Die FAZ lockt Manager auf die Schulbank

Publishing Der Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) eröffnet ein neues Geschäftsfeld: eine Business School. Auf einer bereits frei geschalteten Webseite heißt es: "Wir bieten ein exklusives Weiterbildungsprogramm". Und: "Wir wollen durch die systematische Förderung von Führungspersönlichkeiten eine neue unternehmerische Kultur in Deutschland etablieren." Als Geschäftsführer des neuen Unternehmens firmiert Josef Krieg, der bei der FAZ für neue Geschäftsfelder verantwortlich ist.

Werbeanzeige

Ungewöhnliche Ideen haben die Frankfurter dann und wann. Nicht nur bei der Auswahl ihrer Aufmacherfotos, sondern auch bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Im Gespräch war beispielsweise mal, eine kleine Kette von Studentencafés aufzubauen. Und mit dem FAZ-Institut tummeln sich die Frankfurter schon länger auf den Feldern Professional (Branchenanalysen) und Corporate Publishing. Nun also eine Business School. Über die sich Geschäftsführer Krieg noch nicht im Detail äußern möchte, Unternehmenskommunikator Andreas Tazl bittet auf Nachfrage noch um etwas Geduld. Auf die in Gründung befindliche Schule als erste aufmerksam wurde die freie Journalistin und MBA-Expertin Bärbel Schwertfeger, die bereits zwei Artikel zu der Gründung veröffentlichte.

Derweil können fortbildungshungrige Manager schon jetzt einsehen, was die Business School der FAZ ihnen bieten will. Ziel sei die Herausbildung bzw. Förderung von Persönlichkeiten, Grundlage die "liberal-konservativen Werten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung", heißt es auf der Webseite. In drei Stufen – Inspiration, Abstraktion, Adaption – lernen die Management-Schüler "herausragende" Persönlichkeiten kennen und sollen anschließend mit Unterstützung des FAZ-Personals von den Herrschaften – Nobelpreisträger, Wirtschaftsführer, Künstler, auch Medienmacher werden genannt – lernen.

Zu den Kosten für eine solche Persönlichkeitsschärfung "made by FAZ" ist auf der Webseite nichts in Erfahrung zu bringen. Gerne konzipiere die Business School jedoch ein "individuelles Angebot". Insofern ist die Frankfurter Management-Schmiede auch keine Business School im klassischen Sinn, bei der man etwa einen MBA erwerben könnte. Die FAZ-Schule sei "eine Weiterbildungsinstitution, die über die Vermittlung von Fachwissen hinausgeht", heißt es. Die Bezeichnung "Business School" sei nach Rücksprache mit den FAZ-Herausgebern beschlossen worden, sagte Geschäftsführer Krieg der MBA-Expertin Schwertfeger. Das Personal rekrutiert sich laut Schul-Webseite aus einer "Allianz von Journalisten, Wissenschaftlern, Managern, Unternehmern, Persönlichkeiten, Zukunftsforschern und Politikern". 

Auf einen interessanten Aspekt macht Schwertfeger in ihren Artikeln aufmerksam: Bis Ende vergangenen Jahres saß Tobias Trevisan, der Sprecher der Geschäftsführung der FAZ GmbH, im Aufsichtsrat der Wiesbadener European Business School (EBS). Er sei dann mit dem Hinweis zurückgetreten, die FAZ GmbH wolle sich "vermehrt im Weiterbildungsmarkt engagieren" und daher "Interessenskonflikte vermeiden". Der im vergangenen Jahr von der EBS entlassene Präsident Christopher Jahns, so Schwertfeger, halte derweil die Rechte an der Webseite www.faz-business-school.com. Jahns sei an dem FAZ-Projekt aber nicht beteiligt, lautet die Aussage der FAZ gegenüber Schwertfeger. Der Frankfurter Verlag hat sich derweil entsprechende Domains mit der Endung .de gesichert.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige