Anonyme “Wutgegenrede” gegen Gaede

Publishing Geo-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede hat vor einigen Tagen mit einer Erklärung gegen das “Freibeutertum” im Internet für hitzige Diskussionen gesorgt. In seiner Erklärung rief Gaede die Chefredakteure Deutschlands dazu auf, das geistige Eigentum zu verteidigen. Nun hat ihm ein anonymer Journalist mit einer “Wutgegenrede” geantwortet. Das von Verlagen geforderte Leistungsschutzrecht, heißt es in dem Text, sei in Wahrheit “ideologisch verklärter Eigennutz.” Gaede hat bereits geantwortet.

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Die “Wutgegenrede” des Anonymous wurde beim Internet-Dienst Tumblr unter der Überschrift "Nochn‘>" veröffentlicht. Dort heißt es: “Ich erachte die Wahrung des Urheberrechts als entscheidende Grundlage einer Medienkultur, die auf fachlicher Kompetenz, schöpferischer Leistung, kreativer Vielfalt und professionellem Handwerk aufgebaut ist.” Gleichzeitig kritisiert der Autor, dass seine Arbeit entwertet werde, indem Verlage “den uneingeschränkten Zugriff darauf zu einer Selbstverständlichkeit machen.” Weiter heißt es: “Ich verwahre mich insbesondere dagegen, die mehrfache Verwertung und Weiterlizensierung meiner Arbeit zu einem Recht der Verlage zu erklären und damit das Ziel der fairen Vergütung der Urheber ad absurdum zu führen.”

Dabei geht es darum, dass viele Verlage von Autoren mittlerweile umfassende Rechte-Abtretungen verlangen, die den Verlagen Mehrfachverwertungen von Texten über verschiedene Medienkanäle hinweg ohne Mehrvergütung ermöglichen. Der Vorwurf des anonymen Journalisten lautet: “Die Urheberrechtsdebatte in die Zone zwischen Urhebern/Verlegern einerseits und Freibeutern/Lesern andererseits zu delegieren, während gleichzeitig das Recht auf umfassende Nutzung der schlecht bezahlten Leistungen von freien Journalisten proklamiert wird, weise ich als den Versuch zurück, sich aus der Verantwortung für ein Gemeinwesen zu stehlen, dem die Verlage und Redaktionen nicht weniger verpflichtet sind als die, sagen wir mal, Basis der Piratenpartei.”

Die “Wutgegenrede” des Anonymous enthält wenig Wut und durchaus diskussionswürdige Argumente. Die Diskussion wird freilich durch die Anonymität des Absenders erschwert. Dafür hat der Autor allerdings einen handfesten Grund. Der Text endet mit dem Satz: “Aus ökonomischen Gründen unterzeichnet mit: Anonymous.”

Nachtrag: Nur wenige Stunden später hat Gaede bereits geantwortet und dem Anonymous ausgerichtet, man schreibe aneinander vorbei. Natürlich hätten Chefredakteure dafür zu sorgen, dass Journalisten faire Arbeitsbedingungen erhielten. Aber: "Diese Bedingungen werden nun mal partout nicht fairer, wenn auf Konsumentenseite die Erwartung geweckt wird bzw. in Teilen der Gesellschaft schon grassiert, ein Urheberrecht solle es überhaupt nicht mehr geben", á la "Fuck the Urheberrecht blah, blah, blah" oder "Wir scheißen auf Euer Urheberrecht."
 
Gaede: "Darum geht es in jenem Aufruf, gegen den Sie sich wenden: Es geht um den einfachen, aber offenbar doch schwer zu vermittelnden Zusammenhang, dass Freibeuterei die so genannte Rechte- und Verwertungsindustrie dazu zwingen wird, die Bedingungen für Inhalteproduzenten zu verschlechtern. Dass also jeder Ladendieb sich zwar freuen möge, wenn ihm denn danach ist, dass er den Besitzer damit schädigt – dass der geschädigte Besitzer bei häufigem Ladendiebstahl aber notwendigerweise die Belegschaft wird ausdünnen müssen." Gaedes Schlussfolgerung: "Wer raubkopiert, wird am Ende nicht einige wenige Große arm gemacht haben, sondern zuvor den unbekannten freien oder auch festangestellten Journalisten." 

Es müsse doch auffallen, so Gaede weiter, "dass den Aufruf ‚Wir sind die Urheber‘ in der Zeit nicht Buchverleger unterschrieben haben, sondern Buchautoren; wohl schon 6000 mittlerweile. Und warum sie das getan haben, ist eindrucksvoll zum Beispiel im Spiegel-Interview mit dem Initiator Matthias Landwehr zu lesen. Und was Schreiben bedeutet (und was es an Unterstützung durch Verlage braucht), ist nicht weniger eindrucksvoll ebenda von Ferdinand von Schirach zu lesen."

Gaede schließt: "Noch einmal also: Ja, es ist Sache von Chefredakteuren, für gute Arbeitsbedingungen für ihre Kollegen einzutreten. Aber dazu gehört es mittlerweile ganz entscheidend und meines Erachtens zur Zeit sogar vorrangig, dass wir uns gemeinsam dagegen wehren, von etwaigen Nulltarifbegehren auf Konsumentenseite in die Zange genommen zu werden."
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