Festerling soll FR regionaler ausrichten

Publishing Arnd Festerling soll neuer Chefredakteur der Frankfurter Rundschau werden. Formal abgesegnet ist die Berufung des bisherigen Redaktionsleiters Frankfurt/Rhein-Main noch nicht, aber die Gesellschafter M. DuMont Schauberg und ddvg sollen sich im Prinzip einig sein. Damit ist die Aufstellung der Post-Vorkötter-Ära bei FR und Berliner Zeitung komplett. Grund für den Wechsel dürfte weniger ein Döpfner-Interview in der FR gewesen sein, sondern eine Besinnung auf die regionalen Stärken der Zeitungen.

Werbeanzeige

Reicht ein großes Interview mit Mathias Döpfner, das Uwe Vorkötter, Chef von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau im vergangenen Jahr geführt hatte, dazu aus, Verleger Alfred Neven DuMont aus der Fassung zu bringen und Vorkötter ein paar Monate später aus dem Job zu kippen? Irrational geht es ja manchmal zu in familiengeführten Verlagen (und nicht nur in denen). Aber gleich so irrational, das ein angesehener und fähiger Chef abgesetzt und eine aufwändige Neubesetzungs-Arie in Gang gesetzt wird? Möglich ist alles im Medien-Business – und Neven DuMont hat sich offensichtlich tatsächlich sehr geärgert, dass Döpfner so viel Platz in seiner Zeitung eingeräumt worden war. Wo doch die Bild-Zeitung sich ausführlich an seinem Konflikt mit Sohn Konstantin geweidet hatte.

Entscheidender für die Demission Vorkötters dürfte die wirtschaftliche Lage der beiden Zeitungen sein, die Vorkötter führte – und die damit steigende Nervosität in Köln. Wo das Geld verdient wird, das in Frankfurt und Berlin ausgegeben wird, wie die taz gerade zutreffend bemerkte. Der Journalist Vorkötter hatte bei der Übernahme des Berliner Verlags durch DuMont Anfang 2009 die enge Zusammenführung der Redaktionen von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau geplant. Im vergangenen Jahr nahm eine gemeinsame Redaktion in Berlin die Arbeit auf, die die überregionalen Seiten beider Titel produziert. Diese Aufstellung soll auch nicht rückgängig gemacht werden. Aber: Beide Zeitungen sollen deutlich regionaler als bisher positioniert werden. Und für diese Aufgabe war Vorkötter als gemeinsamer Chef von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau offenbar nicht mehr der richtige Mann.

Dafür spricht, dass DuMont nun Brigitte Fehrle zur alleinigen Chefin der Berliner Zeitung macht und Arnd Festerling voraussichtlich zum FR-Chef. Die Stuttgarterin Fehrle sei "eine echte Berlinerin" geworden, sagte DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld am Freitag bei der Redaktionsversammlung in Berlin. Und Festerling ist Chef von Stadt- und Regionalredaktion Frankfurt bei der FR – also kein zur Bundespolitik leitartikelnder Journalist, sondern einer, der sich dort auskennt, wo die Mehrzahl seiner Leser wohnt – in Frankfurt und Umgebung.

Die überregionale Auflage der FR liegt noch zwischen 30 und 40 Prozent. Mit der stärkeren regionalen Ausrichtung der Zeitung wird dieser Anteil vermutlich sinken. Eine Zukunft als überregionales Blatt hat die FR nicht, aber die Gesellschafter werden die Zeitung auch nicht zur reinen Regionalzeitung erklären. Die FR wird von selber langsam dazu werden. Ob unter den Gesellschaftern DuMont und ddvg, oder unter neuen Gesellschaftern, wird sich zeigen. FR-Geschäftsführer Karlheinz Kroke möchte von DuMont eine Patronatserklärung, die die Übernahme der Verbindlichkeiten des Verlags gegenüber Gläubigern bis 2015 garantiert.

Auch die Berliner Zeitung soll sich noch stärker als bisher auf den regionalen und lokalen Markt konzentrieren – journalistisch wie vermarkterisch. Mit dem Tagesspiegel und der Berliner Morgenpost gibt es starke Mitbewerber. Alle Zeitungen versuchen seit zwei Jahrzehnten größere Marktanteile zu erreichen. Einen Durchbruch erzielte keines der Hauptstadtblätter wirklich. Bei DuMont in Köln scheint man zu glauben, dass es doch noch Chancen gibt, aus dem teuren Berliner Investment einen Profit zu machen.   

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige