Halali bläst zur Hatz auf scheues Leser-Wild

Publishing In der dritten Folge unserer losen MEEDIA-Reihe über bemerkenswerte Print-Titel in der Nische befassen wir uns mit dem Jagd-Magazin Halali. Das Heft, das sich “Jagd, Natur & Lebensart” als Untertitel gegeben hat, erscheint seit April 2011 und entstaubt das Genre der Jagd-Zeitschriften mit einer gehörigen Portion Magazin-Professionalität, Lifestyle und Anspruch. Man könnte auch sagen: Wenn sich Vollblut-Journalisten hinsetzen und Landlust mit Wild & Hund kreuzen, kommt so etwas wie Halali dabei heraus.

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Zielgruppe

An wen wird sich ein Magazin mit dem Namen Halali wohl richten? Klar: Jäger sind die Zielgruppe, beziehungsweise Jagd-Interessierte. Nach eigenen Angaben wendet sich Halali an den “stilvollen Jäger und Menschen mit Freude an der Natur”. Das führt dazu, dass es nicht nur Hardcore-Jäger-Content bei Halali gibt, sondern viele Artikel, die das Thema Jagd und Natur als Lebensgefühl im weiteren Sinne beschreiben. Da darf dann auch schon mal eine Betrachtung über die “Taube in der Kunst” stehen oder ein Wegweiser durch die Hornissen-Saison (“Der Feind unter meinem Dach”), der auch für viele Nicht-Jäger interessant ist. Gebildet soll er zudem sein, der Halali-Leser und Geld haben sollte er natürlich auch. Zum einen ist das ganze Jäger-Gedöns, das in zahlreichen Anzeigen beworben wird, richtig teuer und mit 9,80 Euro Heftpreis ist Halali selbst auch alles andere als ein Schnäppchen.

Konzept

Zum Start von Halali wurde das Konzept als Landlust meets Jagd umschrieben und das trifft es ziemlich gut. Das Magazin entstaubt den trocken bis altbackenen Jagd-Journalismus, wie er in alteingesessenen Fachzeitschriften mit Verbands-Charakter gepflegt wird und fügt eine frische Lifestyle-Ebene hinzu, ohne dass das Produkt dadurch inhaltlich verflacht. Im Gegenteil: Halali bietet tiefgehende Geschichten und Reportagen mit opulenter Bebilderung und gut geschriebenen Texten zu absolut abseitigen Themen (abseitig zumindest für den nicht Jagdkundigen). So wird beispielsweise die “abenteuerliche Geschichte der Hahnbüchsflinte von Friedrich von Gagern” erzählt, das Thema bleihaltige Munition wird in aller gewiss gebotenen Ernsthaftigkeit durchexerziert und ein ausführliches Service-Stück befasst sich mit der Beziehung zwischen Kindern und Jagdhunden.

Machart

Die Machart von Halali ist hoch professionell und unaufgeregt. Es gibt keine Layout-Sperenzchen, sondern gut bebilderte und fundiert recherchierte Geschichten. Zu den zahlreichen Reportagen und Einzel-Geschichten gesellen sich zahlreiche, liebevoll ausgearbeitete Rubriken. Es gibt z.B. ein Rasseporträt eines Jagdhundes (in unserer Ausgabe: der sympathische Otterhound), unter “Waidwerk” werden Produktneuheiten kurz und prägnant vorgestellt („Rohr frei  – Mündungsschoner aus einfachem Loden“) und mit dem Pickup VW Amarok gibt es sogar einen Jagd-affinen Autotest (“Wer klug ist, kauft sich di im Zubehörhandel erhältliche Laderaumwanne und Laderaumwinde gleich mit dazu.” Raten Sie mal, wofür!). Sogar Wildrezepte der anspruchsvollen Art fehlen nicht.

Schräge Anzeigen

Beim Thema Jagd gibt es manches, was den Nicht-Jäger in Erstaunen versetzt. Zum Beispiel die Werbung für das Premium-Lockmittel Rehwild von Hagopur. Aus einer “Komposition von Blattknospenextrakt und echtem Natur-Moschus mit enormer Anziehungskraft”. Bitte nicht im Bad stehen lassen – Verwechslungsgefahr!


Seltsamster Lese-Moment

Wenn man kurz vor Schluss des Magazins unvermittelt mit einer Doppelseite Hasen-Porträtfoto inkl. Hasen-Gedicht von Johann Wilhelm Hey konfrontiert wird: “Seh’ mir eine den Hasen an; sitzt er nicht stolz da wie ein Mann?”

Steckbrief
Halali
Verlag: convergence Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
www.halali-magazin.de
Auflage: 25.000
Erscheinungsweise: vierteljährlich
Heftpreis: 9,80 Euro

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