UFA: Der Radikalumbau ist die Botschaft

Fernsehen Die UFA-Facts, das monatliche Bulletin der TV- und Filmproduktionsgesellschaft, berichtet in seiner August-Ausgabe über den Start der Dreharbeiten für einen Film über den Reichstagsbrand, die Fortsetzung von Hanni und Nanni im Kino sowie über eine neue Gameshow. Über die interne Großbaustelle, die UFA-Chef Wolf Bauer aufgemacht hat, vermeldet die Publikation nichts. Was sich aber strukturell und personell derzeit bei der UFA tut, öffnet einen Blick auf die Zukunft von TV-Landschaft und Produzenten.

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In zwei Interviews – Wolf Bauer in der FAZ, Nico Hofmann und Joachim Kosack in der Süddeutschen – haben die UFA-Chefs bisher durchblicken lassen, wohin ihrer Meinung nach die Reise für Produzenten geht. Ab Oktober sind Hofmann und Kosack die Chefs der Teamworx UFA, in der ausschließlich die fiktionalen Produktionen des Unternehmens entstehen werden. Die beiden anderen Säulen der neuen UFA sind Entertainment (u.a. Shows) und "Daily Drama" (z.B. "GZSZ"). Die wichtigsten Thesen:

Nur in der Konzentration liegt der Erfolg. Wo die UFA bisher auch das kreative Nebeneinanderher gelebt hat – verschiedene Töchter arbeiteten an ähnlichen Projekten – geht es nun um eine recht radikale Zusammenführung und Fokussierung. Das hat vermutlich auch und vor allem Kostengründe, weil über die Zusammenlegung von Teamworx, UFA Fernsehproduktionen und UFA Cinema Geld gespart werden kann. Schließlich werden alle Aktivitäten künftig in Potsdam geführt, wo es bisher auch Standorte in Berlin gab. Wie genau sich das Geschäft der UFA derzeit entwickelt, wird nur sparsam kommuniziert; die Kennziffern sind im Umsatz der RTL Group versteckt, die wiederum die UFA über ihre Tochter Freemantle Media betreibt. Der Umsatz wird vage mit 300 Millionen Euro beziffert. "Wir werden sicher Strukturen verschlanken oder zusammenführen", sagte Bauer in dem FAZ-Interview. Was beispielsweise auch Verschwendung vermeidet: In einem Pitch für ein Format treten künftig nicht zwei oder drei UFA-Töchter gegeneinander an, sondern nur noch eine. Denn: Die Teilnahme an Piches wird offenbar immer aufwändiger, zeit- und kostenintensiver.

Im Produzentengewerbe ist es wie in der Wirtschaft insgesamt: Die kleinen Produzenten hängen oft von wenigen Auftraggebern ab, die großen Firmen sind dafür oft schwerfällig und bauen gefährlich große Kostenapparate auf. Zu einem großen Produzentensterben ist es bisher, trotz gelegentlicher Warnungen in diese Richtung, nicht gekommen. Aber Insolvenzen bekannter Firmen wie zuletzt Stampfwerk und im vergangenen Jahr Zeitsprung ließen aufmerken. Da ist die UFA zwar ganz anders aufgestellt, aber: dafür sind ihre Stukturen auch ungleich größer und kostenfressender. Der Umbau der UFA ist aber nicht nur ein Signal nach innen, sondern auch eines an die Branche insgesamt. Die Zeiten ändern sich schon seit langem, aber jetzt so richtig!

Die deutsche Produzentenlandschaft werde sich "auch in den Auftragsmöglichkeiten und hinsichtlich ihrer Angebote in einer Geschwindigkeit verändern, wie wir es überhaupt noch nie erlebt haben", sagt jedenfalls Nico Hofmann. Der Medienmarkt werde sich "drastisch" verändern. Damit meint Hofmann nicht, dass künftig üppigere Budgets drin sind, im Gegenteil. Die Aufträge werden sich seiner Meinung nach verschieben – von Free-TV zu Pay-TV. Hofmann und Kosack, die neuen Chefs der zusammengefassten Teamworx Ufa glauben, dass Pay-TV-Sender – Hofmann nennt Sky, TNT und Disney – "sehr viel stärker werden, als sich das manche im Moment vorstellen können".

