Weltkunst: Eine Lektüre abseits der Hypes

Erst gab es Art, dann kam Monopol. Vor diesen beiden Kunstmagazinen gab es aber schon die Weltkunst. Die vor 82 Jahren gegründete Zeitschrift gehört seit einiger Zeit zum Zeitverlag. Und der will mit dem hochpreisigen Magazin für Kunstsammler (11,80 Euro!) nun den populär positionierten Wettbewerbern etwas Konkurrenz machen. Inhaltlich ist das gelungen – mit lesenswerten Texten und einem angenehm unaufgeregten Layout. Wie schön - es gibt eine Lektüre abseits der Hypes.

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Erst gab es Art, dann kam Monopol. Vor diesen beiden Kunstmagazinen gab es aber schon die Weltkunst. Die vor 82 Jahren gegründete Zeitschrift gehört seit einiger Zeit zum Zeitverlag. Und der will mit dem hochpreisigen Magazin für Kunstsammler (11,80 Euro!) nun den populär positionierten Wettbewerbern etwas Konkurrenz machen. Inhaltlich ist das gelungen – mit lesenswerten Texten und einem angenehm unaufgeregten Layout. Wie schön – es gibt eine Lektüre abseits der Hypes.

Kunstmagazine sind wie Reise- oder Architekturzeitschriften – wir Einkommens-Normalos dürfen uns via Papier in Welten hineinversetzen, in denen wir sonst wegen fehlender Mittel gar keinen Eintritt bekämen. Blätter wie AD, Merian oder eben Monopol und Art haben mit Sicherheit nur einen geringen Teil an Lesern, die tatsächlich ohne zu zucken Geld für ein Penthouse in München, einen 14-Tage-Urlaub auf einer Privatinsel oder einen echten Richter (Gerhard oder Daniel, egal) auf den Tisch legen könnten. Der Großteil der Leser mag aber gerne drüber lesen, wie ich auch. Mit Neid hat das rein gar nichts zu tun, mehr mit Eskapismus ohne Hintergedanken.

Die Weltkunst war nun lange eher ein Blatt für Menschen, die sich tatsächlich im Kunstmarkt bewegen und über das entsprechende Kleingeld verfügen. Das ist zwar noch immer so – dafür spricht die vergleichsweise kleine Druckauflage von 15.000 Exemplaren – aber das Einfallstor wurde nicht erst seit dem jüngsten Relaunch unter Verantwortung der neuen Chefredakteurin Lisa Zeitz vergrößert. Schon unter Vorgänger Holger Christmann war diese Absicht zu spüren. Es könnte doch gelingen, auch ein paar Leser zu gewinnen, die Weltkunst nicht als Arbeitsmaterial, sondern als Coffeetable-Zierde betrachten.

Titelgeschichte der Mai-Ausgabe ist der Maler Günther Uecker, der mit seinen Nagelbildern bekannt wurde. Die Redaktion hat den Zeit-Reporter Wolfgang Büscher mit Uecker zusammengebracht – und das Ergebnis ist keine angenehme, aber eine bewegende Lektüre über einen 15-Jährigen, der im Sommer 1945 dazu gezwungen wurde, auf der Insel Wustrow gestrandete Leichen der Kap Arkona im Sand zu verscharren. Die neuen Bilder Ueckers sind gegen diese morbiden Erinnerungen fast lebensbejahend, und so düster wird´s auch im gesamten restlichen Magazin nicht mehr.

Zugegeben: Die Seiten, die meine Aufmerksamkeit neben der Titelgeschichte am ehesten geweckt haben, waren die Kolumnen am Anfang des dreiteiligen Heftes. Vor allem, weil die Macher mit einer offenkundigen Mischung aus Berechnung und Ironie ein paar Seiten gebastelt haben, die so auch in der neuen G+J-Frauenzeitschrift Season hätten erscheinen können. "Was passt zu Mark Rothko?" wird da beispielsweise gefragt. Antwort: Ein Parfum von Chanel, zwei Armreifen von H&M (30 Euro), ein gelbes Shirt von Marni ("limitierte Edition"). Darf man das – Bilder nach Farben auswählen, auch in seriösen Kunstkreisen? Man darf, offenbar. Erlaubt ist, was gefällt.

Elitär und populär – das sind zwei Begriffe, von denen gern gesagt wird, das sie vollkommen von gestern sind. Seit der Postmoderne, in der wir ja nun auch schon recht lange beisammenhocken, gibt es ja angeblich kein U und kein E mehr (über den Tod des Autoren soll es an dieser Stelle erst gar nicht gehen). Zum einen stimmt das natürlich, oben ist unten, rechts ist links, usw. usf. Aber dann auch wieder gibt es das menschliche Bedürfnis, einen "besonderen"Geschmack zu haben, was meistens nicht "ausgefallen" bedeutet, sondern so etwas wie "erlesen". Warum sonst erzielt die sogenannte "Luxusindustrie" trotz diverser aktueller Krisen astronomische Umsätze und noch astronomischere Umsatzrenditen?

Zurück zu Weltkunst. Das Blatt ist nicht von heute auf morgen "total cool" geworden. Wer als Anzeigenkunden etwa die Messe Art Salzburg hat, die mit kleinen Mozartfigürchen ganzseitig wirbt, der macht kein Blatt für Berlin-Mitte-Hipster. Weltkunst-Chefredakteurin Zeitz weiß, was sie ihren Lesern schuldig ist, und dazu gehören auch gute Umgangsformen ("Deshalb gestatten Sie mir, mich kurz vorzustellen"). Und es hat etwas ungemein Beruhigendes, auch mal ein Stück über Ford Madox Brown oder Franz Ludwig Catel (das waren noch Namen) zu lesen, in denen pittoreske italienische Landschaften gerühmt werden. Mit Malern wie Catel beschäftigt sich übrigens Florian Illies, heute Mitgesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach. Illies gründete vor einigen Jahren Monopol, heute taxiert er auf Nachfrage der Weltkunst-Kollegen Bilder. Es gibt ein Leben und eine Lektüre abseits des Hypes. Wie schön.   

Anmerkung: Ja, im Handel gibt´s bereits die Juni-Ausgabe der Weltkunst. Ich habe mir erlaubt, zur Veranschaulichung des entschleunigenden Effekts der Lektüre dennoch die Mai-Ausgabe zu besprechen.

Hier geht´s zu einem Interview, das mein Kollege Alexander Becker mit Weltkunst-Chefin Lisa Zeitz und Herausgeber Christoph Amend geführt hat.

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