NY Times: Abschied vom Hyper-Lokalen

Publishing Die New York Times zieht sich aus dem Hyperlocal-Project “The Local”, das sie mit den beiden Universitäten New York University und City University of New York betrieben hat, zurück. „The Local“ war der Versuch, Bürger-Journalismus mit Profi-Journalisten zusammenzubringen und eine hyperlokale Stadtteil-Berichterstattung für einige New Yorker Stadtgebiete anzubieten. Für die Times war “The Local” von Anfang an ein Experiment. Wie es mit dem Web-Projekt weitergeht, ist derzeit unklar.

Werbeanzeige

Bei der New York Times und bei den beiden beteiligten Universitäten ist man bemüht, nicht von einem Misserfolg zu sprechen. Die Klickzahlen bei den beiden verbliebenen “The Local”-Websites für East Village und Fort Greene seien im vergangenen Jahr sogar gestiegen, hieß es. Es seien auch durchaus Anzeigen verkauft worden. Trotzdem lohnt sich das Engagement für die Zeitung nicht. Die Times hatte die komplette Hoheit über die Berichterstattung bei “The Local” bereits 2010 komplett an die Universitäten übertragen und war nur noch beratend involviert.

Bei Niemanlab.org nennt New-York-Times Mitarbeiter Jim Schachter mehrere Lehren, die die Zeitung aus dem Projekt gezogen hat. So habe es sich als sinnlos erwiesen, Profi-Journalisten dafür zu bezahlen, hyperlokale Berichterstattung zu machen. Schachter: “Ehrlich gesagt: Wenn Hyperlocal nicht das Kerngeschäft eines Medienunternehmens ist, kann man sich da nicht komplett engagieren. Große Medien-Organisationen können es sich nicht leisten, große geographische Gebiete hyperlokal mit exklusiv bezahltem Personal abzudecken.” Mit anderen Worten: Die teuren New-York-Times-Journalisten für hyperlokale Themen einzusetzen, lohnt sich nicht.

Andererseits habe man aus dem Projekt gelernt, dass es ganz ohne Profi-Journalismus auch nicht geht. “Wenn man richtig gute Inhalte will und harte Fragen beantwortet werden sollen, braucht man einen gewissen Anteil an professionellem Journalismus”, so Schachter bei Niemanlab.org. Aber der ist ja dann wieder zu teuer …

Die New York Times hat für sich also entschieden, das Hype-Thema Hyperlocal ad acta zu legen. Bis Ende des Jahres bleibt die Zeitung noch dabei, damit sich die beiden Universitäten überlegen können, ob und und wie sie das Projekt ohne Beteiligung der Times fortführen wollen.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige