Markus Lanz: Shitstorm ante Portas

Fernsehen In seiner jüngsten ZDF-Sendung hatte Markus Lanz neben Gregor Gysi und dem Comedy-Autoren-Paar Ralf Husmann und Sonja Schönemann auch die beiden prominenten Piratenpartei-Mitglieder Johannes Ponader und Christopher Lang zu Gast. Ob es die Präsenz der Piraten war oder die baldige “Wetten dass..?”-Übernahme - über Markus Lanz braut sich ein veritabler Shitstorm zusammen. Bei Twitter war das Lanz-Bashing zeitweise Volkssport. Der Moderator mausert sich zum Hass-Objekt für Nerds.

Werbeanzeige

Vergangene Woche erst hat der Blogger und Spiegel-Autor Stefan Niggemeier sowohl im gedruckten Spiegel als auch in seinem Blog eine harte Abrechnung mit Markus Lanz veröffentlicht und ihn als “unausstehlich” bezeichnet. Damit hat er artikuliert, was offenbar nicht wenige Zeitgenossen, die bei Twitter aktiv sind, fühlen. Die jüngste Lanz-Talkshow schaffte es mühelos in die Trending-Topics bei Twitter und wurde dort so heiß diskutiert, dass das Twitter-Stichwort #lanz sogar für eine Spam-Attacke der üblichen, leicht bekleideten Damen interessant wurde – selbst in Sachen Spam ist er ein Frauentyp, der Markus Lanz.

Interessant ist der Furor, mit dem das Lanz-Bashing bei Twitter betrieben wird. Da wird ohne erkennbaren Anlass Fäkal- und Gossensprache bemüht und Nutzer bestärken sich gegenseitig darin, wie ”grottenschlecht”, “stinklangweilig” und “eklig” sie diesen Moderator und seine Sendung finden – gucken aber immer weiter zu, denn es wird auch über das Ende der Sendung mit dem Koch Andreas C. Studer und seinem Kuh-Buch hergezogen.

Die Sendung selbst bot wenig objektiven Anlass für so viele Bad Vibrations. Lanz hat seine Gäste und Zuschauer begrüßt wie immer (Stefan Niggemeier hatte aus der immergleichen Begrüßungsformel eine Video-Collage gebastelt, um seinen Ekel zu dokumentieren) und, ja, Lanz sagte an einer Stelle wieder mal “herrlich”. Dann gab es das typische Lanz-Interview mit Gysi, in dem Lanz versucht mit allerlei Kapriolen dem Politiker etwas zu entlocken, von dem von vorneherein klar war, dass er es nicht sagen würde, eine entspannte Plauderei mit den Piraten Ponader und Lang, die sich nicht allzu unwohl zu fühlen schienen und ein bisschen kurzweilige Buch-PR mit dem Autoren-Paar Husmann/Schönemann. Na und?

Er hat offenbar etwas an sich, dieser Markus Lanz, dass er für eine bestimmte Zielgruppe als Negativ-Projektionsfläche taugt. Lanz ist anders als, sagen wir mal, Jörg Pilawa. Pilawa ist der personifizierte Quiz-Onkel, der Mann ohne Eigenschaften – jedenfalls im TV. Lanz dagegen ist offensiver. Er sieht gut aus, kann sehr charmant sein, manche finden das dann ölig oder “parfümiert” wie Stefan Niggemeier es ausdrückte. Er zieht seinen Interview-Stil durch und balanciert dabei auf einem Grat zwischen Peinlichkeit und Erkenntnisgewinn. Er kommt vom Privat-Fernsehen und macht keinen Hehl daraus, dass seine Sendung und er der Unterhaltung dienen. Und er pflegt im TV einen Humor, über den im Zweifel auch noch die Oma lacht, jedenfalls tun Lanz‘ Spässchen niemandem weh.

Vielleicht ist es gerade diese Mischung, die Lanz für bestimmte Kreise so unausstehlich macht. Dass ihm die Schmähungen aus dem Netz nicht zu jucken scheinen, mag dazu beitragen, den Zorn der Twitterer zusätzlich anzufachen. Wie die Einschalt-Quote seiner ersten “Wetten dass..?”-Sendung im Herbst ausfallen wird, ist schwer vorauszusagen. Eine andere Prognose dagegen fällt leicht: Bei Twitter wird die erste Markus-Lanz-Ausgabe von “Wetten dass..?” ein Top-Hit werden. Er wird dort kübelweise Schmähungen abbekommen, es braut sich da ein gewaltiger Shitstorm zusammen. Markus Lanz kann das ziemlich egal sein. Es ist ja bloß das Internet.
Die Markus-Lanz-Sendung vom 17. Juli in der ZDF-Mediathek

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige