„Ein Magazin wie eine Altbauwohnung“

Publishing Falls Sie 10.000 Euro übrig haben und in Bilder, Plastiken oder Grafiken investieren wollen, ist die neue Weltkunst genau das richtige Magazin. Denn die neue Chefredakteurin Lisa Zeitz hat die Zeit-Tochter komplett überarbeitet und bietet jetzt eine neue Rubrik mit Kunstwerken für unter 10.000 Euro. Ansonsten verspricht der Herausgeber und Zeitmagazin-Chefredakteur Christoph Amend: „Mehr Klarheit, mehr Orientierung, eine größere Lesefreude. Und natürlich viele neue Leser."

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Warum braucht der Markt ein Magazin wie Weltkunst?
Lisa Zeitz (Chefredakteurin): Die Weltkunst ist ein Magazin, das Kunst aus allen Epochen beleuchtet, nicht nur die Zeitgenossen. Es ist das führende Magazin für alle, die an Kunst und am Kunsthandel interessiert sind.
Christoph Amend (Herausgeber): Das ist die Tradition der Weltkunst seit 1930, als sie in Berlin gegründet wurde, übrigens in der Kurfürstenstraße, in jener Gegend, in der heute wieder eine Galerienszene entsteht. Wir wenden uns nicht an alle, aber an alle, die sich intensiv mit Kunst beschäftigen, seien es Sammler, der Handel, Institutionen und natürlich die Künstler selbst.

Das aktuelle Cover

Wie würden Sie die Weltkunst in zwei Sätzen beschreiben?
Amend: Die Weltkunst ist ein Magazin aus Liebe zur Kunst…
Zeitz: …und aus Wertschätzung für den Markt.

Warum haben Sie die Weltkunst renoviert?
Zeitz: Die Gespräche, die wir in den letzten Monaten mit unseren Lesern geführt haben, zeigten den Wunsch nach einer klaren Struktur. Deshalb haben wir das Magazin in drei Teile strukturiert: Im ersten Teil gibt es die festen Rubriken und Kolumnen, im opulenten Mittelteil gibt es ausführliche Geschichten und Bildstrecken. Der dritte Teil ist die Agenda, sie enthält die wichtigsten Termine für Ausstellungen, Kunstmessen und Auktionen.
Amend: Dazu kommt: Der Kunstmarkt verändert sich, neue Sammler-Generationen wachsen nach, die anders geprägt sind als ihre Eltern. Ihnen wollen wir den Einstieg in den Markt erleichtern. Wir haben beispielsweise gleich am Anfang des Heftes eine Seite eingeführt, die in diesem Monat den Titel trägt "Wenn wir im Mai drei Wünsche frei hätten", mit drei Empfehlungen für Kunstwerke, die jetzt zu kaufen sind – und weniger als 10.000 Euro kosten.

Was ist alles neu?

Amend: Lisa hat die neue, klare Struktur schon angesprochen. Wir haben die Redaktion entscheidend verstärkt, etwa mit dem neuen stellvertretenden Chefredakteur und Textchef Matthias Ehlert, der von AD zu uns gekommen ist und mit Annabelle Hirsch, die zuvor für die FAZ geschrieben hat. Außerdem haben wir neue Kolumnisten gewonnen, die alle auf ihre Art und auf ihren Gebieten die Kompetenz der Weltkunst stärken. Susanne Schreiber, Kunstmarkt-Chefin des Handelsblatts, schreibt künftig jeden Monat eine Marktanalyse, im Mai beschäftigt sie sich mit Silber.
Zeitz: Christoph spricht mit Hans Ulrich Obrist, dem derzeit weltweit wichtigsten Kurator aus London, der dafür bekannt ist, immer auf Achse zu sein. Diesmal schildert er seine erstaunlichen Kunst-Eindrücke aus den arabischen Emiraten.
Amend: Ich freue mich sehr auf die monatlichen Gespräche mit Hans Ulrich Obrist. Wobei ich nicht wusste, was er genau damit meinte, als er mir sagte, er würde die Interviews gerne in den Stunden des Tages führen, die ihm am liebsten sind.
Zeitz: Christoph musste schlucken, als er uns davon erzählte…
Amend: Das Erste fand morgens um acht Uhr statt. Ein weltweit tätiger Kurator kennt offenbar keine Müdigkeit.
Zeitz: Elisabeth von Thurn und Taxis, von Hause aus vertraut mit der Kunstwelt, entlockt Künstlern immer auf der letzten Seite Tipps über ihre Lieblingsstädte, in einer Art Kunst-Reise-Fragebogen. Und Tillmann Prüfer, der Style Director des Zeitmagazins, schreibt eine Kolumne über hohe Handwerkskunst in der Welt des Stils: "Die Hand des Meisters".

Überarbeitete Weltkunst-Seite

Was versprechen Sie sich von dem Relaunch?
Amend: Mehr Klarheit, mehr Orientierung, eine größere Lesefreude für unsere Stammleserschaft. Und natürlich viele neue Leser, die Lust haben, sich mit der Kunst und dem Kunstmarkt über die Weltkunst vertraut zu machen. Wir haben uns das Heft in der Vorbereitung immer wie eine Altbauwohnung vorgestellt, in der sich verschiedene Stile und Epochen begegnen, vom Designregal von Dieter Rams bis zum Gemälde aus dem 16. Jahrhundert. So haben wir die Weltkunst auch eingerichtet.
Zeitz: Vielseitig, aber nicht beliebig, ein Magazin für Ästheten.

Kunst für unter 10.000 Euro

Interessieren sich die Menschen heute mehr oder weniger für Kunst?
Zeitz: Den Besucherzahlen der großen Museen und den Umsätzen der Auktionshäuser nach zu urteilen, interessieren sich immer mehr Menschen für die Kunst. Wenn Auktionen Rekordergebnisse einspielen, dann sieht es manchmal so aus, als ob nur Millionäre Kunst ersteigern, aber so ist es ja gar nicht. Es gibt zum Beispiel Graphiken oder Keramik manchmal schon für ein paar hundert Euro.
Amend: Und auch dafür interessieren sich unsere Leser. Gegen den Trend anzufangen, ein bestimmtes Gebiet zu sammeln, erfordert große Leidenschaft. Solche Sammler werden wir immer wieder porträtieren.
Zeitz: Manche Menschen sind von Kindheit an von Kunst umgeben, manche finden erst später zur Kunst. Viele junge Leute interessieren sich zuerst für zeitgenössische Kunst und entdecken dann, dass auch vergangene Jahrhunderte Objekte hervorgebracht haben, die voller köstlicher Geschichten sind – sie können bizarr, grausam oder sexy sein.

Warum braucht es überhaupt noch Kunstmagazine. Lässt sich via Internet und Social Media Kunst nicht noch viel direkter erleben?
Zeitz: Im Internet findet man doch meistens das, was man sucht, aber in einem Magazin gibt es eben die verschiedensten Geschichten nebeneinander, die man sonst nicht entdecken würde – von einem deutschen Bildhauer, der seine Leinwände am Strand seiner Kindheit ausbreitet und im hohen Alter malt wie wild…
Amend: Das Porträt von Günther Uecker, von dem Lisa gerade spricht, hat übrigens Wolfgang Büscher geschrieben…
Zeitz: … über barocke Möbelkunst und einen vergessenen englischen Künstler des 19. Jahrhunderts bis zu einem New Yorker Psychoanalytiker, der afrikanische Masken sammelt…
Amend: …alles Geschichten aus unserer ersten Ausgabe. Man kann Ihre Frage auch anders beantworten: Nehmen Sie die Weltkunst in die Hand, genießen Sie in aller Ruhe die Qualität der Bilddarstellung auf unserem Hochglanzpapier, die Opulenz der großen Geschichten, dann wissen Sie, warum Kunstmagazine nie verschwinden werden.

Warum gibt es die Weltkunst trotzdem nicht ernsthaft im Internet?
Zeitz: Die Weltkunst wird ihre Präsenz auf Twitter und Facebook ausweiten. Folgen sie uns gerne über Twitter.com/WeltkunstNews.
Amend: So werden wir ab sofort aktuelle Ereignisse kommentieren und von relevanten ebenso wie von unterhaltsamen Erlebnissen berichten. Damit erreichen wir unsere Leserschaft, die sich im Netz bewegt, am schnellsten.

Was ist die schwierigste bzw. höchste Kunst beim Magazinmachen?
Amend: Wenn ein großer Künstler wie Günther Uecker, übrigens derselbe Jahrgang wie die Weltkunst, auf dem Titelbild strahlend die Leserinnen und Leser mit einladender Geste willkommen heißt, dann ist das für eine Redaktion auf jeden Fall Grund für größte Freude.

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