„Das ist eine Hinrichtung erster Klasse“

Publishing Ein Bericht mit viel Sprengkraft: In seiner neuen Ausgabe berichtet das Manager Magazin, dass Bertelsmann gerne Gruner + Jahr komplett übernehmen will. Nicht der Fakt als solcher überrascht dabei die meisten Kommentatoren, sondern der Ton vieler Zitate mit denen das Stück ausgestattet ist. „Das ist eine Hinrichtung erster Klasse“ zitiert das Hamburger Abendblatt dazu einen Vertrauten des Gruner + Jahr-Vorstandsvorsitzenden Bernd Buchholz. Dessen Tage laut Abendblatt nun „gezählt“ sein dürften.

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Die Süddeutsche Zeitung schreibt zu den Plänen, dass die Familie Jahr ihre Gruner + Jahr-Anteile gegen Bertelsmann-Anteile zu tauschen sollte: „Warum die Familie Jahr das Modell attraktiv finden sollte, erschließt sich allerdings nicht. Zweifel, ob es zu dem Tausch kommt, sind daher angebracht.“

Kai-Hinrich Renner (Hamburger Abendblatt)
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„Wenn ein Zeitschriftenhaus es erfordert, dass die Gesellschafter über dessen ‚weitere Ausrichtung‘ sprechen, muss die Situation schon ziemlich ernst sein“

„Dennoch dürften Buchholz’ Tage bei Gruner + Jahr gezählt sein. Sein Verhältnis zu Rabe gilt als zerrüttet. Was konkret Bertelsmann mit Gruner + Jahr vorhat, ist unklar. Tabus gibt wohl keine.“

Hans-Peter Siebenhaar (Handelsblatt)
„Sollte es zu einem Anteilstausch kommen, würde das Meinung von Unternehmensinsidern zu einem harten Sparkurs führen.“ Diesen soll vor allem die Familie Jahr bislang verhindert haben. „Die Gütersloher Bertelsmann-Zentrale sieht bereits seit langem vielfältige Möglichkeiten für Kostensenkungen bei ihrer Zeitschriftentochter. Zudem zitiert das Handelsblatt Verlagsinsider mit dem gehässigen Satz: „Mittlerweile verkauft die WAZ mehr Zeitschriften als Gruner + Jahr“.

Ralf Mielke stellt in der Frankfurter Rundschau fest, dass der neue Bertelsmann-Chef Thomas Rabe seine Arbeit, wie beispielsweise die Umwandlung der Bertelsmann AG in eine neue Rechtsform, „ohne viel Aufhebens und Aufsehen erledigt“ hätte. „Nun allerdings schickt er sich an, ein erstes Ausrufezeichen im Mediengefüge der Republik zu setzten.“
Weiter schreibt er: „Thomas Rabe jedenfalls hat bei Amtsantritt verkündet, den Konzern wieder auf Wachstum zu programmieren. Damit konnte Buchholz bisher nur begrenzt dienen. Auch persönlich sollen sich die beiden von Typ her sehr unterschiedlichen Medienmanager nicht gerade grün sein, heißt es.“

Roland Pimpl stellt bei Horizont.net klar, dass Buchholz kaum neue Werte schaffen konnte, da er niemals investieren durfte. „Der Verlag fährt seit über zehn Jahren Vollausschüttung an die Gesellschafter.“  Für den Kommentatoren lautet jetzt die Frage: „Will oder kann Buchholz, dessen Vertrag erst im vergangenen Jahr verlängert wurde, die nächsten Jahre als öffentlich desavouierter CEO tatkräftig weitermachen?“ Weiter heißt es: „Buchholz scheint also die Wahl zu haben: Entweder er erfüllt seinen Vertrag mit einigem Gesichtsverlust – oder er schmeißt hin. Dann allerdings, selbst das darf Buchholz im ‚Manager Magazin’ nachlesen, dürfe er sich wohl keine Hoffnungen machen auf eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe.“

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