Für die Produzenten bedeutet das: Wo sich Free-TV-Sender aus der Produktion hochwertiger Stoffe mit teuren Budgets zumindest tendenziell zurückziehen, ergeben sich neue Möglichkeiten, anspruchsvolle Projekte bei Bezahlsendern anzuschieben. Hofmann: "Es stellt jetzt schon ein großes Abo-Unternehmen für einen seriellen Piloten einen finanziellen Rahmen zur Verfügung, der fast an RTL-Budgets heranreicht." Was etwa in den USA schon normal ist – siehe HBO-Produktionen – könnte laut Hofmann und Kosack also auch in Deutschland, dem schwarzen Loch der bezahlten TV-Unterhaltung, trotz allen Widrigkeiten wahr werden.

Damit dieses Szenario aber tatsächlich wahr wird, muss die Qualität der Serien und TV-Filme im frei empfangbaren TV noch weiter abnehmen. Ganz unwahrscheinlich ist das leider nicht. Joachim Kosack war eine zeitlang Chef von SAT.1 und hat vermutlich seine Gründe, wieder zurück zu Teamworx zu gehen. Als Ex-Chef eines großen deutschen Privatsenders weiß er genau, wie groß (bzw. klein) die Budgets geworden sind – von Ausnahmen einmal abgesehen. Und es ist darum auch sicher kein Zufall, dass sein Nachfolger Nicolas Paalzow von MME kommt – wo zwar auch ein Tatort Münster oder ein Polizeiruf 110 produziert wird, aber vor allem Scripted Reality (Familien-Fälle, X-Diaries), Factual Entertainment (Undercover Boss) und Quiz-Sendungen.

Bauer, Hofmann und Kosack rechnen in Zukunft aber auch mit anderen, neuen Abnehmern – im Internet. Bauer nannte gegenüber der FAZ "Hulu, Netflix oder auch Apple und Youtube, die Interesse an Inhalten haben". Als ein Beispiel für crossmedfiale Produktionen weist Hofmann auf "Dina Foxx" hin, das im ZDF und über ZDF.de lief. Das konnte man als Experiment belächeln, doch die UFA-Kreativen denken in größeren Dimensionen. Mit einem Budget von einer Million Euro soll nun die Fortsetzung produziert werden. Der Ansatz greift die allgemeine Prognose auf, dass klassisches TV und Internet verschmelzen, wie es die Technik in Form von Smart-TVs auch vorgibt. Doch so schön und fortschrittlich diese Entwicklung auch sein mag, es fehlen bisher wegweisende Inhalte, die zudem auch refinanzierbar sind. Dass "Dina Foxx" vom ZDF in Auftrag gegeben wurde, ist dabei gut und bedenklich zugleich. Gut, weil die Öffentlich-Rechtlichen mal was ausprobieren. Bedenklich, weil eine solche Experimentierfreude eigentlich von Privatsendern kommen muss. Doch die sparen, sparen, sparen.

Der UFA geht es nun ganz darum, sowohl klassische Auftraggeber zu begeistern, "Übersprungs-Stoffe" umzusetzen, als auch die finanzkräftigen digitalen Player ihrerseits zu gewinnen, ihre Plattformen mit originären Inhalten zu bestücken, die sie voranbringen, weil sie zu ihrer Markenbildung beitragen. Beide Entwicklungen werden sich parallel vollziehen – und vielleicht sogar Kooperationen ermöglichen.

Neben der offensichtlich notwendigen Neustrukturierung der UFA, die Verschwendung vermeiden soll, ist der Umbau also vor allem auch ein Weg, der Medienwelt einen Hinweis zu geben: Die Restrukturierung ist die Botschaft! Und die lautet auch: Wir haben den Medienwandel verstanden. Kein Produzent, kein Inhalteproduzent generell darf heute mehr behaupten, er habe nicht kapiert, wie sich die Medienwelt und die Interessen der Konsumenten entwickeln. Denn nur dort gehen Aufträge ein, wo sich Auftraggeber in der Sicherheit wiegen können, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Insofern ist die Inszenierung – erst das Bauer-Gespräch in der FAZ, dann die Kreativköpfe mit dem Feuilletonliebling Nico Hofmann in der SZ – gut gewählt. Dass mit klassischen Produktionen auch die UFA noch schätzungsweise 80 bis 90 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften dürfte, ist dabei Nebensache.

Dass auch die UFA mal mit einer Idee danebenliegen kann – die UFA Cinema hat als eigenständige Tochter nicht funktioniert – wird jedenfalls in den Gesprächen halbwegs gnädig nur kurz angerissen. 

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