Bundeswehr macht MAD zum Comic

Publishing Zu einer ungewöhnlichen Maßnahme der Eigenwerbung hat der ansonsten sehr verschwiegene Militärische Abschirmdienst, abgekürzt MAD, gegriffen. In der aktuellen Ausgabe des Bundeswehrmagazins Y wird die Tätigkeit des Geheimdienstes beschrieben – als Comic in schwarz-weiß. Dort geraten Soldaten in die Fänge russischer Agentinnen, werden Raketen in Afghanistan entschärft – und der ehemalige MAD-Chef gibt ein rares Interview. Politiker fordern derweil eine Reform des Dienstes.

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Gezeichnet hat den Comic "Die guten Agenten des MAD" der Hamburger Illustrator Niklas Hughes. Die Agentur hinter Y – Das Magazin der Bundeswehr ist seit einigen Jahren die Agentur KircherBurkhardt in Berlin. Comic und begleitender Text sind – wie kaum anders zu erwarten bei einer Zeitschrift, die im Auftrag der Bundeswehr produziert wird – pure PR. Bemerkenswert ist aber, dass MAD-Mitarbeiter – "erstmals", wie das Magazin betont – über ihre Arbeit sprechen. Und sich darüber hinaus als Geheimdienstler inszenieren, die durch den Comic-Stil zwar nicht unbedingt glamorös rüberkommen, aber attraktiver als die anzunehmende Realität dargestellt werden.

Eine offenherzige Agentin im Einsatz
(alle Fotos: Copyright Y-Magazin/Niklas Hughes)

"Okay, wir haben eine Anbahnung durch eine Russin", heißt es im Kapitel "Spionage". Ein Soldat ist in eine "Honigfalle" getappt. Viel Geld verspricht die leicht gekleidete Agentin dem armen Tropf in ihren Fängen: "Wenn du mir hilfst, können wir sehr schnell viel Geld verdienen", säuselt sie. Aber natürlich wird der böse Plan vom MAD vereitelt. Nicht ohne den Hinweis im Text, dass solche Fallen "jeden treffen" könnten.

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In weiteren Kapiteln lokalisieren MAD-Mitarbeiter eine auf ein Soldatenlager gerichtete Rakete in Afghanistan. Sie vereiteln einen Einbruch auf ein Gelände der Bundeswehr. Sie nehmen einen Soldaten ins Verhör, der rechtsextreme Musik hört. Tipp an die Leser: "Offenheit ist Trumpf". Botschaft: Der MAD ist Garant für die Sicherheit der Truppe – und damit auch der Bevölkerung. Besonders elegant oder gewitzt ist das nicht, trotzdem ist die ungewöhnliche Aufbereitung der MAD-Story an sich ein Signal.

Das anschließende Interview mit dem ebenfalls im Magazin gezeichneten Karl-Heinz Brüsselbach, bis Ende Juni Chef des MAD, wertet die Süddeutsche Zeitung sogar als "kleine Sensation". In dem Gespräch sagt Brüsselbach: "Wir wollen uns ja nicht verstecken, unsere Öffentlichkeit ist die Bundeswehr." Der MAD sei der "offenste Dienst". Die Überschrift des Interviews: "Junge Menschen, kommt zum MAD!" Wie es heißt, sollen Text und Umsetzung als Comic lange im Voraus geplant gewesen sein. 

Doch der Abschirmdienst steht unter Druck. Justizministerin Sabine Leitheusser sagte: "In dieser Form brauchen wir den MAD nicht mehr". Das sieht Brüsselbach vermutlich anders. Im Gespräch mit Y spricht er über die Gefahren durch Terroranschläge auch in Deutschland. Auch Extremismus gelte es zu bekämpfen. Und die Spionageabwehr bleibe "Kerngeschäft". Ob ein Comic helfen wird, diese Notwendigkeit auch gegenüber der Politik besser zu vermitteln – unklar.

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