Xing-Aktie in Sippenhaft von Facebook

Selbe Branche, unterschiedliches Geschäftsmodell: Eigentlich sollte Deutschlands renommierteste Social Media-Aktie Xing wenig mit der Börsenentwicklung von Facebook zu tun haben. Doch eine ziemlich synchrone Entwicklung war zuletzt unverkennbar: Mit dem weltgrößten Social Network litt auch die eigene Börsenperformance. Dabei haben die Hamburger zuletzt selbst für Turbulenzen gesorgt: Vorstandschef Groß-Selbeck scheidet überraschend aus, die Gewinne gingen im vergangenen Quartal zurück. Ist die Wachstumsstory zu Ende?

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Selbe Branche, unterschiedliches Geschäftsmodell: Eigentlich sollte Deutschlands renommierteste Social Media-Aktie Xing wenig mit der Börsenentwicklung von Facebook zu tun haben. Doch eine ziemlich synchrone Entwicklung war zuletzt unverkennbar: Mit dem weltgrößten Social Network litt auch die eigene Börsenperformance. Dabei haben die Hamburger zuletzt selbst für Turbulenzen gesorgt: Vorstandschef Groß-Selbeck scheidet überraschend aus, die Gewinne gingen im vergangenen Quartal zurück. Ist die Wachstumsstory zu Ende?
Es war nicht unbedingt der Wonnemonat für Xing-Aktionäre: Innerhalb von zehn Tagen hatten Anteilseigner drei Überraschungen zu verdauen – keine davon positiv. Zunächst einmal verkündete Vorstandschef Stefan Groß-Selbeck, dem in den vergangenen vier Jahren eine Umsatz- und Gewinnverdopplung und eine signifikante Steigerung des Aktienkurses gelungen war, sein ziemlich unerwartetes Ausscheiden zum Jahresende
"Ich persönlich habe mich entschieden, nach vier Jahren neue Wege zu gehen", teilte der 44-Jährige mit. Welche das sind – völlig unklar. "Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Xing einem Nachfolger zu übergeben." Das sahen Aktionäre indes anders. Zwar wurde mit dem achte Jahre älteren, frühen McKinsey-Manager Thomas Vollmoeller ein echter Routinier verpflichtet, doch Anleger platzierten in den kommenden Handelstagen erstmal kräftig Verkaufsorders, stand doch Groß-Selbeck für einen kontinuierlichen Wachstumskurs.
Schwarzer Mai: Kursverluste von 25 Prozent
Den konnte der frühere Chef von eBay Deutschland bei Vorlage der Quartalszahlen Mitte Mai dann aber nicht mehr ausweisen: Die Gewinne gaben aufgrund von Investitionen in neue Mitarbeiter um 27 Prozent nach. Börsianer wollten diese Erklärung nicht gelten lassen und schickten die Xing-Aktie abermals zweistellig nach unten. 
Der dritte Rückschlag kam dann mit dem überraschend schwachen Börsengang von Facebook. Der zeitweise zweitwertvollste Internet-Konzern fiel überraschend schnell unter den Ausgabekurs und belastete wie andere Social Media-Unternehmen auch den Aktienkurs von Xing nachhaltig. In der Spitze 25 Prozent verlor die Xing-Aktie im Mai. 
Facebook schiebt Xing-Erholung an
Nach einem Monat der Kursturbulenzen setzte die Facebook-Aktie vorvergangene Woche dann mit Ansage zur Comeback-Rally an. Und was macht die Xing-Aktie? Folgte dem amerikanischen Social Network im Aufwärtstrend, wenn auch nur mit Kursaufschlägen von zehn Prozent von den zwischenzeitlichen Tiefs auf 46 Euro, während Facebook inzwischen sogar 30 Prozent in weniger als zwei Wochen gut gemacht hat. Ist da nun noch mehr drin für Xing?
Ein Vergleich, so sehr in die derzeitige Entwicklung von Internetaktien plausibel erscheinen lässt, endet jedoch an dieser Stelle. Facebook fährt den Löwenanteil seiner Erlöse durch Online-Werbung ein, Xing durch Abonnements. Das weltgrößte Social Network ist mit einer extrem ambitionierten Bewertung an die Börse gegangen und wird aktuell mit einem KGV von etwa 70 bewertet, Xing indes nur mit 21. 
LinkedIns Wachstum weitaus explosiver
Der Bewertungsvergleich zwischen Freundschafts- und dem Berufsnetzwerk relativiert sich allerdings dann nach Wachstumskriterien: Bei Xing gab der Gewinn zuletzt nachhaltig nach, die Umsätze zogen nur noch um 13 Prozent gebenüber dem Vorjahr an – bei Facebook rechnen Analysten zumindest mit fünfzigprozentigen Zuwächsen. Entsprechend erklären sich die Aufschläge, die Anleger gegenwärtig bereit zu zahlen sind.
Beim direkten Rivalen LinkedIn fallen die noch üppiger aus: Das erwartete KGV liegt aktuell bei über 150, dafür konnte der US-Platzhirsch zuletzt sowohl mit einer Umsatz- als auch Gewinnverdopplung verblüffen.
Für Xing wird es unter dem neuen Chef Thomas Vollmoeller nun darauf ankommen, den US-Rivalen zumindest im deutschsprachigen Raum weiter auf Distanz zu halten. Immerhin schon zwei Millionen Mitglieder zählt LinkedIn verglichen mit den fünf Millionen von Xing.
Analysten zwischen Halte- und Kaufempfehlungen
Einige Analysten sehen aufgrund des Abnutzungskampfes mit dem US-Konkurrenten entsprechend Risiken im zweiten Halbjahr. Für Jochen Reichert von Warburg Research ist Xing aktuell nur eine Halteposition. Sein Kursziel: 53 Euro, das sind 15 Prozent mehr als im Moment. 
Mehr Nachholbedarf bei den Hamburgern sieht dagegen die Berenberg Bank, die die erste Social Media-Aktie der Welt, die sich bereits 2006 an die Frankfurter Börse wagte, mit einem Kursziel von immerhin 59 Euro zum Kauf empfiehlt. Markus Silbe von Close Brother Seydler Research legt bei seiner Kaufempfehlung gar noch einen Euro drauf.

Ob sich Xing in der Börsenentwicklung dabei von Facebook abkoppeln kann, bleibt für den Hamburger Web 2.0-Pionier die große Herausforderung des zweiten Halbjahres an den Aktienmärkten. 

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