Heesters-Witwe wirft Bild Rufmord vor

Publishing Simone Rethel, die Witwe des im Alter von 108 Jahren gestorbenen Schauspielers Johannes Heesters, ist stinksauer auf die Bild-Zeitung. Bild hatte einen Artikel unter der Überschrift “So machten die Nazis Johannes Heesters reich” veröffentlicht. In einem offenen Brief an Bild-Chef Kai Diekmann und Verlegerin Friede Springer spricht Simone Rethel nun von “posthumem Rufmord”. Der Bild-Artikel sei “eine journalistische Schmiererei auf unterstem Niveau.”

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Das lange und sehr detaillierte Schreiben Simone Rethels hat diese auf der Website www.johannes-heesters.de in voller Länge veröffentlicht. Sie argumentiert, dass die von Bild erhobenen Vorwürfe, Johannes Heesters habe als Künstler finanziell von der Nazi-Diktatur profitiert, nicht neu seien. Alte Vorgänge und Zitate seien in dem Bild-Artikel “bewusst zu einem irreführenden Kontext zusammengeführt worden”.

Simone Rethel: “Den Zusammenhang zwischen einer künstlerischen Arbeit oder der Person Johannes Heesters in Verbindung mit Todeslagern und Schlachtfeld zu bringen, grenzt an Rufmord!” Auch der Vorwurf der Bild, Heesters habe in einer “arisierten Villa in Berlin” gewohnt (arisiert bedeutet, dass jüdische Vorbesitzer von den Nazis zwangsenteignet wurden), sei nachweislich falsch. Heesters habe die bewusste Berliner Villa von den jüdischen Eigentümern angemietet.

Simone Rethel: “Die immer wieder behauptete Nähe Heesters´ zu den Nazis begründet sich allein in der Tatsache, dass er in dieser Zeit gearbeitet hat und Filme drehte. So wie tausende von Schauspielern, Kameraleuten, Tontechnikern, Drehbuchautoren und Kostümbildner dieses Metiers seinerzeit. Heesters hat seinen Beruf von 1921 bis 2011 ausgeübt. Zeitlebens bediente er das gleiche Genre, in Kriegszeiten nicht anders als vorher oder nachher.”

Dass Heesters offizielle Briefe mit “Heil Hitler” unterschrieb, wie die Bild notiert, sei auch kein Beleg für eine Nähe zu den Nazis. Simone Rethel: “Jeder, der sich mit der Nazigeschichte ein wenig beschäftigt, weiß, dass Niemand zwischen 1933 und 1945 einen Brief an eine offizielle Stelle hätte schreiben und diese Formel weglassen können. Lächerlich…”

Gegen Ende des offenen Briefs wendet sich die Heesters-Witwe direkt an Bild-Chef Kai Diekmann: “Abgesehen von der Pietätlosigkeit solch eines Artikels, brauche ich nicht besonders zu erwähnen, dass die gesamte Familie meines Mannes und ich tief verletzt sind. In den letzten Wochen, als mein Mann im Dezember 2011 im Krankenhaus lag, war es Ihre Redaktion, die unbedingt ‘Das letzte Foto…’ verbreiten musste, um danach mit schmachtenden Lettern wie ‘Jopie, du schaffst es’, usw. auf die Tränendrüse zu drücken. Auch hier können Sie sich denken, dass diese Berichterstattung nicht im Sinne der Familie war. Wir haben alles schweigend hingenommen. Mit diesem aktuellen Bericht sind Sie nun eindeutig zu weit gegangen! Diesen posthumen Rufmord hat Johannes Heesters, dessen Wirken nicht nur die Kriegsjahre dauerte (!!!), nicht verdient.”

Aktuell versucht Simone Rethel einen Johannes-Heesters-Preis oder eine Stiftung zur Förderung junger Künstler auf die Beine zu stellen. Diesem Vorhaben habe die Bild mit ihrer Berichterstattung sehr geschadet. Die Bild habe mit dem Bericht “genau das zerstört, wofür ihn Ihr eigener Axel Springer Verlag im Jahre 2002 ausgezeichnet hat: Die goldene Kamera ‘Lebenswerk’.” Darum wolle sie zusammen mit der übrigen Familie als “symbolisches Zeichen unserer persönlichen Missachtung gegenüber ihrem Verlag” die Goldene Kamera in den nächsten Tagen zurückschicken.

Ein Bild-Sprecher sagte zu den Vorwürfen Simone Rethels gegenüber MEEDIA: “Diese Vorwürfe können wir nicht nachvollziehen. Die Berichterstattung in BILD war journalistisch sachlich, sie stellt das Lebenswerk von Jopie Heesters nicht in Frage und hat ihn auch nicht in die Nähe der Nazis gerückt. Bild hat lediglich Fakten aus den Akten des Bundesarchivs wiedergegeben, sowie detailliert die steigenden Gagen von Herrn Heesters während der Nazi-Diktatur dokumentiert und sich dabei jeder Wertung enthalten.”

Beim Lesen des Bild-Artikel und der Replik der Heesters Witwe, kann sich darüber jeder sein eigenes Urteil bilden.

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