Was Medienfuzzis von Katja Kessler lernen

Publishing Die Vergabe der Bundesligarechte für die Saison 2013/14 diese Woche kennt einen großen Verlierer unter den TV-Schaffenden: Johannes B. Kerner. Spiegel-Online-Geschäftsführerin Katharina Borchert wurde in einem besonders geschmeidigen Porträt gehuldigt. Katja Kessler läuft mit einer Online-Kolumne zu großer Form auf und wir Medienfuzzis lernen dabei so ganz nebenbei, dass der gelernte Frisör Udo Walz bereits seit Jahren eine eigene Talkshow im Fernsehen moderiert.

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Die Bundesliga-TV-Rechte für die Saison 2013/14 wurden diese Woche vergeben und da stellt sich natürlich vor allem eine Frage: Was passiert eigentlich mit dem Kerner? Sie erinnern sich: Johannes B. Kerner – einst eine Art Star-Moderator beim ZDF. Es läuft unrund für ihn. Seine “Kerner”-Show bei Sat.1 war ein Totalflop. Sat.1 hat die Champions League verloren, und nun hat auch die Telekom bald keinerlei Bundesliga-Rechte mehr. Für die Telekom hatte Kerner noch die IPTV-Show “Liga total” moderiert. Das fällt dann auch bald weg. Immerhin: Beim ARD-Vorabend wird was frei.

Aus der Rubrik “Das geschmeidige Porträt” ist in dieser Woche der Text über Spiegel-Online-Geschäftsführerin Katharina Borchert auf der Web-Technik-Website t3n aufgefallen. Da kommt man gar ja nicht mehr heraus, aus dem Schwärmen: “Von der Bloggerin zum Spiegel-Online-Chef” lautet die Überschrift (müsste es nicht Chefin heißen?) Weiter: “Manch ein Zeitgenosse wünscht sich insgeheim, Katharina Borchert wäre einfach eine freie Journalistin geblieben, die hier und da über Social Media referiert. Dann hätte sie noch immer Zeit, über die aberwitzigen Alltagsdinge zu bloggen, die sie täglich erlebt und die ihrem Gehirn interessante Schlussfolgerungen entlocken.” Hach! Wäre Frau Borchert Politikern, so meint die Autorin von t3n, man hätte sie längst zum Rücktritt gedrängt. Und zwar weil sie “so offenherzig über vermeintliche Tabuthemen schreibt”. Darüber “schmunzelt” Frau Borchert aber nur. Es geht weiter: Unter ihrer formidablen Leitung wurde derwesten.de “ein viel gelesenes Nachrichtenportal”. Wir erfahren auch, welche Erkenntnis Katharina die Große aus ihrer WAZ-Zeit mitnimmt: “Ich bin wahnsinnig gerne Chefin. Nicht wegen des größeren Büros, sondern weil mich die Verantwortung für Menschen glücklich macht.” Wie schön! Und während sich die Alpha-Männchen beim Spiegel, diese von Blumencrons und Mascolos aufplustern und über Paid Content zanken, hat die Chefin längst ihr Machtwort bei t3n gesprochen: “Paid Content wird es unter ihrer Führung nicht geben.” Damit wäre das dann auch geklärt.

Da bekommt man glatt Lust, selbst ein bisschen geschmeidig zu lobhudeln. Aber natürlich total gerechtfertigt: Die frühere Bild-Kolumnistin und zwischenzeitlich Dieter-Bohlen-Ghostwriterin Katja Kessler hat beim Bild.de-Ableger Stylebook.de eine neue Online-Kolumne, die man ausdrücklich loben muss. Nicht nur, weil der Kritze-Kratze-Stil mit ganz viel klickbaren Inhalten wunderbar zum Web passt, sondern weil die Kesslerin dort einen so angenehm ironisch-distanzierten Ton trifft. Einfach nett anzuschauen, wie sie z.B. hinter den Kulissen der Udo-Walz-Talkshow bei tv.berlin mit dem Handy filmt und die Walz’schen Huldigungen nachträglich mit einem Batz Comic-Schleim übergießt. Tussi-Content muss nicht peinlich sein.

Aber Moment: Udo Walz? Talkshow? War der nicht Frisör? Schnell man die allwissende Müllhalde in Form von diesem Google-Dingsda konsultiert und siehe da: Udo Walz talkt bereits seit 2010 bei tv.berlin. Auch als Medienfuzzi lernt man nie aus. Allerdings bin ich nicht der einzige, für den die Walz’sche Talkshow lange Zeit eine unbekannte Größe im TV-Geschäft war.

Fünf Minuten später sah die Sache dann schon wieder anders aus
Reality Distortion Field am Freitagnachmittag im Web: Spiegel Online meldete: "Gema Prozess – YouTube darf Musiktitel im Netz lassen". Woanders stand: "Videoplattform muss Musiktitel entfernen – YouTube unterluegt Gema im Urheberrechtsstreit". Ja, was denn nun!? Des Rätsels Lösung findet sich bei Twitter. Dort schrieb der dpa TechTicker: "Nach der richtigen Eilmeldung zu #YouTube vs. #Gema ist aus Versehen auch vorbereitete Alternativ-Meldung auf Sender gegangen. #shithappens". Tja, so kann man das auch formulieren. SpOn hat das mittlerweile natürlich gemerkt und transparent korrigiert. Bleibt zu hoffen, dass das Bildblog die Sache nicht aufgreift. Sonst kommt noch die dpa-Konkurrenz dapd und macht gleich wieder eine "Studie" daraus.

Schönes Wochenende!

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