Neuer TV-Trend, verzweifelt gesucht

Publishing In der letzten Folge der “Rundshow” des Bayerischen Rundfunks wurde über die Zukunft des Fernsehens diskutiert. Dabei hat das Fernsehen im Hier und Heute doch schon genug Probleme. Zum Beispiel mit der Frage, was nach dem Casting-Trend kommet. Christoph Keese legte sich mal wieder mächtig für den Leistungsschutz ins Zeug - aber wie halten es die Springer-Medien eigentlich mit dem Schutz der Leistung anderer? Noch was? Ach ja:  Groupon verscheuert jetzt auch Adelstitel.

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In der letzten Sendung des TV-Experiments “Rundshow” des Bayerischen Rundfunks wurde über das “Fernsehen der Zukunft” diskutiert (auch ich war als Kritiker geladen und über das berüchtigt wackelige Google Hangout für zwei Statements zugeschaltet). Ob das “Fernsehen der Zukunft” nun wirklich jenes mobile Social-Gedöns wird, wie von Einigen prognostiziert, sei dahingestellt. Das Fernsehen des Hier und Heute sieht sich jedenfalls vor einer handfesten Herausforderung: ein neuer TV-Trend muss her, und zwar subito. RTL hatte bei den Monats-Marktanteilen den schwächsten Mai seit 20 Jahren und wurde im Gesamtpublikum vom ZDF überholt. Das Finale von “Germany’s next Topmodel” bei ProSieben holte in dieser Woche die schlechtesten Quoten seit Beginn der Sendung. Und die “DSDS”-Quoten der vergangenen Staffel bei RTL zeigten auch deutliche Ermüdungserscheinungen. Mit der Casting-Welle hat es sich bald ausgeschwappt. Die Sender haben bisher noch keinen neuen Trend identifizieren können, der Casting ersetzen könnte. Das ist für die Privatsender ein echtes Problem der Gegenwart.

Eigentlich ist es ermüdend, über das Thema Leistungsschutz Worte zu verlieren. Diese Woche juckt es aber trotzdem in den Fingern. Christoph Keese, der von vielen so genannte Außenminister der Axel Springer AG und einer der glühendsten Verfechter des Leistungsschutzes, hat am Montag in seinem Privatblog Presseschauder aufgeschrieben, warum Verlage seiner Meinung nach Leistungsschutz verdienen. Er beschreibt in dem Text die Arbeit von Redaktionen als eine Art romantisches Abenteuermärchen: “Hat man ein Thema erst einmal gefunden, geht es daran, den besten Autoren zu finden, innerhalb oder außerhalb der Redaktion. Man muss stundenlang mit Autoren telefonieren, um ihnen zu erklären, was die Redaktion von ihnen will. Man bekommt glänzende Texte zurück, aber auch schlechte Texte, die zu retten man versuchen muss. Immer unter Zeitdruck, oft in Spät- und Nachtschichten. Man muss Hunderte von Gesprächen führen, um zu verstehen, was gerade läuft und was wichtig ist.” Irre, was diese Redaktionen so leisten. Aber im Medienalltag gibt es hier und da auch Texte, an denen womöglich nicht stunden- oder wochenlang gefeilt wurde und bei denen kein Heer höchst qualifizierter Redakteure endlos gebrütet hat, wie sie den Mächtigen der Welt verräterische Aussagen entlocken usw.

So trug es sich zu im Medienlande, dass die Süddeutsche Zeitung am gleichen Tag, als Christoph Keeses flammendes Leistungsschutz-Plädoyer erschien, einen weithin beachteten Gastbeitrag des früheren Außenministers Joschka Fischer veröffentlichte. Wahrscheinlich haben auch da Redakteure in Hundertschaften stundenlang mit Herrn Fischer verhandelt und später noch ganz lange an Überschriften und Formulierungen im besten Keese’schen Sinne gefeilt. Doch was macht die Zeitung Die Welt, die zum Pro-Leistungsschutz-Konzern Axel Springer gehört? Klaut die doch einfach diese mit Redakteursschweiß erbrachte Leistung! Der Fischer-Beitrag wurde in der Welt – mit korrekter Angabe der Quelle SZ versteht sich – in seinen wesentlichen Punkten nacherzählt und zitiert. Nicht, dass dagegen etwas zu sagen wäre. Der Beitrag von Fischer ist von öffentlichem Interesse und es ist Usus, dass andere Medien ein solches Thema aufgreifen und mit Nennung der Quelle darüber schreiben. Aber: Zahlt die Welt jetzt eigentlich freiwillig eine Leistungsschutzabgabe an die Süddeutsche? Und wenn nicht, warum? Noch vor der Sommerpause will die Regierung eine Gesetzesvorlage zu dem Thema fertig haben. Man darf das Schlimmste befürchten.

Ach, Groupon … Neulich hatten wir uns schon darüber lustig gemacht, dass die Online-Ramschbude jetzt auch fadenscheinige Doktortitel aus den USA verhökert. Dass man jetzt zwischen 440-Gramm-Rumpsteaks, XXL-Windelpaketen und Sportwetten auch Sonderangebote für Adelstitel findet (gefunden via wuv.de), passt da auch prima ins Bild. Lord oder Lady gibt es für schlappe 34,90 Euro, ein Ritter kostet knapp 45 Euro und Senator im Minerva Orden (McGonagall?) schlägt mit knapp 50 Euro zu Buche. Immer noch viel Geld für ein Stück bedrucktes Papier.

Schönes Wochenende!

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