Abrechnung mit „Taschenrechner-Boys“

Publishing "Ein letztes Mal" richteten sie sich an Springer-Boss Mathias Döpfner, schreiben die freigestellten Redakteure der Computer Bild-Gruppe in einem Offenen Brief. Rund 50 Redakteure, die einem Betriebsübergang nicht zugestimmt haben, stehen vor einer möglichen Kündigung. Die Kritik ist harsch: "Es geht nicht darum, einen Absturz zu verhindern. Es geht Ihnen und Ihren Taschenrechner-Boys und -Girls darum, den Gewinn zu maximieren." Bei Springer heißt es, die Ausgliederung sei wirtschaftlich notwendig.

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Seit die Axel Springer AG die Ausgliederung der AG-Mitarbeiter in die Computer Bild Digital GmbH angekündigt hat, ist in der Hamburger Redaktion der drei Titel Computer Bild, Computer Bild Spiele und Audio Video Foto Bild die Empörung so groß wie die Gegenwehr. Der Verlag mag die genaue Zahl nicht bestätigen, aber 58 Mitarbeiter haben dem Teilbetriebsübergang nicht zugestimmt. Sie erhielten darauf eine Freistellung, die zunächst bis Monatsende gilt. Vorsorglich wird die AG bei der Arbeitsagentur eine "Massenentlassung" beantragen, was bei einer möglichen Kündigung von mehr als 30 Mitarbeitern notwendig ist.

Eingeleitet wurde die Ausgliederung in eine tarifunabhängige GmbH von Springer-Vorstand Andreas Wiele. Ob dieser mit einer solchen Gegenwehr der Redakteure, die teilweise seit Jahrzehnten für die Springer AG arbeiten, gerechnet hat, darf bezweifelt werden. Auf einen ersten Offenen Brief hatte Mathias Döpfner geantwortet – man müsse den "Moment der relativen Stärke nutzen" – wirtschaftlich sei dieser Schritt notwendig. 

Doch noch schreiben die drei Titel, die fraglos unter Druck stehen, weil Informationen über Computer im Internet kostenlos verfügbar sind, offenbar schwarze Zahlen. Ein Vorstandsvertreter habe bei einer Betriebsversammlung rote Zahlen für 2015 in Aussicht gestellt, heißt es in dem Offenen Brief. Die Folgerung: es könne mithin nur um den "kurzfristigen Profit" gehen. Die Lücken, die nun in der Redaktion entstünden – rund drei Viertel der AG-Mitarbeiter wollen sich nicht auf den Wechsel einlassen – würden "nun gefüllt von freien Redakteuren, von Praktikanten und Aushilfen".

Theoretisch können sich die Mitarbeiter nun auf offene Stellen in der AG bewerben oder ihre Auflösung verhandeln – einen Sozialplan gibt es bereits. Ansonsten droht die betriebsbedingte Kündigung. Der Brief der Mitarbeiter, die "aufrecht und stolz" gehen wollen, endet mit der Frage: "Schämen Sie sich nicht, Herr Dr. Döpfner?"

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