Ende des Hypes: Social Reader im Sinkflug

Publishing Als Mark Zuckerberg vor einem Jahr seinen Open Graph vorstellte, waren sie das große Ding: Social Reader, die die Verlagsbranche auf Facebook beflügeln sollten. Der Run auf die Apps war groß. Jetzt folgt die Ernüchterung. Oder vielmehr: der Sinkflug. Der Washington Post laufen ihre “Social Readers” in Scharen davon. Die Gründe sind noch unklar: Ernüchterung oder Genervtheit? Zumindest dürfte der Abwärtstrend in vielen Verlagshäusern Fragen aufwerfen.

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Social Reader sind eigentlich das perfekte Tool für die Verlagsbranche. Mit der Installation dieser Apps bindet man den Nutzer – zumindest für längere Zeit – an eine Marke, macht ihn gleichermaßen zum Vermittler von Inhalten für seine Freunde und nutzt damit die Viralität von sozialen Netzwerken aus. Und noch wichtiger: Social Reader sind die perfekte Testumgebung, um zu ermitteln, welche Inhalte im Web gut funktionieren könnten.

Die Zahlen der Social Reader machten Hoffnung. Die Washington Post versechsfachte ihre Zugriffe aus Facebook durch Einsatz eines solchen Social Readers fast in einer Nacht. Viele internationale Medien zogen nach, zuletzt auch stern.de als erstes deutsches Nachrichtenportal.

Doch die Zahlen, die AppData für die Zugriffszahlen des Social Readers der Washington Post präsentiert, sind alarmierend. Das Blatt verlor unglaubliche zehn Millionen Facebook-Leser – innerhalb eines Monats. Beim Guardian sieht es nicht besser aus: von 600.000 Lesern auf 100.000 in nur einem Monat. Während  man auf Verlagsseite noch keine Begründung für den rapiden Abstieg in den Zugriffszahlen hat, sind mehrere Szenarien denkbar.

Die Wahrscheinlichste: Die Nutzer sind genervt. Denn mit dem Open Graph kam das sogenannte “Frictionless Sharing”, das automatisierte Verteilen von konsumierten Inhalten. Wer Freunde auf Facebook hat, die etwa Social Reader, den Streamingdienst Spotify oder das Bildernetzwerk Pinterest mit ihrem Konto verknüpft haben, wird von Playlisten, Artikelisten und Bilderreihen schlicht überflutet.
Abgesehen davon sind diese Social Reader nur bedingt sozial – zumindest für die Nutzer, die die App installiert haben. Befreundeten Nutzern ist es nur über Umwege möglich, die geilten Inhalte zu lesen, wenn sie den Social Reader selbst nicht installieren wollen. So bilden diese Tools eher abgeriegelte Subsysteme, die den Nutzer zur Zustimmung zwingen, als sich einer breiten Masse zu öffnen.

So ist der Einbruch nur allzu absehbar. Denn wer sich viraler Methoden bedient, der muss auch damit rechnen, dass der Hype irgendwann abnimmt.

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