Holtzbrinck beerdigt VZ Netzwerke

Offen spricht man es in Berlin nicht aus: Doch StudiVZ und MeinVZ scheinen Geschichte zu sein. Am Montag haben die VZ-Netzwerke ihre Umbenennung und Neuausrichtung bekannt gegeben. Aus der Dachmareke VZ Netzwerke wird nun Poolworks. Erstes strategisches Ziel ist ein Relaunch und die Umbenennung von SchülerVZ in Idpool.de. Dies soll im vierten Quartal beschehen. Ebenfalls für die letzte Monate des Jahres wollen die Berliner für MeinVZ und StudiVZ „neue Optionen prüfen“. Das klingt nach Verkaufen oder Einstellen.

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Mit dieser Umbenennung der VZ Netzwerke beenden die Berliner den harten Trennungsprozess der vergangenen Tage. Erst trennte sich das Management von 25 der rund 70 VZ-Mitarbeiter, und dann gab Holtzbrinck auch noch die Wechsel der gesamten Entwicklungs-Abteilung in die neue Konzern-Tochter Devbliss GmbH bekannt.

Offenbar hatte man Angst, dass man mit dem Ende der VZ-Netzwerke, so wie wir sie bislang kannten, auch ein Großteil der Programmierer und damit auch wertvolles Know-How die Web-Company verlassen könnte. Bei Devbliss kümmern sich die Code-Experten zwar auch noch um die Belange des Social Networks, ihr erstes Projekt erledigen sie im Auftrag der Holtzbrinck-Tochter Nature Publishing Group.

Für den Holtzbrinck-CIO Johann Kempe ist der Um- und Ausbau des Technik-Teams ein logischer Schritt: "Medienhäuser wandeln sich immer mehr zu Softwareunternehmen. Deshalb wollen wir die technische Expertise im Bereich agiler Softwareentwicklung zukünftig für die Entwicklung anspruchsvoller digitaler Produkte in der Gruppe, also vor allem im Bereich unserer strategischen Wachstumssäulen nutzen, um auch in dieser Hinsicht bestmögliche Qualität zu gewährleisten."

Diese strategischen Wachtumssäulen, von denen Kempe spricht, sehen die Holtzbrinck-Manager schon lange nicht mehr in den klassichen Maintraem-Segmenten, sondern eher im Wissenschafts-, Schul- und Ausbildungsbereich.
Genau in diese Richtung soll ich nun SchülerVZ entwickeln. In einem ersten Schritt soll Idpool „Funktionalitäten rund um den Austausch von Jugendlichen zu ihren Interessen und Fähigkeiten“ anbieten, wie es in einer Unternehmensmitteilung heißt. Allerdings soll das neue Portal „perspektivisch über mehrere Stufen zu einem edukativen Angebot ausgebaut werden“ und damit „das vertikale Portfolio von Holtzbrinck Digital ergänzen.“

„Idpool passt sehr gut zu unserem vertikalen Ansatz. Ich unterstütze grundsätzlich die Strategie zur VZ-Neuausrichtung und blicke erwartungsvoll in die Zukunft.“, sagt Markus Schunk, Geschäftsführer Holtzbrinck Digital.

Stefanie Waehlert, CEO der VZ Netzwerke, will das „aktuelle Jahr“ nutzen, „um einen Befreiungsschlag“ umzusetzen. „Wir wollen unsere führende Position im Markt für soziale Jugendnetzwerke ausbauen“, sagt sie „Dazu werden wir im Lauf des vierten Quartals die neue Plattform launchen.“

Von StudiVZ und MeinVZ ist in den gesamten Planungen keine Rede mehr. Einziger Hinweis auf die Zukunft der Wiege der gesamten Company ist der dürre Satz, dass man im Zuge der neuen Fokussierung für die beiden Plattformen MeinVZ und StudiVZ für das vierte Quartal 2012 neue Optionen prüfen werde. Das klingt nicht nach einer blühenden Pespektive.

Viel scheint das Managment einen völlig unbelasteten Neustart mit einer neuen – völlig unbelasteten – Marke Idpool.de durchführen zu wollen.
Die Konzentration auf das Schüler-Netzwerk ist dabei durchaus sinnvoll. Die Zielgruppe der Schüler wanderte bislang noch nicht so massiv zu Facebook ab, wie die Mitglieder der anderen zwei VZ-Säulen. Laut Google-Analyse-Tool Adpaner erreichte SchülerVZ im April noch 1,3 Millionen Unique Visitors, StudiVZ nur noch auf 560.000 und MeinVZ kam immerhin auch noch auf 1,3 Millionen.
 
Mit der strategischen Neuausrichtung verabschiedet sich die Holtzbrinck-Tochter möglicherweise komplett von seinen Wurzeln. Der einst sagenhafte Aufstieg der VZ-Portale begann mit StudiVZ, der Rest war eine Zugabe. Möglicherweise ist das Studenten-Portal in wenigen Monaten bereits Geschichte. Sollte der Nutzerschwund so weitergehen, wären gegen Ende des Jahres wohl eh kaum noch Nutzer da.

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