Warum Facebooks Aktie maßlos überteuert ist

48 Stunden noch – dann wird Geschichte geschrieben. Mit Facebook debütiert nicht nur endlich der dominierende Internet-Player der Social Media-Ära – wir erleben gleichfalls den größten Börsengang der Internet-Geschichte. Lediglich drei Unternehmen sammelten zum IPO mehr Geld ein als Facebook. Keine Frage: Der 18. Mai wird zum ganz großen Jubeltag für das Social Network – der IPO ist zum Erfolg verdammt. Doch er könnte nur kurz währen. Die aktuelle Bilanz rechtfertigt die Bewertung nicht annähernd.

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48 Stunden noch – dann wird Geschichte geschrieben. Mit Facebook debütiert nicht nur endlich der dominierende Internet-Player der Social Media-Ära – wir erleben gleichfalls den größten Börsengang der Internet-Geschichte. Lediglich drei Unternehmen sammelten zum IPO mehr Geld ein als Facebook. Keine Frage: Der 18. Mai wird zum ganz großen Jubeltag für das Social Network – der IPO ist prädestiniert, ein Erfolg zu werden. Doch er könnte nur kurz währen, denn die aktuelle Bilanz rechtfertigt die Bewertung nicht  annähernd. 
Endlich – nach Jahren des Wartens ist der große Moment da: Facebook geht an die Börse. Während für Internet-Nutzer ein Börsenlisting eher als eine numerische Randnotiz erscheinen mag, ist ein IPO tatsächlich die zweite Geburtsstunde des erst acht Jahre alten Shootingstars der Social Media-Ära.
Ab Freitag wird Facebook eine börsengelistete Aktiengesellschaft sein und beginnt sich damit in den Kreis der arrivierten Großkonzerne von Corporate America einzureihen. Aus dem Stand wird Facebook mehr als 100 Milliarden Dollar wert sein – das ist eine absolut fantastische Lebensleistung, die Mark Zuckerberg keiner mehr nehmen kann und ihn fraglos zur Internet-Ikone unserer Tage macht. Der bescheidende Harvard-Abbrecher hat allen Grund, sich am Freitag gebührend feiern zu lassen.
Immense Nachfrage macht starkes Debüt wahrscheinlich
Und das sollte Zuckerberg auch tun, denn die Börsenparty könnte schneller vorbei sein, als viele erwarten. Keine Frage: Wenn die Facebook-Aktie unter dem Tickersymbol "FB" am Freitag um kurz vor 17 Uhr deutscher Zeit den Handel aufnimmt, dann könnte eine regelrechte Kursrakete die Papiere in erstaunliche Höhen katapultieren.
Anleger haben den Film wieder und wieder und wieder gesehen – schon die Papiere von Groupon und LinkedIn zogen in den ersten Minuten ihres Börsenlistings ab wie gut betankte Boliden aus der Boxengasse. Auf zwischen 34 und 38 Dollar hob das Social Network seine Bookbuilding-Spanne aufgrund der immensen Nachfrage bereits an.
Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sie FB-Aktien entsprechend am oberen Ende platziert werden. 104 Milliarden Dollar wäre Facebook damit Freitagnachmittag auf Basis des Ausgabekurses offiziell wert. Dienen die rasanten Kursaufschläge von LinkedIn oder Groupon zur Handelseröffnung als Indiz, erscheinen kurzfristig Kurssprünge in die Richtung von 150 Milliarden Dollar nicht völlig abwegig.
Wahrer Geldsegen: 14 Milliarden Dollar für die Kriegskasse
Doch hier fangen die  Probleme an. Wie langjährige Anleger wissen, reflektiert der Börsenkurs keinesfalls 1:1 den Wert eines Unternehmens: Der Aktienkurs drückt vielmehr aus, welchen Wert Anleger bereit sind, einem Unternehmen zuzubilligen. Und das ändert sich täglich wie die Stimmung. Dieses Missverhältnis zwischen fairem Wert und Börsenwert macht am Ende den Reiz und die Verlockung der Börse aus.
Dumm nur, dass sie bei Facebook in einem ganz krassen Missverhältnis stehen. Seit der Internet-Blase 1999/2000 hat es ein kaum ein Unternehmen gegeben, dass das überbordende Anlegerinteresse in derart saftige Notierungen übersetzen lässt. Natürlich ist Facebooks Vorgehen legitim: Die Börse ist ein Handelsplatz, der Käufer und Verkäufer  zusammenbringt – es geht um das ewige Wechselverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. 
Die Nachfrage ist erwartungsgemäß riesig, entsprechend kann Facebook fast jeden Preis für seine Aktien verlangen – keiner zwingt die Anleger schließlich, die Papiere zu zeichnen bzw. auf diesem Niveau zu kaufen. Für Facebook ist der IPO ein wahrer Geldsegen: Eine Geldschwemme von 14 Milliarden Dollar, die die Emission in die Kasse spült, möbelt die Kriegskasse gehörig auf. Zukäufe wie Instagram müssen da längst nicht das Ende der Fahnenstange sein. 
Im euphorischen Debüt liegt der Keim des Abstiegs
Auf den zweiten Blick bleibt jedoch die Frage, ob sich Facebook mit einem dermaßen üppigen Pricing einen Gefallen getan hat. Denn was nach dem Börsenlisting am Freitag folgt, könnte die Geschichte eines langen Abstiegs sein. Nach der ersten Euphorie dürften nämlich auch bei Facebook die Gesetze der Schwerkraft greifen. 
Und die könnten den Überflieger brutal auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ganz egal, ob Facebook mit 900 Millionen Mitgliedern das größte Werbepotenzial eines Internet-Unternehmens unserer Zeit besitzt – die vorliegende Geschäftsbilanz rechtfertigt zu keinem Zeitpunkt die Mond-Bewertung, mit der Facebook ab Freitag auf Aktionäre losgelassen wird. 
KGV jenseits der 100 zum Börsenstart
Ein Blick auf die jüngste Konzernbilanz lässt den 650 Pfund-Gorilla Facebook nämlich im Vergleich zu den dominierenden Playern der Internet- und Technologie-Welt eher wie ein Fliegengewicht erscheinen – leider allerdings als eines der teuersten der Börsenhistorie.
Bei Umsätzen von 3,7 Milliarden Dollar verdiente Facebook im abgelaufenen Geschäftsjahr gerade mal eine Milliarde Dollar. Die wichtigste Kennzahl der  fundamentalen Aktienanalyse, das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), entrückt Facebook in Dimensionen, die einen schmerzlichen Abstieg geradezu heraufbeschwören: Beim Ausgabekurs von 38 Dollar würde Facebook allen Ernstes mit einem KGV jenseits der 100 den Besitzer wechseln – bei Kursaufschlägen von 20, 30 oder 50 Prozent entsprechend bei Multiplen von 120, 130 oder 150.
Facebook sieht im Verhältnis zur Peer Group hoffnungslos überteuert aus
Ein Blick auf die jüngere und ältere Börsengeschichte lehrt, dass solche Missverhältnisse am Ende selten gutgehen. Vor allem in dem bereits  relativ reifen Geschäftsstadium, in dem sich Facebook befindet – und erst recht beim Blick auf die Peer Group. 
Google, der natürliche Rivale beim Kampf um die Vorherrschaft im Internet ist die größte Warnung für Facebook-Aktionäre. Google geht es gut, Google hat es verstanden, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen, das sich Quartal für Quartal bislang weitaus effektiver monetarisieren lässt als das von Facebook – und doch wechselt Google mit einem KGV von aktuell 15 gerade für einen Bruchteil der Mond-Bewertung von Facebook den Besitzer. Der Vergleich zu Apple, das sogar in der aktuellen Größe immer noch schneller wächst als Facebook (!), ist mit einem KGV von 12 noch absurder. 
Mahnender Börsenvergleich mit Google
Vor allem jedoch die Börsenentwicklung von Google muss potenzielle Facebook-Aktionäre in Alarmbereitschaft versetzen:  Auch die Internetsuchmaschine debütierte 2004 mit einem relativ üppigen KGV von 60, um dann nach einem schnellen Kursanstieg von 500 Prozent binnen zwei Jahren gar nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Bei aktuell 600 Dollar laufen frustrierte Google-Aktionäre immer noch den Hochs von 2007 bei 747 Dollar nach! 
Dabei laufen Googles Geschäfte heute natürlich weitaus besser als 2007 – der mit knapp 200 Milliarden Dollar wertvollste Internetkonzern verdient im Vergleich zu vor fünf Jahren ein Vielfaches und erzielt immer noch Umsatzsteigerungen von mehr als 20 Prozent. Allein: Die Börse ist nicht mehr bereit, dieselben Multiplen zu bewilligen  wie noch vor fünf Jahren, da Google ein heute reiferes Unternehmen geworden ist. 
Dieser Abstieg vom Olymp steht auch Facebook unweigerlich vor – eine Bewertung  mit einem KGV von 100 für ein 100 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, dessen Umsätze zuletzt nur noch um 45 Prozent wuchsen und dessen Gewinne sich in jüngsten Quartal gar rückläufig entwickelten, ist weder darstellbar noch an der Wall Street durchzuhalten. Bei allem Potenzial, das im weltgrößten Social Network, das für fast eine Milliarde Dollar zum Synonym des Internets geworden ist, stecken mag: kommende Facebook-Aktionäre sollten wissen, auf welche Wette sie sich einlassen – und die Grundrechenarten nicht aus den Augen verlieren.

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