DuMont: Zeitungen wie bei Bismarck

Publishing Anlässlich seines 85. Geburtstages am 29. März hat die dpa den Kölner Verleger Alfred Neven DuMont (u.a. Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Express) interviewt. In dem Gespräch äußert sich Neven DuMont auch zur Zukunft der gedruckten Zeitung. Dabei entwickelt er das Szenario, dass Print-Zeitungen zu “Elite-Zeitungen” mit kleinen Auflagen “zurückschrumpfen” könnten. Ganz wie zur “Bismarck-Zeit”. Damit habe er "keine Last".

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Er möge sich keine Welt vorstellen, aus der Zeitungen ganz verschwunden sind, sagt Alfred Neven DuMont auf die Frage, ob es zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2017 noch gedruckte Zeitungen gebe. Und dann macht er einen bemerkenswerten Schwenk in die Vergangenheit: “Aber gehen Sie zurück in die Bismarck-Zeit. Damals hatten Zeitungen wie die Frankfurter oder die Kölnische Zeitung Auflagen von 40.000 oder 60.000 – und waren hoch angesehen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass unsere Auflagen schrumpfen. Damit habe ich keine Last.” Es werde “Elite-Zeitungen geben wie früher”, so der Verleger. Und: “Wir schrumpfen uns im Grunde wieder zurück."

Der Verleger DuMont hielt außerdem ein engagiertes Plädoyer für die von Verlegern geführte Zeitung und übte sanfte Kritik an Managern. Heute würden Zeitungen fast nur noch von Managern geführt. DuMont: “Nichts gegen Manager, sie denken von der Wirtschaftlichkeit her, und das sollen sie auch. Aber es kann sein, dass der publizistische Auftrag dann eventuell zu kurz kommt.” Als Rezept für das Überleben von Zeitungen nannte DuMont in erster Linie die oft zitierte Qualität: “Investiert in die Qualität eurer Blätter! Denn Qualität ist das einzige, was letzten Endes zählt. Die kreative Elite will Stoff haben. Deshalb müssen die Zeitungen in der Zukunft an Qualität noch zunehmen."

Das Konzept, dass Finanzinvestoren Zeitungen übernehmen, erklärte DuMont für gescheitert. Dadurch, dass die Auflagen von gedruckten Zeitungen schrumpfen, gehe die Rechnung für Finanzinvestoren nicht mehr auf. DuMont selbst hat 2009 von dem Finanzinvestor David Montgomery die Berliner Zeitung, den Berliner Kurier und die Hamburger Morgenpost gekauft. Zum Zeitungsreich DuMonts gehören außerdem die Frankfurter Rundschau, der Kölner-Stadtanzeiger, die Kölnische Rundschau, der Express, die Mitteldeutsche Zeitung sowie Anteile am Bonner General-Anzeiger und dem Naumburger Tageblatt.
Das komplette Interview mit Alfred Neven DuMont bei der Rhein-Zeitung

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