Alle Regionalzeitungen verlieren, bis auf eine

Publishing Einmal schwarz im roten Zahlenmeer der Regionalzeitungs-Auflagen: Während nämlich fast alle Blätter Einbußen in den wichtigen Kategorien Abos und Kioskverkauf verzeichnen, gewann die tz aus München überraschenderweise hinzu. Die größten Verlierer des Quartals kommen hingegen aus Köln und Berlin: Der Express büßte heftige 11,0% gegenüber dem Vorjahr ein, die B.Z. 8,0% und der Berliner Kurier 6,5%. Glimpflich davon gekommen sind vor allem diverse Blätter im Süden Deutschlands.

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Beginnen wir unsere traditionelle Deutschlandreise durch das Land der Regionalzeitungen aber wie immer im Nordosten und dabei im umkämpftesten Zeitungsmarkt Deutschlands, dem in Berlin. Die beiden großen Boulevardblätter sind dort auch die größten Verlierer. So büßte die B.Z. dramatische 8,0% der verkauften Auflage ein und könnte mittelfristig hinter die Berliner Zeitung rutschen. Der Berliner Kurier verlor 6,5% und wird wohl in Kürze unter die 100.000er-Marke fallen. Die Qualitätsblätter Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost und Tagesspiegel verloren ebenfalls – aber nur 2,0% bis 3,0%.

In den anderen fünf östlichen Bundesländern schwanken die Verluste zwischen 1,2% und 3,6%. Recht gut hält sich dabei die Ostsee-Zeitung in Mecklenburg-Vorpommern, der nur 1,2% abhanden kamen, besonders deutlich verloren haben hingegen die Märkische Allgemeine in Brandenburg, die Mitteldeutsche Zeitung in Sachsen-Anhalt und die Zeitungsgruppe Thüringen. Deutlich nach unten ging es auch für beiden Zeitungen Hamburgs: Die Morgenpost verabschiedete – für Boulevardblätter noch recht verhaltene – 2,9% der Vorjahreskäufer, das Abendblatt sogar 4,5%.

Ein paar mehr Titel, die weniger als 2% gegenüber dem Vorjahr verloren, finden sich in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, NRW und Hessen. In Niedersachsen kamen die Neue Osnabrücker Zeitung bzw. die Zeitungsgruppe Südwest-Niedersachsen, sowie die Nordwest-Zeitung / Zeitungsgruppe Nordwest davon, in Schleswig-Holstein sind es die Kieler Nachrichten, in NRW die mrw Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen, die Zeitungsgruppe Neue Westfälische und die Zeitungs-Gruppe Münsterland, in Hessen büßte die HNA sogar nur 1,1% ein – in den aktuellen Zeiten schon ein kleiner Erfolg. Die sh:z aus Schleswig-Holstein hat auf den ersten Blick sogar deutlich gewonnen, allerdings wurden hier zum ersten Mal Titel wie die Pinneberger Tageblatt und die Barmstedter Zeitung mitgezählt – ohne sie hätte wohl auch sie sh:z verloren.

In NRW gibt es allerdings auch ein paar heftige Abstürze. So büßte der Express in nur einem Jahr 21.273 Käufer ein – ein Minus von satten 11,0%. Im für Boulevardblätter wichtigsten Einzelverkauf an Kiosk & Co. rauschte der Express sogar um 13,6% nach unten. Heftig sehen auch die 8,8% aus, die die Westdeutsche Zeitung verlor. Allerdings stammt ein großer Teil des Verlustes hier aus der Maßnahme, die sonstigen Verkäufe um fast 8.000 Exemplare nach unten zu fahren. Bei den wichtigen Abos verlor die WZ mit 3,9% allerdings auch recht deutlich. Für den Marktführer WAZ geht es unterdessen weiter mit großen Schritten nach unten: 34.211 Käufer verlor das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr – ein Minus von 4,4%.

Viel (relatives) Licht und wenig Schatten zeigen die IVW-Statistiken im Süden Deutschlands. Immerhin 13 Titel büßten in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Bayern weniger als 2% ein, vier davon sogar weniger als 1%. So gingen der Rhein-Main-Presse Rheinland-Pfalz nur 0,8% der Vorjahres-Käufer abhanden, der Münchner Merkur büßte sogar nur 0,5% ein, das Duo Straubinger Tagblatt und Landshuter Zeitung 0,8% und die Mittelbayerische Zeitung 0,9%. Am deutlichsten verloren haben unter den 21 größten Titeln des Südens die Geschwister Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten: 3,7%.

Und dann gibt es noch die beiden Münchner Boulevard-Zeitungen tz und Abendzeitung. Die tz ist der große Sieger der Quartals-IVW. Mit einem Plus von 1,2% – im wichtigen Einzelverkauf sogar mit einem von 1,9% – ist sie die einzige Regionalzeitung, die ohne Sondereffekte bei der harten Auflage zulegen konnte. Der Abendzeitung gelang auf den ersten Blick sogar eine richtige Sensation: Um 9,9% wuchs die verkaufte Auflage dort. 13.072 Käufer hat sie im Vergleich zum ersten Quartal 2011 gewonnen. Aber: Bei den Abos verlor die Abendzeitung 2,6%, im Einzelverkauf 2,4%. Der einzige Grund für das 9,9%-Plus: Der Verlag steigerte die sonstigen Verkäufe um heftige 39,3% oder 15.887 Exemplare. In der Gesamtverkaufs-Statistik hat man sich mit dieser Maßnahme sogar wieder vor die tz geschoben, doch das Minus bei Abos und am Kiosk kann man damit trotzdem nicht verschleiern.

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