man sich den Abwärtstrend der Publikumszeitschriftenverkäufe im selben Zeitraum anschaut.

Kein Wunder also, dass 2008 langsam Konkurrenten auf den Markt kamen: Liebes Land aus dem kleinen Hannes Scholten Verlag war der erste, 2009 kam mit der Landidee der WAZ der erste Großverlag hinzu, 2010 trat dann auch Burda mit mein schönes Land und meine Landküche in den Markt ein. Gegen das Original Landlust haben sie aber alle keine Chance: Verkauft sich die Landlust rund 1 Mio. mal pro Exemplar, sind es bei der Nummer 2 mein schönes Land derzeit 225.593 Stück und beim Dritten Landidee 214.083.

Waren es zu Beginn fast ausnahmslos Neulinge, die sich wie die Landlust um eine breite Themenvielfalt kümmerten, werden die neuen Titel des Genres inzwischen immer spezieller. So bringt Panini nach erfolgreichem Test ab September das Landkind für Eltern und Großeltern auf den Markt, eine Landfrau gibt es als Ableger des Magazins Landleben ebenfalls schon und die WAZ hat im Mai sogar die Landapotheke als Sonderheft der Landidee gestartet. Zudem tauchen neben den überregionalen auch immer mehr regionale Landmagazine auf – in Niedersachsen beispielsweise Land erleben und in ganz Norddeutschland Mein Landgefühl im Norden.

Der wohl größte aktuelle Trend sind aber Landmagazine, die sich um Essen und Trinken kümmern. Hier war Burdas meine Landküche im Juli 2010 der Vorreiter, verkauft mittlerweile 88.498 Stück und verzeichnet eine Zuwachsrate von fast 200% gegenüber dem Vorjahr. 2011 kamen Landgenuss von falkemedia und die jährliche Landidee Sommerküche der WAZ hinzu. Gleich drei neue Konkurrenten erschienen in den vergangenen Wochen zum ersten Mal: im Juli die Land & Berge Heimatküche als Ableger von Land & Berge aus der Sammet Media GmbH, jeweils am vergangenen Freitag zudem Landidee Landfrisch und das Langenuss Spezial Italien.

Dass nicht alle Landmagazine auch ein Erfolg werden müssen, hat sich in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls schon erwiesen: Axel Springer beerdigte sein Experiment Bild der Frau Landpartie im März 2010 nach nur einer Ausgabe wieder, Hörzu Heimat erschien kürzlich nach zehn Heften zum letzten Mal. Auch Lantliv – Untertitel "Ländlich leben auf skandinavische Art", stellte sein Erscheinen in diesem Jahr ein – nach immerhin 12 Heften.

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