Bild-Chef macht sich über Kritiker lustig

Publishing Nicht Griechenland ist der Gegner von Bild-Chef Kai Diekmann an diesem Freitag, auch nicht Christian Wulff oder die taz. Die Aktivisten-Community Campact hatte zu einer Demo gegen das Boulevardblatt aufgerufen und eine zwei Meter hohe "Rote Karte" vor den Verlagssitz in Berlin getragen. Wegen "schweren Foulspiels". Diekmann ließ eine Botschaft an die Demonstranten überbringen, die ein wenig an eine Ansprache erinnerte, die vor einiger Zeit Hans Leyendecker gehalten hatte.

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Die Demonstranten, geschätzt etwa 40 bis 50 Personen, warfen dem Boulevardblatt regelmäßige Verstöße "gegen die ethischen Leitlinien des Pressekodex" vor. "Jetzt muss endlich Schluss sein mit dem Foulspiel. Von einem so einflussreichen Medienorgan erwarten wir eine faire und seriös recherchierte Berichterstattung", wird Susanne Jacoby zitiert, die für die Aktionsplattform Campact arbeitet.

Zur Verteilung der Jubiläums-Bild an 41 Millionen Haushalte am 23. Juni hat sich Campact etwas einfallen lassen. Als Hinweis für die Briefträger, die die Zeitung verteilen, verschickt Springer an registrierte Verweigerer der Zeitung einen roten Umschlag. So soll sichergestellt sein, dass genau diese Empfänger keine Bild-Ausgabe erhalten. Campact ruft die Verweigerer nun auf, ihre Umschläge einzusenden und damit an der Verlosung eines Kurzabos von überregionalen Tageszeitungen teilzunehmen, "die im Gegensatz zur Bild für Qualitätsjournalismus stehen".

Bild-Chef Diekmann wollte in puncto Witzigkeit und Originalität nicht nachstehen, und ließ den Demonstranten eine Nachricht überbringen. Die Nachricht ist als Dankesrede für eine Auszeichnung verfasst, die Bild bzw. Diekmann nie bekommen hat ("Es ist eine große Ehre, nominiert zu werden – das hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Es ist sehr nett von Ihnen….Ich danke allen in der Jury, die sich für uns eingesetzt haben").

Der Brief erinnert an eine andere Rede – die von Hans Leyendecker bei der Nannen-Preisverleihung. Diekmann schreibt: "Und deshalb komme ich zu dem Problem, das wir haben. das richtet sich überhaupt nicht gegen Campact, aber wir haben ganz kurz beraten, soweit es möglich war. Jeder von uns hat seine Biografie, und wir möchten die Auszeichnung nicht annehmen – weil ich es auch ein Stückchen für einen Kulturbruch halte. Aber man kann da auch über vieles reden, was damit zusammenhängt."

Die Brief-Rede hat natürlich nur eine Botschaft Diekmanns an die Bild-Kritiker, und die lautet, frei von MEEDIA nach Bart Simpson übersetzt: "Macht’s gut, ihr Trottel." Auch eine Methode, sich mit vermutlich ehrlich entrüsteten, aber aus Diekmann-Sicht übereifrigen Kritikern auseinanderzusetzen.  

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