HuffPost Live: Können Amis Social TV?

Publishing HuffPost Live ist am Montag um 16 Uhr europäischer Zeit online gegangen. Das Bewegtbildangebot des Newsportals Huffington Post, das täglich rund zwölf Stunden mit Liveprogramm bieten will, wurde mit dem Versprechen "Rock'n'Roll" von Chefredakteur Roy Sekoff freigegeben. Arianna Huffington, Namensgeberin und Chefin des Portals, das im vergangenen Jahr von AOL gekauft wurde, verspricht "wirkliche Unterhaltungen", die "nie enden".

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Das erste Format von HuffPost Live beschäftigte sich mit dem "running mate" von US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, Paul Ryan. Zwei HuffPo-Moderatoren befragten in einem Google-Hangout fünf Experten und HuffPo-Community-Mitglieder zu Ryan. Der Charme dieser Online-Schalten liegt einerseits darin, die Diskussionsteilnehmer direkt in ihren Arbeits- und Wohnzimmern sehen zu können. Und: Theoretisch können damit viel mehr Menschen – eben nicht nur die "Experten" – zu Wort kommen. Wie die Redaktion diese Chance nutzt, wird sich zeigen.

Im zweiten Format plauderten drei HuffPo-Mitarbeiter über den neuesten Klatsch – die Spice Girls bei der Olympia-Abschlussfeier, die Hochzeit von Jennifer Aniston ("Endlich", so die offenbar gewünscht subjektive Reaktion der HuffPo-Mitarbeiterin im Studio). Das Spektrum des Angebots zwischen Politik und Unterhaltung wurde damit gleich in der ersten halben Stunde ausgelotet. Es schlossen sich an: Ein Talk über die Fähigkeit, die Körper-Batterien im stressreichen Alltag wieder aufzuladen, Sport, die anstehenden US-Wahlen, ein Beitrag über Drag Queens.

"Gedrehte" Beiträge gibt es bei HuffPost Live nicht – der Kanal soll eine ständige Diskussion über wechselnde Themen zeigen. Neben dem Bildschirm, der in sehr guter Qualität Bilder aus dem Studio liefert, rattern in einer rechten Leiste ziemlich schnell Kommentare zum jeweiligen Beitrag runter. Nicht zufällig kommentieren viele Nutzer: Langsamer, Leute! Das perfekte Social TV bietet auch HuffPost Live zum Start nicht. Die ersten Gehversuche sind aber nicht so übel.

Unter dem Livescreen können Nutzer die aktuellen Teilnehmer der Debatten mit Namen und Twitter-Account sehen, sowie zahlreiche Links zu HuffPost-Artikeln. Die öffnen sich bei Klick dann in einem neuen Fenster, ohne dass der Livestream abbricht. Findet das Portal genug Zuschauer auch über den Tag hinweg, liegt der Weg zum Erfolg in einem reibungslosen Austausch zwischen der text- und fotobasierten HuffPo und dem Bewegtbildangebot.

Abgesehen von einigen kleinen Problemen zum Start funktioniert HuffPost technisch gesehen zum Start relativ gut. So glatt wie im klassischen TV geht es freilich nicht zu, und das hat ja auch Vorteile. Funktionieren kann der Kanal aber nur – so banal ist es eben – wenn die Inhalte wirklich interessant genug sind. Das ist für Europäer nicht immer so einfach zu beurteilen – aber immerhin hat bereits das Webportal Huffington Post eine Marktlücke im US-Medienangebot getroffen. Eine "nie endende" Diskussion kann im schlechtesten Fall aber auch abschreckend sein. Zum Glück sind  die einzelnen Formate relativ kurz gehalten, dauern maximal 15 bis 20 Minuten.  

Als Sponsoren sind Cadillac und Verizon dabei, gelegentlich läuft ein Spot zwischen den Formaten. Für das defizitäre AOL ist HuffPost Live zunächst ein weiterer Posten, den es zu finanzieren gilt. Eine deutsche HuffPost lässt indes weiter auf sich warten, weil bisher kein Partner gefunden wurde.

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