ZeitLeaks: Zeit Online macht auf WikiLeaks

Publishing Zeit-Online-Chefredakteur Wolfgang Blau hat einen digitalen Briefkasten für heikle Informationen eröffnet. Nutzer können dort über eine verschlüsselte Verbindung Daten hochladen, die anschließend von Zeit Online Redakteuren geprüft werden. Wer beim digitalen Briefkasten von Zeit Online Informationen hochlädt, bleibt vollkommen anonym, verspricht Chefredakteur Wolfgang Blau. Er sieht das Angebot jedoch explizit nicht als Variation der Whistleblowing-Plattform Wikileaks. Berührungspunkte gibt es dennoch.

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Der Haupt-Unterschied zwischen dem Digital-Briefkasten von Zeit Online und Wikileaks ist der, dass bei Zeit Online Material vor einer Veröffentlichung von Journalisten geprüft wird. “Alle hochgeladenen Informationen werden journalistisch überprüft und für die Berichterstattung bei Zeit Online und/oder Die Zeit ausgewertet. Ob Dokumente, die uns erreichen, anschließend von uns publiziert werden, entscheidet sich dann im Zuge dieses redaktionellen Sichtungsprozesses”, schreibt Wolfgang Blau im Redaktionsblog bei Zeit Online. Allerdings erklärte auch Wikileaks stets, dass Dokumente vor Veröffentlichung geprüft werden.

Der Unterschied ist wohl, dass Zeit Online eher gleich eine journalistische Aufbereitung veröffentlichen würde und weniger das Rohmaterial, wie Wikileaks. Daten, die im digitalen Briefkasten von Zeit Online hochgeladen werden, werden mit Hilfe des Programms PGP (Pretty Good Privacy) verschlüsselt und an Redakteure weitergeleitet. Anschließend werden die Daten auf dem Zeit-Briefkasten-Server gelöscht. Der Programm-Code des Briefkastens wird von Zeit Online als Open Source Code öffentlich zur Verfügung gestellt, so dass man den Briefkasten auch auf anderen Seiten einbinden kann, was von den Machern bei Zeit Online explizit gewünscht wird.

In einem begleitenden Video bricht Wolfgang Blau eine Lanze für Whistleblower: “Es ist eine Grundvoraussetzung für Demokratie, dass es Menschen gibt, die auf Missstände hinweisen.” Es gehe dabei gar nicht immer um militärische Geheimnisse, wie sie Wikileaks vor allem verbreitet hat. Blau: “Wir denken an Menschen, die in einem DAX-Unternehmen arbeiten, in einer bekannten, gemeinnützigen Stiftung, in einem Sportverein, die auf Informationen stoßen, von denen sie glauben, dass die Öffentlichkeit davon erfahren sollte.” Blau ist bemüht, den Vergleich mit Wikileaks von sich zu weisen. Nicht zuletzt wohl auch darum, weil Wikileaks und vor allem dessen Gründer Julian Assange in der Vergangenheit viel Kritik auf sich gezogen haben. Eine gewisse geistige Nähe zum Wikileaks-Konzept lässt sich aber auch dem Digitalen Briefkasten von zeit Online nicht absprechen.

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