New York Times setzt auf Video und Mobile

Publishing Spektakuläre Personalie bei der New York Times: Mark Thompson, 55 und scheidender Chef der britischen BBC, wird neuer Vorstandschef des US-Traditionsverlags. Warum er einen Fernsehmann als Topmanager einstellt, der seine gesamte Karriere bei der BBC war und noch nie einen Zeitungsjob hatte, erklärte Verleger Arthur Sulzberger Jr. so: "Unsere Zukunft liegt in Video, Social und Mobile." Die Entscheidung reflektiere "nicht, was wir bis jetzt gemacht haben, sondern was wir tun werden."

Werbeanzeige

Spätestens im November soll Thompson den CEO-Posten antreten. Im neuen Amt wird er mit einer ungeheuren Machtfülle ausgestattet, sitzt nicht nur im Vorstand, sondern auch im Aufsichtsrat. Thompson hatte vor einigen Monaten angekündigt, nach den TV-Großereignissen Thronjubiläum sowie Olympia in London beim britischen Staatsfernsehen auszuscheiden. Die Stelle des Vorstandschefs bei der New York Times war vakant, seit Janet Robinson das Haus im Dezember 2011 verlassen hatte.
Die Personalwahl ist zweifellos mutig. Mit Thompson kommt ein Vertreter der redaktionellen Seite zum Zuge, der noch nie ein privatwirtschaftliches Unternehmen geführt hat. Dennoch hatte er offenbar aus Sicht des Aufsichtsrats wichtige Erfolge vorzuweisen: In seiner achtjährigen Amtszeit bei der BBC trieb er die digitale Expansion enorm voran und verbuchte große Zuwachsraten bei der Internationalisierung von Programm und Lizenzen. Zudem gilt er als wichtigster Akteur beim Aufbau der Digital-Videoplattform YouView, einem Joint Venture mehrerer britischer Fernsehsender. Obendrein schaffte es Thompson, in mehreren hart umkämpften Kostenrunden die immensen Ausgaben bei der BBC zu drosseln.
All diese Qualitäten soll der 55-Jährige nach seinem Umzug von Oxford nach Manhattan künftig bei der New York Times ausspielen. Bei der Pressekonferenz am Dienstag bedachte Thompson das zuletzt krisengeschüttelte US-Blatt mit Komplimenten: Er sei seit Jahrzehnten Leser der New York Times, die einen "herausragenden Newsroom" habe, um den sie die Medienwelt beneide. Die Analysten reagierten verhalten positiv, übten aber auch Kritik. Es werde lange dauern, bis sich der neue CEO in das von Auflage und Werbevermarktung abhängige Geschäft eingefunden hat. Die New York Times müsse schließlich jeden Tag um Leser und Anzeigenkunden kämpfen, das sei mit der BBC nicht vergleichbar.
Für Thompson selbst wird sich der Wechsel auf jeden Fall bezahlt machen. Insider schätzen, dass er sein Jahresgehalt von bislang umgerechnet knapp eine Million Dollar verdoppelt haben dürfte. 


Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige