Daten rechtfertigen Facebook-Abgesang nicht

Publishing Facebook hat neue Apps für iPad und iPhone veröffentlicht und bekommt dafür viel Lob. Doch eigentlich dominiert gerade die negative Presse die Berichterstattung über das Netzwerk: von sinkenden Mitgliederzahlen und starker Unzufriedenheit ist die Rede. Hinzu kommt das immer wieder angeführte Argument, Facebook sei im mobilen Internet nicht angekommen. Das klingt alles schlüssig, hat jedoch einen Haken: Es stimmt nicht.

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Der Börsengang von Facebook war ein ziemlicher Flopp. Das muss man den Skeptikern lassen. Passend dazu mehren sich nun auch die grundsätzlichen Abgesänge auf die Plattform, inklusive der scheinbar passenden Indizien für einen Niedergang.
Die Sache mit den Nutzerzahlen
Ende Juli berichtete Bloomberg, dass Facebook in den USA Nutzer verloren habe – und zwar 1,1 Prozent. Nach Jahren konstanten Wachstums ist das natürlich eine Sensation. Trotzdem bleibt das Network noch immer das mit Abstand größte Soziale Netzwerk, weit vor Twitter und erst recht vor Google+. Zudem sind die viel zitierten Zahlen sogar äußerst fragwürdig.
Wie Thomas Knüwer heute auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache deutlich macht, wurde die Zahl von den meisten Medien ungeprüft übernommen. Zurück geht sie demnach auf die Analyse eines Mannes aus einem eher unbekannten Investmenthaus. Und den Mann schrieben Bloomberg und darauf folgend die meisten anderen Medien auch noch falsch.
Außerdem gibt es dem widersprechende Daten. Das Blog allfacebook.de liefert mit einem eigenen Tool Statistiken zu den Facebook-Nutzerzahlen. Und demnach wächst sogar der US-Markt weiter. Das bedeutet nun nicht zwingend, dass die einen Zahlen richtig sind und die anderen falsch – das könnte wohl nur Facebook selbst genau sagen. Klar ist aber: Es sind Zweifel angebracht.
Keiner mag Facebook
Der nächste Kronzeuge für den Untergang von Facebook ist die Kundenzufriedenheit. Wenn man sich in seinen Bekanntenkreis umhört, wird man sicher einige Menschen finden, die sich über Facebook aufregen. Und doch sind die bei Facebook. Reicht schimpfen allein? Über die Bahn regen sich gefühlt auch alle auf, und dennoch wird Zug gefahren. Das TV-Programm wird als Schrott bezeichnet und trotzdem sind die Einschaltquoten zufrieden stellend.
Die Unzufriedenheit lässt sich jedoch auch messen. Philipp Laage zitiert auf Zeit Online den American Customer Satisfaction Index (ACSI). Darin erreicht Facebook für das Jahr nur noch einen Wert von 61 von möglichen 100 Punkten. Google+ kommt auf 78. Dass der neue Konkurrent Facebook deshalb überholt, darf dennoch bezweifelt werden. Dass Facebook mit diesem Wert einen neuen, persönlichen Tiefpunkt erzielt ist freilich trotzdem interessant. Und dass der Wert von 61 Punkten sogar unter dem letzten gemessenen Wert von MySpace aus 2010 liegt, wo das mittlerweile ein Nischendasein führende Netzwerk 63 Punkte erzielte ist ebenfalls eine nette Anekdote. Mehr aber auch nicht.
Denn wer aus dem ACSI-Wert schließen will, dass Facebook nun den gleichen Weg geht wie MySpace, erzählt nur die halbe Geschichte. Für Facebook wurden genau drei Mal Werte gemessen. Seit 2010 für jedes Jahr. Zwar liegt der Wert aus 2012 unter denen der Vorjahre, aber nicht deutlich. 2010 hatte Facebook eine Punktzahl von 64 und lag damit nur einen Punkt vor MySpace. Dennoch haben seitdem beide Netzwerke vollständig andere Wege eingeschlagen.
Die mobile Sache
Und dann wäre da noch das immer wieder aufkommende Gerücht, Facebook sei im mobilen Internet nicht richtig angekommen. Das ist für sich genommen schon eine sehr gewagte These. Denn ob App Store von Apple oder Play Store für Android – stets ist die Facebook weit oben in den Download-Charts zu finden. Auch im kürzlich veröffentlichten Mobile Monitor 2012 schaffte es Facebook auf Platz zwei der meistgenutzten Smartphone-Apps in Deutschland.
Das ist umso bemerkenswerter eben weil die Apps von Facebook bislang nicht gerade durch besonderen Bedienkomfort hervorstachen. Das hat auch Facebook selbst erkannt und nachgebessert. Am Donnerstag hat Mark Zuckerberg persönlich neue mobile Anwendungen präsentiert. Diese basieren nicht mehr auf HTML 5 sondern sind songenannte native Apps, wie bereits der Facebook Messager. Dadurch verringern sich vor allem die Ladezeiten. Die ersten Reaktionen vieler Nutzer fallen positiv aus, schenkt man den Nachrichten auf Twiter und Facebook selbst Glauben.
Natürlich sind mit dem mobile Web neue Konkurrenten entstanden. Im Nachrichten-Bereich zum Beispiel WhatsApp, für Fotos Instagram. Aber wirklich schlecht schlägt sich Facebook auf diesem Markt dennoch nicht. Und mit seinen großen Geldreserven kann das soziale Netzwerk hier in den kommenden Jahren zur Not nachlegen. Bei Instagram etwa ist dies durch den Kauf bereits geschehen.
Das alles bedeutet freilich nicht, dass alles rosig aussieht für die US-Amerikaner. Die angesprochenen Punkte, vor allem die Nutzerzufriedenheit, sind Herausforderungen, denen sich Facebook stellen muss. Wenn dies nicht gelingt, wird der Absturz von Facebook tatsächlich kommen. Zunächst aber kann Facebook es halten wie Mark Twain und sagen: "Die Nachrichten über meinen Tod sind stark übertrieben."

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