Danke, Anke: “Ladykracher für Alijew”

Fernsehen Der „Eurovision Song Contest“ war das TV-Ereignis des langen Pfingstwochenendes. Nach Meinung fast aller Kommentatoren brachte das Event gleich zwei Gewinnerinnen hervor: die Schwedin Loreen und Anke Engelke, die als einzige in der Live-Sendung die Regierung in Baku kritisierte. Jens Maier von Stern.de kennt den Verlierer: die EBU. Denn sie erlebte in Baku seiner Meinung nach ihr „Waterloo“. Einhellig auch die Meinung zu Roman Lob: Er hat einen guten Job gemacht und ein respektables Ergebnis geholt.

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Jens Maier, Stern.de:
"In Baku erlebte die EBU ihr Waterloo. Kein einziges Mal hat sie gegen das autoritäre Regime Stellung bezogen und wurde stattdessen zum willfährigen Helfer eines Präsidenten, der Aserbaidschan als sein Eigentum betrachtet. Kritische Nachfragen von Journalisten waren meist unerwünscht und wurden nur sporadisch oder gar nicht beantwortet. Es wäre gar nicht auszudenken was passieren würde, wenn dieses unfähige Management in die Lage käme, den ESC eines Tages im totalitären Weißrussland austragen zu müssen.“
Stefan Kuzmany, Spiegel Online:
"Als die Entertainerin Anke Engelke die aus Deutschland vergebenen Punkte vortragen sollte, bedankte sie sich zunächst für die schöne Show, bedankte sich bei allen Helfern – und sprach dann folgende Sätze auf Englisch: ‘Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf Deiner Reise, Aserbaidschan! Europa beobachtet Dich! Und hier sind die Ergebnisse der deutschen Jury…’ Den Moderatoren in Aserbaidschan blieb gar nichts anderes übrig, als diese kleine politische Demonstration einfach wegzulächeln. Die Twitter-Gemeinde hat hingegen gut zugehört: In dem Echtzeit-Medium wird Engelke für ihre Äußerung gefeiert."

„Ladykracher für Alijew“,  so fasst Peter-Philipp Schmitt (FAZ.net) Engelkes stolzen Auftritt in der knackigen Headline zusammen. Ansonsten notiert er zum Abschneiden des deutschen Beitrages: „Roman Lob konnte sich mit seinem achten Platz ebenfalls anfreunden. Er holte in Baku sogar 110 und damit drei Punkte mehr als Lena vor einem Jahr bei ihrem zweiten Auftritt in Düsseldorf, als sie zehnte wurde. ‘Es war so eine geile Zeit hier’, sagte Lob am Sonntag."
Auch Jan Feddersen lobt für Eurovision.de Anke Engelke. Sie hat seiner Meinung nach, „die deutsche Eurovisionskrone, wenn man so will, verteidigt.“
Stefan Niggemeier, Spiegel Online:
„Dieser Eurovision Song Contest war im wahren Sinne des Wortes ein Staatsakt: Die herrschende Clique hatte erst alles dafür getan, diesen Wettbewerb zu gewinnen, und dann, ihn zu einer eindrucksvollen Demonstration der Macht, Modernität und Möglichkeiten des Landes zu nutzen. Doch das Ereignis wurde auch von der Bevölkerung begeistert aufgenommen. Stolz und staunend empfingen die Menschen die fremden Besucher aus den zentraleren Regionen des Kontinents, in dessen Nähe das Land seine Zukunft sucht.“
WM, Prinz-Blog:
"Loreen hat wegen genau der Dinge gewonnen, mit der sie die Fan Community im Februar in ihren Bann geschlagen hat: ein Song mit Ohrwurmqualitäten und treibendem Beat, der durch geschickte Tempo- und Dynamikwechsel immer wieder überrascht, einer für Grand-Prix-Maßstäße außergewöhnlichen und auch neuen Präsentation und einer befremdenden, aber sehr interessanten Optik. Alles in allem hat „Euphoria“ den sogenannten ‘Instant Appeal’."
„Loreen aus Schweden spricht die Sprache der globalisierten Feierkultur“, schreibt Rabea Weihser für Zeit Online. „Alle tanzen zum selben Beat. Das ist einerseits ein schönes Bild, andererseits doch nur Ergebnis marktstrategischer Konformität, wie sie die Unterhaltungsindustrie anstrebt. Denn was dieser Eurovision Song Contest in Aserbaidschan auch gezeigt hat: Show sieht jetzt überall gleich aus. Großarenenbombast, Pyrotechnik, spiegelglatte Bühnenbilder, schicke Kleider, unfallfreie Übertragungstechnik auch im östlichsten Zipfel Europas.“

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