Titanic: ein Lead Award fürs Hitler-Cover?

Publishing Für die Lead Awards, die am 20. Juni in Hamburg verliehen werden, sind so viele Zeitschriften nominiert wie nie zuvor: Insgesamt 21 Magazine sind im Rennen um die begehrte Auszeichnung. Allerdings sind von den Publikums-Titeln lediglich das Zeit Magazin, das SZ-Magazin, der stern und der Spiegel in der Vorauswahl dabei. Auch die Titanic ist unter den Nominierten für das Cover des Jahres - mit dem Hitler-Titel ("Wer kennt diesen Mann?") zu den Ermittlungspannen um die Nazi-Terroristen der NSU.

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Zwei der drei Nominierungen für das Cover des Jahres: Satire
mit Hitler und der feine Spiegel-Abschied vom großen Loriot

Konkurrenten der Titanic in der Kategorie Cover des Jahres sind Der Spiegel mit seinem Loriot-Titel ("Eine Verneigung") und Vice mit einem Klapp-Cover zum Afghanistan-Krieg, die ebenfalls auf Gold hoffen dürfen.
Von Magazinen wie Kraut, The Weekender, Bella Triste, Die Nacht oder Muh werden die meisten Durchschnittsleser noch nie gehört haben, obwohl allesamt zu den aktuell Nominierten zählen. Aber Massentrends zu bedienen war nie Art und Konzept der Lead Awards, die ausschließlich Qualität in den Kategorien Layout, Foto, Text und Blattmache zum Vergabe-Kriterium machen. Kreativität und Avantgarde sind Gradmesser für das Votum der hochkarätig besetzten Jurx, die in den vergangenen Jahren bereits mit Preisen auf inzwischen etablierte Titel wie Dummy, Monopol, 11 Freunde, Zoo, 032c, oder GQ Style aufmerksam machte.
"Der kreative Output war noch nie so gleichmäßig verteilt wie in diesem Jahr", sagt der Jury- und Lead Academy-Vorsitzende Markus Peichl. "Damit hat sich eine Entwicklung verfestigt, die wir bereits in den letzten Jahren festgestellt haben. Ob das daran liegt, dass kleine Publikationen weiter aufgeholt oder große weiter nachgelassen haben, wollen wir dahingestellt lassen."
Überraschend ist die Shortlist in der Königsdisziplin, dem Lead Magazin des Jahres. Dort stehen ein Corporate Magazin, eine Zeitungsbeilage sowie eine Gratiszeitschrift zur Wahl. Die Opernzeitschrift Max Joseph wird von der Bayerischen Staatsoper herausgegeben und von Hoffmann Campe verlegt, für die Chefredaktion zeichnet Anne Urbauer verantwortlich, für die Artdirektion Mirko Borsche. Die Jury begründet die überraschende Nominierung damit, dass hier "ein eher elitäres und als verstaubt angesehenes Thema unglaublich frisch, zeitgemäß und für jedermann zugänglich umgesetzt wird".
Für das SZ-Magazin, das der Süddeutschen Zeitung freitags beiliegt und nicht am Kiosk einzeln verkauft wird, ist es die erste Lead Magazin-Nominierung seit fünf Jahren. Grund dafür ist laut Jury "der erhebliche qualitative und blattmacherische Aufwärtstrend nach dem Chefredakteurswechsel Mitte letzten Jahres". Timm Klotzek habe es verstanden, das Blatt unter Beibehaltung seiner Identität neue Relevanz zu geben.
Für das Gratismagazin Vice spricht nach Meinung der Jury das "absolute Alleinstellungsmerkmal im Segment junger Magazine". Die monatlich erscheinende Zeitschrift behandle aktuelle politische Themen ebenso wie Mode und Lebenswirklichkeit, spreche dabei aber eine völlig eigenständige Sprache, die den Nerv einer jungen Leserschaft treffe. "Hier wird bewiesen, dass Print auch für Konsumenten unter 30 funktionieren kann."
Hier weitere Nominierungen laut Pressemitteilung:
– In der Kategorie Beitrag des Jahres geht der stern mit seiner Serie zum zehnten Jahrestag des Anschlags auf das World Trade Center in New York ins Rennen. Konkurrenten sind das Zeit Magazin mit einer Strecke über "die Sehnsucht, einfach mal zu verschwinden" und das SZ-Magazin mit einem Beitrag zur Tsunami- und Atomkatastrophe in Fukoshima: Er zeigt den Tag vor dem Unglück und endet genau in dem Augenblick, in dem die tödliche Welle Japan erreichte.
– Als Foto des Jahres ist das Bild nominiert, auf dem US-Präsident Obama und sein engster Beraterkreis zu sehen sind, während sie die Erschießung von Osama bin Laden auf einem Bildschirm live miterleben. Aufgenommen wurde es von Pete Souza, dem Fotografen des Weißen Hauses, der bereits vor zwei Jahren mit einem Lead Award ausgezeichnet wurde. Die zweite Nominierung geht an ein Foto aus dem stern, auf dem sich ein Liebespaar in mitten einer heftigen Straßenschlacht innig umarmt. Der dritte Anwärter für das Foto des Jahres ist Yuri Kozyrev mit einer Aufnahme aus dem Bürgerkrieg in Libyen. Das Bild wurde bereits beim diesjährigen World Press Photo Award ausgezeichnet. In Deutschland erschien es nicht in einem großen, überregionalen Magazin, sondern in dem relativ unbekannten Nischentitel Kraut. Immerhin ist es dadurch hierzulande überhaupt publiziert worden. Die Lead Awards-Jury musste feststellen, dass die drei wichtigsten siegreichen Einzelfotos beim World Press Photo Award im vergangenen Jahr von keiner einzigen deutschen Zeitschrift abgedruckt wurden.
– In der Hauptkategorie Werbung wird in diesem Jahr zum zweiten Mal die Auszeichnung Creative Leader des Jahres vergeben. Oliver Frank (Vccp Berlin), Ove Gley (Heimat), Ralf Heul (Grabarz und Partner) und Ralf Schmerberg (Trigger Happy) haben hier die Chance, Nachfolger von Guido Heffels zu werden, der diesen Preis im letzten Jahr erhielt.
– Als VisualLeader des Jahres, also als herausragende Persönlichkeit auf dem Gebiet des Grafikdesigns und der visuellen Gestaltung, sind Bela Borsodi (frei schaffender Illustrator und Still-Life-Fotograf), Tom Ising (Herburg Weiland) und Chris Rehberger (Double Standards) nominiert.
– Die Medaillen-Anwärter in den Kategorien Mood- und Modefotografie des Jahres: Hier gehen ins Rennen der Marc-Jacobs-Fotograf Juergen Teller mit einer Strecke aus 032c, der frühere Dior-Kreativchef Hedi Slimane mit einem Beitrag aus GQ Style, der fotografierende Popstar Bryan Adams mit einem Feature aus Zoo und der legendäre Schweizer Fotokünstler Walter Pfeiffer mit einem Portfolio aus Monopol.

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