Maue Saison-Premiere für Sport Bild Plus

Publishing Ein Spieltag so ganz nach dem Geschmack jeder Sportredaktion: Sechs Bundesligisten plus Hertha BSC flogen gegen unterklassige Gegner aus dem DFB-Pokal. Was allerdings wie eine Steilvorlage für die erste Ausgabe der neuen digitalen Sonntagsausgabe der Sport Bild wirkt, findet sich im Premieren-Heft nur bedingt wieder. Zwar ist das Ausscheiden des HSV Top-Story, doch ansonsten wirkt das Magazin – im Vergleich zur E-Paper-Konkurrenz, die auch ab Sonntagabends zu lesen ist, nicht aktuell genug.

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Die fehlende – zumindest gefühlte – Aktualität gehört teilweise zum Konzept von Sport Bild Plus. "Der Leser soll sein Sport-Bild-Feeling bekommen und keine Tageszeitung, die schon am Sonntagabend erscheint", erklärte Chefredakteur Matthias Brügelmann bereits gegenüber MEEDIA. Dazu will die Redaktion das vorhandene Nachrichten-Material filtern und nur "die wirklich wichtigen Aufreger" bringen. Motto: "Wenige Geschichten, aber mit einer hohen Einschaltquote."
 

An diesem Wochenende bedeutet dies, dass sich die Aufmacher-Story mit dem Ausscheiden des HSV beschäftigt. Dazu hat die Redaktion den kleinen Scoop, dass die Hamburger den Schalker Mittelfeldspieler Jurado verpflichten wollten. Diese Story hat alles, was der Leser am Sonntagabend lesen will. Eine Geschichte mit aktuellem Bezug zum Wochenende inklusive einer tollen eigenen Recherche.
Leider fallen die anderen Storys dagegen ab. In einem Interview erklärt der Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm, dass er es gut findet, wenn jeder seiner DFB-Kollegen bei der Nationalhymne mitsingen würde. Kein schlechtes Interview, aber nichts, was man zwingend am Sonntagabend lesen muss. Das gilt auch für die "11 Top-Fotos", die die Sport-Woche in Bildern zeigen sollen. Auch hier springt der Funke nicht über.

Ansonsten erklärt Chefredakteur Brügelmann in seinem Kommentar, dass Marco Reus seinen Trainer Jürgen Klopp "jetzt schon happy" macht, Raimund Hinko denkt darüber nach, was der mögliche Kauf von Javi Martinez für die Bayern bedeutet. Carli Underberg spekuliert, dass Lukas Podolski mit der Rückennummer 9 bei Arsenal "nicht glücklich" wird und Torsten Rumpf notiert, dass Hoffenheim-Keeper Tim Wiese nach dem Pokal-Aus der TSG nun "auf den Tisch haut".
Bis auf die Wiese-Story sind die anderen Stücke alles Kann- und keine Muss-Storys. Die Mischung aus Meinung und Hintergründen stimmt, einzig an der Aktualität fehlt es noch. Wenige Stunden, nachdem sich viele Bundesligisten in Reihe blamierten, will jeder Fan einfach mehr darüber lesen. Auch weil Sport Bild Plus in seiner Digital-Ausgabe mit den E-Paper-Versionen aller überregionaler Tageszeitungen und des Kickers konkurriert, sorgen die zu wenigen Texte, die sich konkret mit dem Pokal-Desastern beschäftigen für eine gewisse Produktenttäuschung. Dem nicht genug, wirkt die E-Illustrierte nicht gerade umfangreich.
Allerdings wird sie auch zu einem unschlagbaren Preis von 79 Cent angeboten und ist mit seinem Magazin-Ansatz schon jetzt eine kleine Sensation am Sport-Sonntag. Wirklich spannend wird es zu sehen, wie die Hamburger mit der Doppelbelastung von zwei Ausgaben pro Woche fertig werden, wenn sie so richtig eingespielt sind. Bislang zeigt die Sport Bild Plus gute Ansätze. An den Details und der Feinabstimmung muss noch gearbeitet werden. Aber da geht es den Journalisten nicht anders als den 18 Bundesligaclubs kurz vor dem Start der neuen Saison.

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