Marissa Mayer und die Schwanger-Debatte

Publishing Marissa Mayer ist eines der prominentesten Gesichter beim Internet-Konzern Google. Jetzt gab sie ihren Wechsel an die Spitze des kriselnden Konkurrenzunternehmens Yahoo bekannt. Mehr noch als über den neuen Top-Job, wird in Medien darüber debattiert, dass sie schwanger ist. Wäre “so etwas” in Deutschland auch möglich? Ist Marissa Meyers Berufung ein Zeichen der Zeit oder eine Ausnahmeerscheinung? Eigentlich sollte eine schwangere weibliche Führungskraft normal sein. Ist sie aber nicht.

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Nur einigen wenigen hiesigen Medien war die Schwangerschaft von Marissa Meyer keine Zeile wert. Spiegel Online, Sueddeutsche.de und Welt.de verzichteten in ihrer Berichterstattung komplett auf den Hinweis, dass sie schwanger ist. FTD.de schreibt dagegen aufgekratzt: “Hochschwangere Mayer muss Yahoo aus der Krise führen”. Das klingt fast schon, als hinge Frau Mayer ihre Schwangerschaft bei dem Yahoo-Krisenjob wie ein Mühlstein am Hals. Die WirtschaftsWoche schreibt online gar, Yahoo stelle Marissa Mayer ein, “obwohl sie noch dieses Jahr ein Kind erwartet.” „Obwohl“ – die Schwangerschaft als potenzielles Karriere-Hindernis ist in unseren Köpfen offenbar noch fest verankert.

Es sind diese vermeintlichen Kleinigkeiten, die zeigen, dass eine schwangere Frau in einer Top-Position der Wirtschaft heutzutage noch alles andere als selbstverständlich ist. Da schwingt stets ein “Kann die das?”, ein “Darf die das?” zwischen den Zeilen mit. Yahoo ist in der Krise, die neue CEO muss doch ihre ganze Kraft dem Unternehmen widmen – wie passt da ein Kind rein? Die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf ist nicht nur im manchmal Einzelhandel ein Thema, sondern auch in den Fluren des Top-Managements.

Für einige US-Medien, wie Fortune, ist die Schwangerschaft von Frau Mayer sogar die Hauptnachricht: “New Yahoo CEO Mayer is pregnant”. Ungläubigkeit spricht aus diesen Zeilen, dabei sollte es sich eigentlich herumgesprochen haben, dass Frauen Kinder bekommen können. Und angeblich ist bei den großen Internetkonzernen wie Google und Yahoo alles superflexibel mit Rundum-Sorglos-Kinderbetreuung usw. Ganz so selbstverständlich ist die Schwangerschaft einer Top-Managerin aber auch in den USA nicht – das zeigen die Schlagzeilen.

Ob Frau Mayer Yahoo retten kann oder nicht, weiß niemand. Es ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Wenn sie zeigt, dass eine Frau ein Kind haben UND ein Unternehmen führen kann, müssen die Medien bei der nächsten schwangeren Führungskraft keine kollektive Schnappatmung mehr bekommen. Das wäre sogar ein noch größerer Verdienst, als die Rettung von Yahoo.

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