Die Gründe für das Aus der Schmidt-Show

Fernsehen Die “Harald Schmidt Show” wird am 3. Mai nach nur gut sechs Monaten zum letzten Mal bei Sat.1 laufen. Schmidt selbst machte in seiner Sendung vom Mittwoch keinen Hehl daraus, dass er vom Sender gefeuert wurde - offenbar wegen der miesen Quoten. Aber es gibt auch Gründe jenseits der schlechten Einschaltquoten, warum Harald Schmidt und Sat.1 gerade jetzt wieder auseinandergehen. Ein Erklärungsversuch für Schmidts Scheitern bei Sat.1 in fünf Schritten.

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1. die Quoten

Die Einschaltquoten waren in der Tat mies. Am 2. November 2011 schrieb MEEDIA “Harald Schmidt so erfolglos wie nie zuvor”. Die Marktanteile in der Zielgruppe lagen regelmäßig bei um die fünf Prozent. Zu weit entfernt vom Senderschnitt, der um die zehn Prozent liegt. Auch die Ausweitung auf einen zusätzlichen Sendeplatz am Donnerstagabend brachte keinen Schub für die Quoten. Am Mittwoch, dem Tag an dem das Aus für die Show verkündet wurde, schalteten immerhin 0,51 Mio. 14 – bis 49-Jährige ein, ein Marktanteil von zehn Prozent. Viele waren sicher neugierig, was Schmidt selbst zu seiner Absetzung sagen würde (u.a. sagte er dies: „Mit der Champions League ist hier auf Sat.1 im Mai Schluss. Was man hört: Die Spiele sollen gut gewesen sein, aber die Quoten waren nicht so doll.“) Auch der Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack begründete das Aus für die Show mit den schlechten Quoten. Die Erhöhung der wöchentlichen Frequenz auf drei Sendungen habe die Fangemeinde “leider nicht ausreichend erweitern können.” Aber die Quoten sind nicht alles.

2. die Sendezeit

Nachdem das Aus für die “Harald Schmidt Show” auf seiner Facebook-Seite mitgeteilt wurde, sammelten sich dort in kurzer Zeit über 1.000 Kommentare. Die allermeisten Nutzer waren wütend und entsetzt darüber, dass die Show abgesetzt wird. Sehr viele beklagten sich über die späte Sendezeit. In der Tat ist 23.15 Uhr ziemlich spät für die berufstätige Bevölkerung. Zumal die Sendung bei Fußball-Übertragungen oder anderen Events oft noch deutlich später begann. Ein Beginn der Sendung um 22.15 Uhr hätte vermutlich die Quoten verbessert. Allerdings hätte man um diese Zeit womöglich nicht ganz die inhaltlichen Freiheiten gehabt, wie zur späten Nachtzeit (“Klassiker des Herren-Witzes” zum Beispiel).

3. die Programmierung innerhalb der Sendergruppe

Zur späten Sendezeit kommt hinzu, dass der Sat.1-Schwestersender ProSieben zur gleichen Zeit wochentags Stefan Raab mit “TV total” programmiert hat. Nun ist die Zielgruppe von Schmidt und Raab sicher nicht hundertprozentig deckungsgleich – aber es gibt bestimmt einige Raab-Fans, die auch Schmidt einschalten würden – wenn er denn nicht zur gleichen Zeit senden würde.

4. Segen und Fluch der Mediathek

Die späte Sendezeit der “Harald Schmidt Show” wird von vielen Fans dadurch umgangen, dass sie sich die Sendung am nächsten Tag online bei Sat1.de anschauen. Dort stehen die kompletten Folgen und Ausschnitte zur freien Verfügung im Netz. Das ist ein praktischer Service, kostet aber womöglich wertvolle Zuschauer bei der Quotenmessung. Und bei einer Sendung wie der Schmidt-Show, die eine treue, aber überschaubare Fan-Gemeinde hat, ist jeder Zuschauer wertvoll. Schmidt selbst thematisierte das Problem der Mediathek-Nutzung in seiner Show vom Mittwoch: “Wie, sie sehen mich nicht? Ist zu spät jetzt für sie? Ach so, sie gucken jetzt schon morgen im Netz. Das höre ich viel, jajaja. Bitte? Früher wär’ besser? Ja! Schreiben sie mal. An den Sat im ZDF. So heißt der Sender.” Der Appell kommt wohl zu spät.

5. Personalwechsel an der Senderspitze

Nachdem der fürs deutsche Free-TV-Geschäft zuständige ProSiebenSat.1-Vorstand Andreas Bartl die Sendergruppe Anfang März verlassen hat, mutmaßten manche in der Branche schon, dass es eng werden könnte für Harald Schmidt. Bartl hatte Schmidt in seiner Zeit als Sat.1-Chef zurückgeholt und Schmidt in der Gruppe stets als Image-Träger verteidigt. Nach Bartls Abgang hat der neue Sat.1-Chef Joachim Kosack, der selbst unter einem gewissen Erfolgsdruck steht, offenbar die Gelegenheit zum Handeln gesehen. Ob das für den Sender langfristig eine gute Entscheidung war, muss sich zeigen.

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