Springer vs. Unister: kein CoBi-Verkaufsstopp

Publishing Der Streit zwischen Unister und Computerbild geht in die nächste Runde. In seiner aktuellen Ausgabe hat das Magazin dem Reiseportal-Betreiber versteckte Preisaufschläge bei Reise- und Flugbuchungen vorgeworfen. Unister sei ein "Abzock-Imperium". Am Donnerstag erließ das Landgericht Leipzig eine Einstweilige Verfügung gegen ComputerBild. Doch anders, als ein Fachjournalist behauptet, wurde die weitere Verbreitung des Hefts nicht untersagt. Springer will nun gegen dessen Berichterstattung vorgehen.

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Worum geht es? In ihrer aktuellen Ausgabe beruft sich die ComputerBild in dem Artikel “Das Abzock-Imperium” auf Insider aus dem Management des Reiseportalbetreibers Unister. Einer der Vorwürfe: Fluege.de betreibe Abzocke mit einem voreingestellten Umbuchungsservice für 5 bis 15 Euro pro Person. Der Nutzer müsse gesondert ein Häkchen entfernen, um Extrakosten zu vermeiden.
Vorwurf der Instrumentalisierung
Am Montag wehrte sich Unister mit einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung. In dem Schreiben der Unister-Kanzlei heißt es, der Artikel beruhe auf zahlreichen unrichtigen Tatsachenbehauptungen. Sie würden unter anderem auf Aussagen mehrerer ehemaliger Mitarbeiter fußen, von denen einer mittlerweile zur Konkurrenz gewechselt sei. Die Redaktion hätte sich instrumentalisieren lassen.
Am Mittwoch stellte die ComputerBild fest: "Im Zusammenhang mit den monatelangen Recherchen wurde niemals Geld für Information bezahlt. Es hat auch keinerlei sonstige Leistungen für Informationen gegeben. Redakteure von Computer Bild haben auch nie zum Verrat von Betriebsgeheimnissen aufgefordert. Selbstverständlich hat die Redaktion im Zuge der journalistischen Recherche versucht, Kontakt zu Mitarbeitern aufzunehmen, um sie um Stellungnahmen zu vorliegenden Informationen zu bitten."
Das Springer-Blatt hält die Vorwürfe zu den beschriebenen Abzockfallen aufrecht. Für alle Fakten, auf denen der aktuelle Bericht beruht, lägen der Redaktion entsprechende Korrespondenzen von ehemaligen und aktuell angestellten Unister-Mitarbeitern, autorisierte Zitate, Kundenbelege sowie Screenshots und -videos oder Gerichtsurteile vor, teilte der Verlag mit.
Touristik-Journalist unterstützt Unister-Vorwürfe
Am 22. Juni habe die Redaktion detaillierte Rechercheergebnisse mit der Bitte um Stellungnahme vor Redaktionsschluss an die Unister-Pressestelle gesandt. Konkrete Antworten seien ausgeblieben. Der Bitte der Pressestelle, um Zusendung des kompletten Artikels zur Kenntnis und Freigabe wäre die Redaktion nicht nachgekommen.
Die Stellungnahme der ComputerBild ist auch eine Reaktion auf die Veröffentlichung von Carsten Henning auf dessen Touristik-Portal Hottelling.net. Dieser hält die zentralen Vorwürfe des Artikel für falsch und erklärt: "Wie hottelling von einem Insider gerüchteweise erfahren hat, lägen die Motive der ehemaligen Unister-Führungskräfte wohl überwiegend in eher niederen Beweggründen." Was verwundert, ist die Geschwindigkeit, mit der der investigativ anmutende Artikel erschienen ist, nämlich ebenfalls am Montag. Dort heißt es weiter: "Dabei ist bekannt, dass bestimmte Medien zuweilen auch mit Informationshonoraren arbeiten." Der Text erschien auch bei dem auf Pressemitteilungen spezialisierten Web-Portal von news aktuell und wurde daraufhin von mehreren Webseiten übernommen.
Landgericht Leipzig untersagt Verbreitung
Dem vorangegangen war ein Text Hennigs, der bereits am Sonntag erschien. Dort heißt es recht Unister-freundlich: "In zehn Jahren hat Wagner (Anm. d. Red.: Thomas Wagner, Gründer von Unister), dem man unternehmerisches Temperament und einen guten Sinn für gute Geschäfte nachsagen könnte, ein Firmengeflecht mit nachhaltiger Vertriebskraft nicht nur im Verkauf von Reiseleistungen geschaffen. Mit den Portalen ab-in-den-urlaub.de, travel24.com und fluege.de ist er omnipräsent, online wie im TV. Tatsächlich sorgt sein Sinn für Top-Testimonials wie Fußball-Liebling Michael Ballack, TV-Darling Reiner Calmund und das Dschungel-Duo Dirk Back & Sonja Zietlow für Zugkraft, die sich manch anderes Internetunternehmen wünschen würde. Das weckt offenbar Neider."
Kein Verkaufsstopp, rechtliche Schritte geplant
Auch zur Einstweiligen Verfügung, die das Landgericht Leipzig am Donnerstag gegen die Axel Springer AG erließ, äußerte sich Hennig und nicht Unister via Pressemitteilung. Den Satz „Mittlerweile geht das Treiben auch der Oberstaatsanwaltschaft Dresden zu weit – sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, den Fall noch einmal aufzurollen“ aus dem CoBi-Artikel darf die Axel Springer AG demnach nicht weiter behaupten oder behaupten lassen. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte dieses vorläufige Urteil mit dem Aktenzeichen 08 0 2057/12 gegenüber MEEDIA. 
Hennig schreibt weiter, dass das Gericht dem Verlag damit die weitere Verbreitung der aktuellen Ausgabe untersagt habe. Die Axel Springer AG widerspricht dieser Behauptung, wie ein Sprecher des Unternehmens auf MEEDIA-Anfrage mitteilte. Man werde alle Rechtsmittel ausschöpfen und bleibe bei der Berichterstattung. Ferner werde es keinen Verkaufsstopp geben. Außerdem erklärte der Verlag, gegen die Berichterstattung Hennigs vorzugehen.

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