Das heitere Kandidatenraten bei G+J

Publishing Darf's auch einer mehr sein? Obwohl Bernd Buchholz als Vorstandschef bei Gruner + Jahr noch im Amt ist und einen bis 2016 laufenden Vertrag besitzt, wuchern die Spekulationen, wer auf den 50-Jährigen folgen könnte. Die Kandidatenliste wird täglich länger, gehandelt werden Topkräfte von Bertelsmann, Gruner sowie externe Manager, und sogar eine Frau. MEEDIA zeigt, wer tatsächlich oder nur vermeintlich im Gespräch ist und wagt eine Prognose.

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Torsten-Jörn Klein: Seit Anfang 2004 im Vorstand von Gruner + Jahr, dort verantwortlich für das gesamte Auslandsgeschäft. Ihm wird allseits ein goldenes Händchen im Asien-Business bescheinigt, in Europa sind hier und da – vor allem im Zuge von anhaltenden Konjunkturflauten – einige Problemherde auszumachen. Gilt als umsetzungsstark. Problem: Wurde schon einmal bei der Chefwahl übergangen und müsste im nur dreiköpfigen Gruner-Vorstand erst einmal die eigene Nachfolge regeln.
MEEDIA-Prognose: Klein wird auch diesmal nicht zum Zuge kommen und weiter G+J-Auslandsvorstand bleiben, denn das macht der 48-Jährige richtig gut.

Thomas Hesse: Der promovierte Volkswirtschaftler, 45, ist seit 1. Februar 2012 Vorstand bei Bertelsmann und soll als Hauptverantwortlicher Unternehmensentwicklung und Neugeschäfte vorantreiben. In dieser Rolle würde er ideal in das Konzept seines Vorstandschefs passen, der beim Hamburger Zeitschriftenhaus vor allem im Digitalbereich Defizite sieht. Hesse gilt zudem als der wohl engste Vertraute von Thomas Rabe. Problem: Hesse ist eher ein Fernsehmann (war bei UFA und RTL) und hat keine Printerfahrung. Für ihn spricht sein direkter Draht zum Bertelsmann-Boss.
MEEDIA-Prognose: Ein ganz heißer Tipp, falls die Familie Jahr ihre G+J-Anteile gegen Bertelsmann-Papiere tauscht. Und falls Rabe seinen neuen Mann im Gesamtkonzern nicht für unverzichtbar hält.

Fernando Carro: Der gebürtige Spanier leitet seit September 2007 als übergreifender CEO sämtliche Club- und Direktmarketinggeschäfte. Seit Dezember 2011 ist er im neu formierten Group Management Committee von Bertelsmann dafür zuständig, das Geschäft in Mittel- und Südamerika in die Gänge zu bekommen. Macht einen im Unternehmen anerkannt guten Job, hat aber das Handicap, dass das Buchgeschäft strategisch immer bedeutungsloser wird. Der Vertriebsspezialist hätte gute Gründe, mit einem Wechsel zu liebäugeln, würde am Baumwall aber auf eine gänzlich neue Themenwelt stoßen.
MEEDIA-Prognose: Carro wird’s nicht werden.

Rainer Esser: Hocherfolgreich als Ober-Manager bei Holtzbrincks ungemein krisenfester Zeit-Gruppe. Hat dort nicht nur den Turnaround geschafft, sondern auch allerhand lukrative Neugeschäfte angekurbelt. Fachlich wie in Bezug auf seine Management-Qualitäten sicher eine exzellente Wahl. Der 55-Jährige ist seit 1999 bei der Zeit, seit 2011 auch Geschäftsführer der Dieter von Holtzbrinck Medien-Holding. Problem: Esser wird bei der Zeit gebraucht, hat dort alle Freiheiten und den absoluten Rückhalt seines Verlegers. Zudem wird er die Art, wie man mit missliebig gewordenen CEOs am Baumwall zuletzt umging, mit Interesse zur Kenntnis genommen haben.
MEEDIA-Prognose: Hier könnte nur der Scheck die Mittel heiligen, unwahrscheinlich.

Ove Saffe: Der Geschäftsführer der Spiegel-Gruppe trat im September 2008 die Nachfolge des maßgeblich von der Mitarbeiter KG geschassten Vorgängers Mario Frank an. Dem 51-Jährigen werden immer wieder (langfristig) Ambitionen auf die Chefposition bei Gruner + Jahr nachgesagt. Ende des Jahres wird über die Verlängerung seines Fünf-Jahres-Vertrags entschieden. Die Zahlen des Unternehmens sind in Ordnung, doch wie aus einem Guss steht der Spiegel aktuell kaum da. Es gibt eine Reihe von Problemzonen, und den Ruf eines Digitalexperten hat Saffe in Branchenkreisen auch nicht gerade.
MEEDIA-Prognose: Für Saffe gibt es beim Spiegel noch genug zu tun. Er bleibt in der Hafencity.

Edgar Berger: Der 45-Jährige ist seit sieben Jahren CEO International bei Sony Music Entertainment und war davor für Bertelsmann tätig. Gilt als Protege von Rolf Schmidt-Holtz, studierte Maschinenbau und war einige Jahre als politischer Korrespondent von RTL im Einsatz. Handicap: keinerlei Erfahrung im Handling von Zeitschriften.
MEEDIA-Prognose: polyglotter Exot mit Außenseiterchancen.

Julia Jäkel: Die einzige Frau, die von den Medienauguren (immerhin von der FAZ) bislang ins Spiel gebracht wurde. Jäkel begann ihre Laufbahn bei Bertelsmann, ist dort wohlgelitten und hat am Baumwall eine atemberaubende Karriere hingelegt. Seit diesem Jahr herrscht sie als Verlagsgeschäftsführerin des neu geschaffenen Bereichs G+J Life nicht nur über das Exclusive & Living-Portfolio, sondern auch über die Frauenzeitschriften. Jäkel hat gezeigt, dass sie Produkte nach vorn bringen kann und scheut auch vor unpopulären (Personal-)Maßnahmen nicht zurück. Problem: ihr Aufstieg war so rasant, dass eine erneute Beförderung zu früh kommen würde.
MEEDIA-Prognose: Jäkels Ernennung wäre eine Riesenüberraschung, sie wäre die Marissa Mayer der Printbranche.

Paul-Bernhard Kallen: Auf den aktuellen Burda-Vorstandschef treffen alle Anforderung von Bertelsmann für den neuen obersten Lenker von Gruner + Jahr zu. Und noch mehr. Kallen hat als ehemaliger McKinsey-Mann Sinn für Effizienz und bei Burda bewiesen, dass er geschickt und gewinnträchig Digital-Portfolios managen kann. Auch wird ihm nicht nachgesagt, in Bezug auf Print allzu nostalgische Emotionen zu pflegen. Und er hat die nötige Erfahrung, ein großes Medienhaus knallhart zu führen. Kallen würde die Anforderungen von Bertelmann an einen neuen G+J-Chef also praktisch übererfüllen.
MEEDIA-Prognosen: Nur ein Traum mit nullkommanull Prozent Wahrscheinlichkeit.

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