Zeitungsmarkt München: SZ verliert deutlich

Publishing Für die Süddeutsche Zeitung wird die Luft an der Spitze des Münchner Zeitungsmarktes dünner: Mit 105.291 verkauften Exemplaren pro Tag bleibt die SZ zwar die Nummer 1 in der bayerischen Landeshauptstadt, doch gegenüber 2010 gingen 6,8% der Münchner Käufer verloren. Wie die Verbreitungsanalyse Tageszeitungen der IVW weiter zeigt, sprangen die beiden Boulevard-Blätter Abendzeitung und TZ zudem zurück über die 100.000er-Marke, allerdings wohl mit Hilfe von sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren.

Werbeanzeige

Vor zwei Jahren betrug der Vorsprung der Süddeutschen auf die lokale Münchner Konkurrenz noch mehr als 10.000 verkaufte Exemplare. Mit 112.960 Verkäufen lag man klar vor Abendzeitung (99.571) und tz (98.791). Doch dieser Vorsprung schrumpfte in den beiden Jahren deutlich – auf nur noch etwas mehr als 2.500 verkaufte Zeitungen. Allerdings: Die Zahlen der IVW-Verbreitungsanalyse unterscheiden nicht zwischen hartem Verkauf am Kiosk und per Abo auf der einen Seite – und sonstigen Verkäufen und Bordexemplaren, die vornehmlich der Auflagenkosmetik und schnellen Reichweitensteigerung dienen, auf der anderen Seite.

Die Steigerungsraten der beiden Boulebardblätter dürften vornehmlich mit der zweiten Auflagenkategorie zu tun haben. Denn: Ein Blick auf die Gesamtverkäufe der beiden Blätter zeigt bei den Abos und vor allem am Kiosk deutliche Verluste. Das Plus in München könnte also beispielsweise damit zu tun haben, dass man mehr Zeitungen an den Münchner Flughafen geliefert hat, um sie den Flugreisenden kostenlos zur Verfügung zu stellen. Als Verkäufe werden solche Exemplare dennoch gewertet, da Fluglinien für den Service offiziell einen kleinen Betrag an die Verlage zahlen.

Der zweite große Verlierer neben der Süddeutschen Zeitung ist die Bild. Wie schon in Berlin und Hamburg büßte Springers Boulevardzeitung auch hier mehr als 10% der Käufer ein. Von 48.631 ging es auf 43.009 herab. Vor vier Jahren lagen die Münchner Bild-Verkäufe sogar noch bei 66.378. Verloren hat auch der Münchner Merkur, der vor allem im Münchner Umland Auflage macht. In München selbst liegt er mit 26.151 Verkäufen auf Platz 5.

Das Feld der überregionalen Blätter – die Süddeutsche werten wir hier mal nicht als solches – führt in München das Duo Welt und Welt kompakt an, knapp vor der F.A.Z. Handelsblatt und FTD folgen mit deutlichen Zuwächsen – auch die dürften wiederum am Münchner Flughafen zu suchen sein. Über der 1.000er-Marke landet noch die taz, die Frankfurter Rundschau büßt hingegen extreme 64,3% ein und fällt weit unter dieser Marke. Komplettiert wird die Top 20 von einigen bayerischen Titeln, zwei Zeitungen aus Berlin und dem Neuen Deutschland, das in München 39 Käufer zählt.

Zum Hintergrund: Die Verbreitungsanalyse Tageszeitungen der IVW erscheint alle zwei Jahre und bietet detaillierte Verkaufszahlen fast aller deutschen Blätter bis auf die einzelnen Gemeinden heruntergerechnet. Die IVW-VA bietet damit hochinteressante Daten für jeden Zeitungsmarkt der Republik. Für diese detaillierte Analyse melden alle teilnehmenden Verlage für eine Messwoche – diesmal war das die vom 7. bis 13. November 2011 – ihre nach Gemeinden aufgeschlüsselten Verkaufszahlen an die IVW. Anschließend werden die gemeldeten Zahlen dann auf das aktuelle Quartal – in diesem Fall das erste Quartal 2012 – hochgerechnet.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige