Luxodo-Gründer: „Ein Amazon für Luxus“

Publishing Der Tempel für Luxusgüter liegt in der Hamburger Innenstadt, einen Steinwurf entfernt von den Einkaufsgalerien nahe der Binnenalster. Doch nur ein schlichtes Logo an der Glastür deutet auf den Sitz von Luxodo.com hin. Keine Überraschung, denn diese Shopping-Welt ist virtuell, ein Internet-Marktplatz für exklusive Begehrlichkeiten. Bedient werden die Kundenwünsche von einer Vielzahl von Einzelhändlern. Gründer ist Mathias von Bredow, 41, der Luxodo zur internationalen Marke formen will.

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Das Office an der Poststraße versteckt sich im hinteren Erdgeschoss eines Kontorhauses. Drinnen erinnert das Treiben eher an eine Redaktion als an ein Geschäft: Schreibtische voller Magazine, Bilder und Post it-Stickern, ein Fotostudio und rund ein Dutzend Mitarbeiter, die diskutieren oder am Computer arbeiten. Startup-typisch ist hier alles in einem Büro versammelt, getrennt nur von einigen Stellwänden: Texter, Vertriebler, Programmierer, Layouter und Vermarkter, die meisten um die 30 Jahre alt.
Es gibt viel zu tun. Binnen eines Jahres seit der Gründung im Juni 2011 hat sich die Zahl der angeschlossenen Stores auf 50 erhöht. Fast pausenlos werden Kleidungsstücke geshootet, die auf der Website "ausgestellt" werden. Nach der Bestellung muss der Versand organisiert, Kundenfragen beantwortet werden. Der Ansatz von Luxodo ist es, den Händlern ein "Rundum-Sorglos-Paket" für die Betreuung ihrer Web-Bestellungen bereitzustellen. Lediglich für die Verpackung der Ware (in von Luxodo angelieferten schwarzen Boxen) sind die Store-Betreiber verantwortlich, alles andere wird für sie erledigt.
Das Shop-in-Shop-Konzept, bei dem die Plattform als Dienstleister für stationäre Händler fungiert, hat nicht nur viele Business-Kunden sondern auch hochkarätige Investoren überzeugt. So investierte Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz einen höheren Betrag in das junge Unternehmen. Über das Geschäftsmodell sagte er: "Die Idee hat mich sofort begeistert, und sie wurde professionell und schnell umgesetzt." Kopf von Luxodo ist Mathias von Bredow, der Top-Jobs bei Bertelsmann, T-Online und der Deutschen Telekom innehatte, bevor er sich 2010 selbstständig machte, um das Unternehmen zu starten. Im Gespräch mit MEEDIA erklärt von Bredow, wie es zu der Geschäftsidee kam und welche Ziele er ein Jahr nach der Gründung verfolgt.
Warum braucht die Shoppingwelt Luxodo?
Mathias von Bredow: Luxodo ist ein Online-Marktplatz für die besten Luxus-Stores in Deutschland und Österreich. Das Sortiment ist dadurch für die Käufer natürlich viel interessanter als bei reinen Onlinehändlern. Als Marktplatz sind wir außerdem Partner und Freund des Einzelhandels. Das begrüßen übrigens auch viele Luxusmarken, die sonst dem Internet eher skeptisch gegenüber stehen. Die Umsätze ermutigen uns. Der Markt ist da.
Wie entwickelten Sie das Geschäftsmodell, wie entstand der Name Luxodo?
Das Marktplatz-Prinzip ist nicht neu, aber ich habe es bewusst auf den Luxusmarkt übertragen. Hier wird die meiste Ware auch in Zukunft über ausgewählte Multibrand Stores verkauft, da macht ein Marktplatzanbieter für deren Onlinehandel viel Sinn. Meine Idee war: wir werden als Online-Marktplatz ein Amazon für Luxus. Der Name war dann eine Eingebung: eines Abends war der der Name plötzlich da. Dann habe ich die ganze Nacht die internationalen Domains gekauft.
Wie haben Sie das Unternehmen aufgebaut, wie lange hat es gedauert, bis Sie den ersten Kunden gewonnen haben?
Für die Vorbereitungen hatte ich ab September 2010 etwa neun Monate eingeplant. Unterstützung hatte ich dabei von verschiedenen Experten wie Ex-MTV Networks Chefin Catherine Mühlemann und dem Textilwirtschafts-Geschäftsführer Rolf Grisebach. Die erste Zusage eines Händlers hatte ich bereits nach drei Monaten. Da wusste ich: Du kannst es schaffen. Als wir dann planmäßig nach neun Monaten gestartet sind, waren es schon fünf Händler und vier Mitarbeiter. Die erste Bestellung kam kurz nach dem Launch aus Vechta, eine Tasche von Chloé. Das werde ich nie vergessen.
Was hat der User von Luxodo, wie profitiert der Händler?
Bei Luxodo erwarten den Kunden vor allem Vielfalt und ein großes Sortiment sowie eine einheitliche und hochwertige Präsentation der Ware. Da wir als Plattform kein Warenrisiko tragen, können wir jetzt bereits über 500 Marken zeigen sowie mehrere tausend Produkte. Damit haben wir nach nur einem Jahr selbst große unter den reinen Online Händlern mit unserem Marktplatz-Konzept überholt. Für die die Händler fallen nur variable Kosten, im wesentlichen für Provisionen an – damit wird für die von uns ausgewählten Partner der Einstieg in einen wettbewerbsfähigen Online Handel einfach und bezahlbar. Und das zentrale Marketing für Luxodo bringt den Händlern natürlich viel mehr Aufmerksamkeit, als wenn jeder auf eigene Faust loslegen würde.
Hat nicht inzwischen jeder hochkarätiger Fashion-Anbieter längst selbst einen Online-Shop-Auftritt? Wie groß schätzen Sie den Markt für Luxodo ein?
Uns ist es bei Luxodo gelungen, die Anzahl der angeschlossenen Stores seit Januar dieses Jahres auf über 50 zu verdoppeln. Und das Potential ist weiterhin groß, weil es für den Einzelhandel teuer und kompliziert ist, im Online Handel alles selbst zu machen. Luxodo nimmt den Händlern alles ab, von der Fotografie der Ware über die Redaktion bis hin zu Marketing, Payment, und Logistikverträgen. Die Händler können sich ganz auf die Sortimente konzentrieren. Interessant ist, daß auch bei den Marken ein Umdenken einsetzt, und diese die Händler nun beim Online Handel über eine klar positionierte Plattform wie Luxodo unterstützen. Der Gesamtmarkt für Luxusgüter in Deutschland beträgt 10 Mrd. Euro jährlich. Davon sind bisher lediglich 300 Mio. Online-Umsätze, also 3%. Der Online-Luxus-Markt wächst jährlich mit 20% bis 25%. Die Chancen für uns sind beträchtlich, und wir sind mit unseren Partnern sehr gut positioniert.
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Versand und der Abwicklung gemacht, wie hoch ist die Remissions- bzw. Beschwerdequote?
Die hochwertigen Luxodo-Versandboxen erhalten die angeschlossenen Händler von uns – da haben wir viel positive Resonanz bekommen. Die Händler müssen lediglich die Ware einpacken, den UPS und DHL Versand organisieren wir. Damit ist die Ware meistens in zwei bis drei Tagen beim Kunden. Bei den Retouren liegen wir deutlich unter dem Durchschnitt dessen, was im Onlinehandel üblich ist. Und bei unseren hohen Warenkörben wissen die Kunden in der Regel vorher genau, was sie kaufen, bis hin zur Passform einzelner Marken. Falls es Rückfragen gibt, beraten wir die Kunden auch telefonisch vor dem Kauf, damit wir so passend wir möglich liefern können.
Auf Ihrer Website finden sich auch redaktionsnahe Inhalte, zugleich finden sich in Magazinen Produkte von Luxodo sowie Hinweise auf das Portal. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Zeitschriftenredaktionen und wie gestaltet sie sich?
Das Magazin auf unserem Portal war mir von Beginn an sehr wichtig. Dort schreiben auch Redakteure befreundeter Zeitschriften, daher haben wir hier einen regen Austausch. Luxus hat etwas mit Kommunikation, Qualitäten und Emotionen zu tun, das geht weit über den Konsum hinaus und das können wir in unserem Magazin wunderbar umsetzen. Verlage verstehen unser Modell übrigens sofort, und kooperieren gerne mit uns, weil wir ja ohne das Warenrisiko sehr viel Ware zeigen können. Die Verlage können von uns sowohl über eine Umsatzbeteiligung als auch über die sehr aktuelle Bereitstellung redaktioneller Inhalte profitieren.
Gestartet sind Sie mit Angeboten für Frauenoberbekleidung. Welche Produktwelten wollen Sie noch erschließen, was passt zur Marke Luxodo?
Zu Luxodo passt alles, was Qualität und Kultur hat. Kunden mit Anspruch schätzen gute Produkte in allen persönlichen Konsumbereichen: Fashion, Accessoires, Beauty, und Living. Verwandte Themenwelten, in denen wir uns z.B. im Magazin bewegen sind Kunst, Design und Reisen. Da sind wir unseren Kunden ganz nahe. Wir verkörpern den klassischen europäischen Lifestyle: Vielfalt, Stilmix und Tradition.
Nach dem ersten Jahr bieten 50 Shops Waren auf Ihrem Portal an; wie wollen Sie weiter wachsen, was sind Ihre Ziele für die nächsten zwei Jahre?
Wir werden unser Wachstum zunächst mit weiteren Händlern im deutschsprachigen Raum ausbauen. Dabei gehen wir bei den Sortimenten, wie gesagt, auch über Kleidung hinaus. Parallel werden wir noch in diesem Jahr beginnen, Ware auch ins europäische Ausland zu versenden. Dazu wird unsere Seite im Herbst auch auf Englisch verfügbar sein. Wir haben bereits jetzt viele Kundenanfragen aus dem Ausland, tatsächlich weltweit. Die Marke funktioniert überall. Unser Ziel ist es, Luxodo in den kommenden Jahren zu einer internationalen Marke im Luxusmarkt zu machen.
Welche Investitionen sind in dieser Zeit geplant und wie finanziert sich das Ganze?
Inhaltlich werden wir vor allem weiter in Service und Technologie investieren. Wir haben eine sehr leistungsfähige Prozess- und Technologie-Plattform entwickelt, welche wir ständig ausbauen um skalieren zu können. Zum Beispiel können wir jetzt unseren größeren Händlern kurzfristig so genannte Premium Shops bereitstellen, unter deren Marke und deren Internetadresse. So holen wir deren Stammkunden noch besser ab. Luxodo ist ein Unternehmen in Privatbesitz, und die Gründer halten nach einem Jahr weiterhin einen Großteil der Anteile. Wir finanzieren unser Wachstum mittels Eigenkapital aus dem Gesellschafterkreis. Zu den Gesellschaftern gehören u.a. Jochen Gutbrod, welcher als CFO bei Holtzbrinck war, und Heiko Hubertz, der Gründer von Bigpoint. Ich freue mich auch, daß wir Anfang des Jahres Nikolaus Thomale als COO gewinnen konnten, welcher sich ebenfalls beteiligt hat.
Wann glauben Sie, wird Luxodo operativ profitabel sein?
Abhängig von den Wachstumszielen kann sich bei Startups die Profitabilität z.B. durch Marketinginvestitionen zum Teil deutlich verschieben. Angesichts unseres provisionsbasierten und skalierenden Geschäftsmodells erwirtschaften wir im Gegensatz zu den meisten anderen Startups allerdings bereits vom ersten Tag an ordentliche Umsätze. Um damit profitabel zu werden, steuern wir unser Geschäft daher bereits jetzt auch nach Deckungsbeitrag.

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